Sie können es auch anders. In diesem Fall gröber und rustikaler. Die feine Klinge war beim Baden-Württemberg-Duell zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart eher nicht gefragt. Lieber kamen sich die für einen ästhetisch anspruchsvollen Fußball bekannten Bundesligamannschaften aus dem nordbadischen Dorf und der Landeshauptstadt rustikal in die Quere. Am Ende sah der wieder einmal als Ruhepol verlässliche Hoffenheimer Nationaltorwart Oliver Baumann einen „dreckigen Sieg“ seiner Mannschaft. Die Hoffenheimer hatten sich ob ihrer Intensität und Willenskraft den 2:1-Sieg nach zwei Toren des tschechischen Angreifers Adam Hlozek (13./67. Minute) bei einem Gegentreffer von Maximilian Mittelstädt (48.) redlich verdient. „Schön war es nicht, aber das ist mir jetzt auch egal“, kommentierte Baumann den ersten Hoffenheimer Ligaerfolg nach zwei vermeidbaren 2:3-Niederlagen beim 1. FC Köln und gegen Borussia Dortmund zum Saisonauftakt. „Wir wollten es einfach, das haben die Jungs gezeigt“, lobte er den kollektiv wuchtigen Auftritt, die Wende herbeizuzwingen. Ankerspieler Undav fehlt Der Hoffenheimer Kraftakt wirkte letztlich stimmiger als der Stuttgarter Auftritt zwischen ein paar sehenswerten Highlights und anderen Momenten der verpassten Gelegenheiten. Die Mannschaft des VfB, hochbegabt, aber auch störanfällig, offenbarte am Samstag nur sehr selten ihre allerbesten Qualitäten und verpasste in ihrem manchmal blinden Eifer so manchen Moment, in dem weitere Tore möglich gewesen wären. Diesmal aber war der zum Champions-League-Auftakt beim 3:1-Heimsieg über Viking Stavanger dreifache Torschütze Ermedin Demirovic zu unkonzentriert in verheißungsvollen Situationen. Da auch dessen im vorigen Spieljahr notorisch treffsicherer Kompagnon Deniz Undav das Toreschießen derzeit als Buch mit sieben Siegeln versteht, vergab der spät eingewechselte Kapitän die große Gelegenheit zum 2:2 (72.), als er den Abschluss am Fünfmeterraum verweigerte und stattdessen den Kollegen Dzenan Pejcinovic anzuspielen versuchte. Vergebens. Der Ball landete irgendwo im Nirgendwo. Ohne Undav mit seiner Kernkompetenz fehlt der Mannschaft ein Ankerspieler mit der Fähigkeit, Tore wie selbstverständlich produzieren zu können. Das Bemühen in der Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß, das Duell mit der TSG zumindest ausgeglichen zu gestalten, war zwar jederzeit erkennbar, wirkte aber manchmal eine Spur zu verkrampft. So ist das bei Teams mit vielen Talenten manchmal, wenn der ersehnte Flow durch eine Saison noch einigermaßen weit entfernt scheint. Stiller bekommt keinen Strafstoß und muss vom Feld Entsprechend behutsam ging der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß mit der knappen Niederlage um. „Wir wussten, dass es heute eines der schwersten Auswärtsspiele in dieser Saison werden kann“, sagte er am Ende eines unbefriedigenden Arbeitstages, „wir haben ja vorige Woche gesehen, dass die TSG (bei der späten 2:3-Heimniederlage) Borussia Dortmund über weite Strecken beherrscht hat.“ Dennoch beharrte Hoeneß, Niederlage hin oder her, darauf, „dass wir ein richtig gutes Auswärtsspiel gemacht haben“. Das aber ungekrönt blieb. Wohl auch deshalb war das Stuttgarter Lamento groß, dass einem Knie-auf-Knie-Zusammenprall zwischen dem Hoffenheimer Innenverteidiger Ozan Kabak und dem Stuttgarter Spielmacher Angelo Stiller (25.) im TSG-Strafraum kein Elfmeterpfiff des Bremer Schiedsrichters Sven Jablonski folgte. Zehn Minuten später musste Stiller das Spielfeld mit Schmerzen verlassen. Mit ihm ging die letzte Instanz für den sehenswerten Spielfluss des VfB vom Platz. An einem Tag, an dem beide Teams über den Kampf nicht zu ihrem Spiel fanden. Gelohnt hatte sich das athletische Duell nur für die TSG, die nach dem ersten Sieg in dieser noch frischen Bundesligasaison am nächsten Sonntag in Paderborn auch wieder spielerisch glänzen möchte.
