Es war ein chaotisches Hin und Her um Chinas Konzernchefs und ihre Teilnahme an dem US-China-Gipfel in Washington. Eine Woche vor dem Gipfel hieß es, sie seien wahrscheinlich dabei. Anfang dieser Woche kam dann die Kehrtwende: Sie dürften doch nicht teilnehmen, berichteten wieder mehrere Medien übereinstimmend. Am Donnerstag, wenige Stunden vor dem Staatsbankett, folgte die nächste Volte: Einige der Konzernchefs mit gültigen US-Visa seien auf eigene Faust nach Washington gereist und hofften auf eine kurzfristige Einladung, berichtete die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“. So viel versprachen sich die Bosse der größten chinesischen Unternehmen offenbar von dem Bankett mit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, dass allein die vage Aussicht auf eine Teilnahme eine Reise nach Washington rechtfertigte. Öffentliche Klarstellungen einer der Regierungen zu dem Sachverhalt gab es nicht. Amerikaner, Franzosen, ein Deutscher – aber kein Chinese Doch ein Blick auf die Gästeliste zeigte: Unter den Gästen waren am Donnerstagabend Trumps Familienmitglieder und US-Tech-Milliardäre wie Elon Musk, Jensen Huang von Nvidia, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der frühere Apple-Chef Tim Cook und Sam Altman von Open AI. Auch der französische Luxusunternehmer Bernard Arnault mit seinem Sohn Alexandre und der deutsche Chef des Mastercard-Konzerns Michael Miebach waren dabei. Ein Chef eines chinesischen Konzerns aber nahm nicht teil. Peking habe zeigen wollen, dass aus den stabilisierten Beziehungen ein Marktzugang werde, sagte Han Lin, China-Chef des Beratungshauses The Asia Group mit Sitz in Shanghai. „Washington hat die Teilnahme als eine Frage der Sicherheitsüberprüfung betrachtet“, sagte Lin. „Diese Diskrepanz zeigt, wie unterschiedlich beide Seiten den Begriff ‚Stabilisierung‘ definieren“. Eine Stabilisierung der Beziehungen galt als wesentliches Ziel beider Seiten für den Gipfel. Sicherheitsrelevant ist die Teilnahme der Konzernchefs unter anderem, weil Washington vielen chinesischen Konzernen vorwirft, mit dem chinesischen Militär zusammenzuarbeiten. 2015 reiste Xi mit Wirtschaftsdelegation Zuvor gab es Spekulationen, dass Trump sich offen zeigen könnte für chinesische Investitionen in den USA, etwa in der Autobranche. Bis Freitagmorgen war davon jedoch keine Rede. Beobachter wiesen darauf hin, dass viele chinesische Investitionen auf lokalen politischen Widerstand in den USA stoßen. Der Ford-Konzern baut mit einer Lizenz des chinesischen Batterieriesen CATL seit diesem Sommer Batterien in den USA, das Projekt wurde von der Politik aber immer wieder verzögert und sorgte für viele Konflikte. Selbst der Mercedes-Konzern gerät aktuell ins Visier Washingtons, weil knapp ein Fünftel seiner Anteilseigner aus China sind. Als Kandidaten für eine Teilnahme wurden Wang Chuanfu, Gründer des Elektroautoherstellers BYD, der Xiaomi-Gründer Lei Jun und der CATL-Gründer Robin Zeng genannt. CATL-Gründer Zeng oder ein anderer ranghoher Manager des Batteriekonzerns hielt sich nach Informationen der F.A.Z. nicht in Washington auf. Ein Sprecher wollte sich nicht äußern. Sprecher von Xiaomi und BYD reagierten nicht unmittelbar auf eine Anfrage. Xis Besuch bleibt in diesem Punkt hinter dem von Trump in Peking im Mai zurück. Dieser hatte eine große Wirtschaftsdelegation an Bord, neben dem Tech-Unternehmer Elon Musk etwa Nvidia-Chef Huang. In Peking gab es auch ein Bankett mit Unternehmern beider Länder. Auch bei Xis Staatsbesuch 2015 in den USA waren chinesische Tech-Unternehmer dabei, darunter der später in Ungnade gefallene Alibaba-Gründer Jack Ma und Richard Liu (Liu Qiangdong), Gründer des Onlinehändlers JD.com.
