Dass sie sich beworben hat, war bekannt, jetzt ist offenbar die Entscheidung gefallen: Isabel Schnabel, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), wechselt zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington. Sie wird dort Leiterin der Abteilung „Märkte“, die seit dem 1. September vakant ist. Bislang hatte den wichtigen Posten der gebürtige Kronberger Tobias Adrian inne, ein Spezialist für Finanzmarktstabilität. Adrian wiederum gehört zu den möglichen Kandidaten für die Nachfolge von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, der im Mai nächsten Jahres ausscheidet. Diese Entscheidung dürfte von der Politik aber in einem Paket mit der Nachfolge für EZB-Präsidentin Christine Lagarde getroffen werden. Die Amtszeit Lagardes dauert offiziell noch bis Oktober nächsten Jahres, es wird aber allgemein erwartet, dass sie noch vor den Wahlen in Frankreich im April nächsten Jahres aufhört. Schnabel, Jahrgang 1971, war vor ihrer Zeit bei der EZB Wirtschaftsprofessorin in Bonn. Von 2014 bis 2019 war sie zudem Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweise“). Ihre Forschungsgebiete sind unter anderem Finanzkrisen und das Bankenwesen. In der EZB fiel sie immer wieder durch Grundsatzreden zu ökonomischen Themen auf. Geldpolitisch galt sie anfangs als „Taube“, also als Befürworterin einer lockeren Geldpolitik, wandelte sich aber nach Einschätzung von Beobachtern spätestens seit dem Ausscheiden des österreichischen Notenbankchefs Robert Holzmann zum entschiedensten „Falken“, also Vertreter einer straffen Geldpolitik. In einem Interview hatte sie gesagt, wenn sie gefragt werde, könne sie sich auch vorstellen, EZB-Präsidentin zu werden.
