FAZ 14.09.2026
07:15 Uhr

Wahl in Schweden: Das linke Lager liegt ganz knapp vorne


Nach den Parlamentswahlen in Schweden sind die linken Parteien knapp in Führung. Am stärksten verlieren die rechtspopulistischen Schwedendemokraten.

Wahl in Schweden: Das linke Lager liegt ganz knapp vorne

Bei den Parlamentswahlen in Schweden sind die oppositionellen Sozialdemokraten am Sonntag mit Abstand stärkste Kraft geworden. Hochrechnungen sahen die Partei von Magdalena Andersson am Montagmorgen bei rund 28,1 Prozent der Stimmen. Das wären zwar fast drei Prozentpunkte weniger als bei der bislang letzten Wahl im Jahr 2022. Trotzdem könnte Andersson damit Regierungschefin werden, da der Block der linken Parteien im Parlament insgesamt den Hochrechnungen nach eine knappe Mehrheit von drei Sitzen im Parlament erzielt. Doch kann es noch zu Verschiebungen kommen, dabei könnte es nun auf die Stimmen der Auslandsschweden ankommen sowie auf Briefwahlstimmen, die zunächst noch nicht alle ausgezählt waren. Zweitstärkste Kraft wurden die Moderaten von Regierungschef Ulf Kristersson mit knapp 20 Prozent, die sich damit leicht verbessern konnten. Kristersson hatte eine Minderheitsregierung von Moderaten, Christdemokraten und Liberalen angeführt, die von den Schwedendemokraten toleriert wurde. Das sogenannte Tidö-Bündnis mit den Rechtspopulisten hatte umfangreiche Verschärfungen in der Migrations- und Kriminalitätspolitik durchgesetzt. Kristersson äußerte sich zunächst nicht zum Wahlausgang. Laut einem Bericht der Zeitung „Aftonbladet“ will er aber offenbar zunächst nicht seine Niederlage eingestehen. Demnach heißt es bei seiner Partei, den Moderaten, das linke Parteienlager sei sich so uneinig, dass Kristersson plane, Unterstützung bei den anderen Parteien zu sammeln, um sich abermals zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Etwa könnte er demnach versuchen, die Zentrumspartei in das Lager des Tidö-Bündnisses zu ziehen. Allerdings lehnt die Zentrumspartei eine Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten kategorisch ab. Deutliche Verluste für die Schwedendemokraten Die Schwedendemokraten wurden anders als 2022 nur noch drittstärkste Kraft. Sie verloren deutlich und kamen nur noch auf 17,6 Prozent. 2022 hatten sie noch 20,5 Prozent erzielt. Vor der Wahl hatten sie Anspruch auf eine nun auch formelle Regierungsbeteiligung, sprich Ministerämter, erhoben – was ihnen von Kristersson im Falle seiner Wiederwahl zugesichert worden war. Die Christdemokraten gewannen leicht und kamen auf rund sechs Prozent der Stimmen. Auch die Liberalen konnten sich leicht auf 5,5 Prozent verbessern. Sie hatten lange im Wahlkampf zittern müssen, ob ihnen abermals der Sprung über die Vierprozenthürde gelingt. Den lautesten Jubel gab es auf der Wahlparty der Linkspartei, sie erzielte mehr als acht Prozent und konnte sich damit verbessern. Auch die Grünen verzeichneten einen Zuwachs, sie kamen den Hochrechnungen nach auf etwa 6,4 Prozent der Stimmen. Sollte das linke Parteienlager auch dann in Führung sein, wenn alle Stimmen ausgezählt sind, dürfte der Auftrag, eine neue Regierung zu bilden, an Andersson gehen. Diese war bereits zwischen 2021 und 2022 Ministerpräsidentin Schwedens gewesen. Erwartet wird dann allerdings eine schwierige Regierungsbildung. Die Positionen der Parteien des linken Lagers unterscheiden sich gerade in der Migrationspolitik erheblich; während die Sozialdemokraten viele Vorhaben der nun wohl abgewählten Regierung unterstützten, lehnten insbesondere die Linkspartei und die Grünen diese ab. Zudem ist unklar, ob die Zentrumspartei in eine Regierung mit der Linkspartei gehen wird.