Ob die Islamische Republik Iran die Männermannschaft ihres Fußballverbandes im Juni zur Weltmeisterschaft nach Nordamerika schickt, ist weiterhin offen. Wie iranische Medien berichten, beeilten sich hochrangige Regierungsvertreter am Mittwoch, die Aussage des Sportministers Ahmad Dunjamali, eine WM-Teilnahme sei „keine Möglichkeit“, als dessen „persönliche Meinung“ darzustellen. „Wir sollten warten, bis Herr Dunjamali seine Aussagen so schnell wie möglich korrigiert“, sagte eine nicht namentlich genannte, „zuverlässige Quelle“ dem Portal „Asr-e Iran“. Es sei nicht klar, „auf welcher Grundlage“ Dunjamali gesprochen habe – in der iranische Regierung habe es keine Entscheidung diesbezüglich gegeben. In den Strukturen der Islamischen Republik Iran liegt die Entscheidung auch über den Sport betreffende Fragen beim „Obersten Führer“. In der Vergangenheit betraf das beispielsweise die Frage des Stadionbesuchs von Frauen bei Männerspielen. Ajatollah Ali Khamenei war am ersten Tag des amerikanisch-israelischen Luftkriegs gegen Iran getötet worden, inzwischen ist sein Sohn Modschtaba zu seinem Nachfolger ernannt worden. Schon bei seinem Vater gab es Zweifel an der theologischen Qualifikation zum Ajatollah, Modschtaba Khamenei war erst 2022 dieser Rang zugeschrieben worden. Hinzu kommt, dass es vom 56 Jahre alten, dritten Anführer des Regimes weiterhin kein öffentlich bekanntes Lebenszeichen seit dem Beginn des amerikanisch-israelischen Kriegs gibt. Von Verletzung bis Koma Spekulationen hinsichtlich seines Gesundheitszustands reichen von einer leichten Verletzung bis zum Koma. Wer unter diesen Umständen eine Entscheidung über die Teilnahme einer iranischen Fußball-Mannschaft an einem WM-Turnier im Land eines der Angreifer trifft, ist daher unklar. Iran soll in Gruppe G in Inglewood im Los Angeles County gegen Neuseeland und Belgien spielen. Der kalifornische Teil der iranischen Diaspora setzt sich zu einem erheblichen Teil aus Anhängern der 1979 durch die Islamische Revolution gestürzten Pahlavi-Dynastie zusammen, von denen die Spiele des „Team Melli“ mit zu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Protest gegen die Islamische Republik genutzt würden. Zudem hat die Stadt Seattle die Partie zwischen Iran und Ägypten am 26. Juni zum „Pride Match“ ausgerufen. Am letzten Juniwochenende feiert Seattle die LGBTQ-Community. Homosexualität wird in Iran gesellschaftlich oftmals tabuisiert und kann in der Islamischen Republik mit der Todesstrafe geahndet werden. Mehdi Tadsch, der Präsident des Fußballverbands der Islamischen Republik, hatte bereits im Dezember gesagt, „keinerlei Interesse“ an einem „Pride Match“ zu haben.
