Ein rot-weißes Flatterband sperrt das Gelände ab, und an der Tür hängt ein Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten – Lebensgefahr!“ Das Hotel Crowne Plaza Hotel im Frankfurter Stadtteil Niederrad ist am Montag aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. In den frühen Morgenstunden mussten überraschend freigestellte Angestellte und Gäste mit Koffern das Haus verlassen, das vor allem bei Messebesuchern beliebt ist. Der Brandschutz in dem Hotel mit 14 Geschossen sei nicht mehr gewährleistet, heißt es. Gäste kamen in anderen Hotels in Frankfurt unter. „Wir haben Angst, dass da ein Mensch zu Schaden kommt“, teilte auf Anfrage die Familie Etmenan mit, die das Hotel betreibt. „Die Schließung ist eine schwere Entscheidung. Das Crowne Plaza war eines unserer Flaggschiffe.“ Die Familie führt eine der erfolgreichsten Hotelketten Deutschlands, die in Hamburg ansässige Novum Hospitality. Diese betreibt an 60 Standorten in Europa Häuser mit mehr als 20.000 Zimmern. 2018 mietete die Gruppe das Gebäude an der Lyoner Straße, das zuvor als Arabella Sheraton bekannt war, und betreibt es als Franchisenehmer des britischen Konzerns IHG, zu dem die Marke Crowne Plaza gehört. Doch von Anfang an gab es Probleme mit dem 1972 errichteten Haus mit 395 Zimmern. Insider und Dokumente zeichnen ein desaströses Bild: Die 14. Etage ist seit 2023 wegen Brandschutzmängeln gesperrt, in der 13. Etage sind 31 Zimmer wegen Wasserschäden unbenutzbar. Das Flachdach ist undicht, ebenso der Pool, der deshalb vor mehr als fünf Jahren abgelassen werden musste. Die Fahrstühle fallen fast täglich aus. Einer wurde stillgelegt, andere drohen steckenzubleiben. In der Lobby riecht es muffig, da die Lüftung außer Betrieb ist. Nun soll auch die Sprinkleranlage wegen Rost und Ablagerungen nicht mehr funktionieren. Das zeigen Gutachten von März und Juli dieses Jahres. Eine Begehung des geräumten Hotels sollte diesen Befund am Montag endgültig bestätigen. „Es bestand nie Gefahr für Gäste oder Mitarbeiter“, versichert der Hotelbetreiber. Kostspielige Brandwächter seien rund um die Uhr patrouilliert. Sanierung könnte 25 Millionen Euro kosten Eine Reparatur bei laufendem Betrieb sei unmöglich. Die Reparaturkosten aller Mängel könnten laut ersten Schätzungen bei 25 Millionen Euro liegen, allein 2,5 Millionen Euro könnte der Austausch der Sprinkleranlage kosten. Gutachter hätten zudem festgestellt, dass Asbest verbaut ist. Ihm sei das nicht bekannt gewesen, sagt der Betreiber. „Während der Sanierung könnten Asbestfasern freigesetzt werden.“ Der Vermieter, das französische Anlageunternehmen Praemia, sei mehrfach aufgefordert worden, alle Mängel zu beheben. Eine Anfrage der F.A.Z. hat Praemia bisher nicht beantwortet. Ob der Vermieter oder der Mieter die Kosten für Reparaturen übernehmen muss, ist rechtlich komplex und wird laut Insidern auf mehreren Seiten im Mietvertrag festgelegt. So ist das Hotel beispielsweise für Schönheitsreparaturen verantwortlich, nicht jedoch für Aufzugsseile, das Fundament, die Decken oder die Böden. Nun soll der Vertrag, der noch bis mindestens 2037 laufen sollte, außerordentlich gekündigt werden. Die ausstehenden Mieten belaufen sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag. „Die Mängel traten erst nach und nach zutage“, teilte der Hotelbetreiber mit. „Wir haben den Mietvertrag in gutem Glauben abgeschlossen und fühlen uns getäuscht. Der Eigentümer schiebt die Reparaturen seit Jahren auf. Da es nun um Menschenleben geht, ziehen wir einen Schlussstrich.“ Auch würden rechtliche Schritte in Betracht gezogen, da man sich getäuscht fühle. Der Konzernbetriebsrat ist schon weiter. Nach einer Prüfung will er Anzeige wegen arglistiger Täuschung gegen den Vermieter erstatten. Es wird vermutet, dass bestimmte Mängel bewusst verschwiegen wurden. Scharfe Kritik der Gewerkschaft Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verurteilt das Vorgehen der Unternehmensleitung des Crowne Plaza Frankfurt in einer Pressemitteilung „aufs Schärfste“. Die Gewerkschaft berichtet, dass der Betriebsratsvorsitzende sowie seine Stellvertreterin fristlos entlassen und mit einem Hausverbot belegt worden seien. „Wer ausgerechnet die gewählten Interessenvertreter der Beschäftigten fristlos entlässt und zugleich die Belegschaft vor vollendete Tatsachen stellt, tritt die Mitbestimmung und das Betriebsverfassungsgesetz mit Füßen“, sagt Anna Langensiepen, Gewerkschaftssekretärin der NGG Rhein-Main. Betriebsratsmitglieder genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Nach Informationen der F.A.Z. wurde die Schließung des Hotels wochenlang geplant. Vor Kurzem wurde der Konzernbetriebsrat informiert, auch über die Entlassungen der Betriebsräte, teilt dessen Vorsitzender mit. Dieser prüfe derzeit, ob der Betriebsrat des Crown Plaza sicherheitsrelevante Mängel verschwiegen habe, um den Betrieb des Hotels fortsetzen zu können. Außerdem werde geprüft, ob bestimmte Mitglieder des Betriebsrats eigene wirtschaftliche Vorteile aus ihrer Arbeit erzielt hätten. Der Konzernbetriebsrat wolle Gespräche mit dem Management und den rund 50 Beschäftigten führen. Manche könnten unter Umständen an anderen Standorten arbeiten, für andere sollen Abfindungen ausgehandelt werden. „Die Sicherheit der Mitarbeitenden und die Zukunft des Unternehmens stehen an erster Stelle“, teilte der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats mit.
