FAZ 02.08.2026
13:43 Uhr

Wetter in Frankfurt: Trockener war nur ein Juli seit Aufzeichnungsbeginn


Rekordverdächtig warm und sehr trocken – der vergangene Juli schließt nahtlos an den Vorgängermonat an. Immerhin kann man draußen schön feiern, wenn es nicht regnet.

Wetter in Frankfurt: Trockener war nur ein Juli seit Aufzeichnungsbeginn

Haben Sie sich schon Ihre Ration Schlämmkreide gesichert? Sie wissen nicht, was das ist? Nein, das ist nichts, was schöner macht, sondern, so die Hoffnung, dabei hilft, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es ist ein in Paris populär gewordener, improvisierter Sonnenschutz, die Grundzutat „Blanc de meudon“ ist stellenweise schon ausverkauft. Die weiße Schlämmkreide wird mit Wasser angerührt und außen dünn auf Fensterscheiben aufgetragen. Das soll dafür sorgen, dass sich der Raum weniger aufheizt. Die Aussicht macht es nicht unbedingt schöner. Aber wenn das so weitergeht, sind die Aussichten eh bescheiden. Und damit willkommen zum meteorologischen Monatsrückblick. Um es kurz zu machen: Der Juli war mit einer Durchschnittstemperatur von 22,7 Grad verglichen mit dem Referenzzeitraum 1969 bis 1990 um 3,8 Grad zu warm und damit – die wenig überraschende Prognose des vergangenen Monatsrückblicks war korrekt – der 59. zu warme Monat in Folge in Frankfurt. Wir blicken hier in die Glaskugel und prophezeien: Der August wird der 60. Monat in Folge sein. Doch vorher wollen wir dem zurückliegenden Monat erst mal zu seinem vierten Platz seit Beginn dieser Zählung im Jahr 1936 gratulieren. Wärmer waren nur die Julis der Jahre 2006 (24,0 Grad), 1994 (23,7 Grad) und 2018 mit 23,2 Grad. Am wärmsten im vergangenen Monat war der 30. Juli mit 39,3 Grad, den Julirekord hält aber der 25. Juli 2019 mit 40,1 Grad. Dazu passt, dass es diesmal 16 heiße Tage gab, also Tage mit 30 Grad und mehr. Normal mit Blick auf die Referenzjahre 1961 bis 1990 wären sechs heiße Tage gewesen. Mehr gab es nur im Juli 1994 mit 17 Tagen. 16 heiße Tage gab es allerdings auch bereits in den Jahren 2006 und 2018, mit ihnen teilt sich der vergangene Monat den zweiten Platz. Bei den Sommertagen, an denen 25 Grad und mehr gemessen werden, kommt der Juli mit 27 auf den dritten Platz seit Beginn dieser Messung im Jahr 1949, 29 Tage waren es im Jahr 2006 und 28 Tage waren es 2018. Die meteorologischen Daten des vergangenen Monats passen gut zu den Schlagzeilen in den Medien und die wiederum gut zu jenen des Vormonats. Wir berichteten zum Beispiel, dass die Hitze den Stromverbrauch nach oben treibt, dass die Notfallrettung an ihre Belastungsgrenze kommt, dass früh geerntet wurde, dass die Erträge mäßig waren und dass es – die Zahlen beziehen sich allerdings auf den Juni – mehr Tote wegen der Hitze gab. Die Sonne schien im vergangenen Monat 317,8 Stunden statt der zu erwartenden 224,5, was ein Plus von 42 Prozent bedeutet. Mehr Sonne schien nur in den Jahren 2006 (329,2 Stunden) und 2022 mit 320,7 Stunden – der Juli 2026 belegt damit den dritten Platz seit 1951. Es sei einmal dahingestellt, ob diese vielen Spitzenplätze ein Grund zur Freude sind, zumal mit Blick auf den folgenden Platz zwei: Trockener als der aktuelle Juli war nur der Juli 1949 mit 3,1 Millimetern Niederschlag, im vergangenen Juli gab es immerhin 9,4 Millimeter. Mit 14,0 Millimetern kommt der Juli 1964 auf Platz drei. Die 3,1 Millimeter aus dem Jahr 1949 fielen im vergangenen Juli an einem Tag, dem 26. Juli. Einen zweiten Platz gab es auch in der Rubrik Globalstrahlung, die sich aus der direkten Sonneneinstrahlung und der diffusen Himmelsstrahlung zusammensetzt, die von Nebel, Wolken, anderen Wasser- und Staubteilchen und auch den Luftmolekülen gestreut aus allen Richtungen auf die Erde trifft, und mit Kilowattstunde (kWh) je Quadratmeter angegeben wird – es waren 201,1 kWh statt erwartbarer 169,6 (1991–2020). Mehr gab es mit 205 kWh nur im Jahr 2006. Aufmerksame Leser werden festgestellt haben, dass ebendieses Jahr in diesem Text häufiger Erwähnung findet. Da war doch was? Richtig, das Sommermärchen! Ein positiv konnotiertes Schlagwort, das sich nicht nur auf wunderbares Sommerwetter bezieht, sondern auch auf begeisternden Fußball. Es klingt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Denn die Freude über den Sommer stammt wohl aus Zeiten, als Werte um die 40 Grad noch eine Seltenheit waren. Und von schönem Fußball sind wir gerade so weit entfernt, dass wir völlig vergessen haben, dass im vergangenen Monat durchaus noch Nachwehen der jüngsten Fußball-WM zu verzeichnen waren. Egal, zu feiern gab und gibt es in Frankfurt offenbar reichlich:  Osthafenfestival, Mainfest, Techno- und Rapfestivals, Sommerwerft und, und, und, alles unter freiem Himmel, das Wetter spielt ja mit: viel Sonne, kein Regen. „Gut wäre ein Monatsniederschlag“ titelte die F.A.Z. im vergangenen Monat. Unter Journalisten scherzt man zwar mit dem Satz „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.“ Aber diese Schlagzeile gilt noch immer.