FAZ 06.10.2026
10:00 Uhr

bildungsbarometer: Ein Viertel der Eltern hat Schwierigkeiten, einen Kita-Platz zu finden


In der frühkindlichen Bildung sehen die Deutschen den Mangel an Kita-Plätzen und einen schlechten Betreuungsschlüssel als dringendste Probleme. Welche Ideen gibt es dagegen?

bildungsbarometer: Ein Viertel der Eltern hat Schwierigkeiten, einen Kita-Platz zu finden

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen spricht sich für mehr Verpflichtungen in der frühkindlichen Bildung aus. Das zeigt das Bildungsbarometer des ifo Zentrums für Bildungsökonomik. 72 Prozent halten ein verpflichtendes Vorschuljahr für geboten, 79 Prozent wollen bundesweit einheitliche verbindliche Bildungsziele. In der Gesamtbevölkerung sehen es 86 Prozent als Aufgabe der Kitas, auf die Schule vorzubereiten, bei den Eltern sind es 87 Prozent. Eine überwältigende Mehrheit (89 Prozent) stimmt außerdem für verpflichtende Sprachtests im Alter von viereinhalb Jahren auch in Bundesländern, die den Sprachstand von Kindern bisher noch nicht erheben. „Frühkindliche Bildung legt wichtige Grundlagen für die kognitive, sprachliche, soziale und emotionale Entwicklung von Kindern“, sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums. „Deshalb ist es wichtig, dass alle Kinder eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung erfahren.“ Um in der Sprachförderung voranzukommen, hält es die Mehrheit der Befragten (88 Prozent) für nötig, die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Eltern zu verbessern, Kita-Fachkräfte besser fortzubilden, mehr Bücher- und Lernmaterialien bereitzuhalten und den Sprachstand häufiger festzustellen. Kitas vor Ort werden positiver beurteilt Eltern und Gesamtbevölkerung sind insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden mit den Kitas vor Ort: 53 Prozent der Deutschen vergeben die Noten 1 oder 2, unter den Eltern sind es sogar 65 Prozent. Damit ergibt sich eine Durchschnittsnote von 2,27 bei den Eltern und von 2,52 bei der Gesamtbevölkerung. „Interessanterweise werden die Kitas vor Ort deutlich positiver beurteilt als die Kitas in ganz Deutschland“, heißt es in der Studie. Kitas gelingt es aus Sicht der Eltern gut, motorische Fähigkeiten, gutes Arbeitsverhalten, sozioemotionale und sprachliche Fähigkeiten zu vermitteln. Das gilt allerdings nicht für das mathematische Grundverständnis, das aus der Sicht der Befragten zu kurz zu kommen scheint. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Eltern gibt an, dass sie nur wenige Schwierigkeiten hatten, einen Kita-Platz zu finden. Allerdings berichtet auch ein knappes Viertel von Schwierigkeiten. Der Mangel an Kita-Plätzen sowie ein schlechter Betreuungsschlüssel werden von den Befragten als dringendste Probleme angesehen. Angesichts dieses Betreuungsmangels sprechen sich mehr als drei Viertel dafür aus, dass Familien mit alleinerziehendem Elternteil oder Vollzeit arbeitenden Eltern bei der Kita-Platzvergabe bevorzugt werden. Um mehr Kita-Fachkräfte zu gewinnen, befürworten die Befragten eine höhere Bezahlung des Kita-Personals und weniger bürokratischen Aufwand in Kitas. Mehrheitlich plädieren die Befragten für mehr Männer und Quereinsteiger unter den Kita-Fachkräften. Etwa drei Viertel der Befragten halten steigende Ausgaben für Kitas für geboten. Ein gespaltenes Bild ergibt sich bei der Frage, ob der Einsatz digitaler Medien bei der pädagogischen Arbeit die Entwicklung der Kinder positiv oder negativ beeinflusst. Am größten ist die Zustimmung, wenn digitale Medien zur Kommunikation zwischen Kita und Eltern eingesetzt werden, etwa über Apps oder digitale Elternbriefe, gefolgt vom Einsatz digitaler Medien zur Dokumentation der kindlichen Entwicklung, etwa in Gestalt digitaler Portfolios. Deutlich zurückhaltender reagieren die Eltern, wenn digitale Medien zur Förderung digitaler Grundkompetenzen bei Kindern eingesetzt werden sollen, um Regeln im Umgang mit ihnen zu vermitteln oder die pädagogische Arbeit selbst zu unterstützen. Für das ifo Bildungsbarometer 2026 wurden im Mai und Juni 3033 Personen (18 bis 69 Jahre) sowie 965 Eltern mit Kindern im Alter von bis zu sechs Jahren in Deutschland repräsentativ befragt.