Nerd, Vater, Tech-Junkie – Ich beschäftigte mich seit gut 20 Jahren fast ausschließlich mit Journalismus, überwiegend aus der Digital-Lifestyle-Ecke. Schwerpunkte: E-Scooter, Kopfhörer, Beamer, E-Bikes, Gadgets & Smart Home.
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18.08.2026 16:30 Uhr |
Nerd, Vater, Tech-Junkie – Ich beschäftigte mich seit gut 20 Jahren fast ausschließlich mit Journalismus, überwiegend aus der Digital-Lifestyle-Ecke. Schwerpunkte: E-Scooter, Kopfhörer, Beamer, E-Bikes, Gadgets & Smart Home.
Vollfederung, 100-Nm-Mittelmotor, Riemenantrieb und GPS ab Werk: Das City-E-Bike Mapfour Roam bringt für 2599 Euro viel Technik ans Rad.
Mapfour wurde zunächst als Engwe-Premiumlinie geführt und tritt inzwischen als eigene Marke auf. Seit dem 5. August 2026 steht das Roam im Handel, das erste vollgefedertes Trekking-E-Bike der Marke, das der Hersteller auch eSUV nennt. Schutzbleche, Gepäckträger, Beleuchtung und GPS-Ortung gehören zur Serie, damit taugt es ebenso als City-E-Bike für die Stadt. Wer einen tiefen Durchstieg bevorzugt, nimmt das Schwestermodell Roam ST.
Der Antrieb ist in unserem Testfeld bisher einmalig: Mittelmotor, Carbonriemen und Nabenschaltung arbeiten Hand in Hand. Einen Riemen kennen wir vom Ado Air 30 Ultra (Testbericht), dort allerdings an einem Nabenmotor. Die 100 Nm liefert auch das Fiido Nomands Pro (Testbericht), das aber ohne Federung auskommt.
Mapfour vertreibt das Roam vor allem direkt. Mit 2599 Euro zählt das Roam zu den teuersten City-E-Bikes in unserem Testfeld – gemessen an etablierten Marken mit vergleichbarer Ausstattung ist es aber geradezu günstig. Welche Kompromisse dafür fällig werden, klärt unser Test.
Das Roam kommt weitgehend vormontiert. Anzubringen bleiben Vorderrad, vorderes Schutzblech, Frontlicht, Lenker, Pedale, Seitenständer und Getränkehalter; Vorderrad und Sattel sitzen auf Schnellspannern. Inklusive Auspacken dauert der Aufbau rund eine Stunde.
Nerven kostet das Cockpit. Unter Display und Halter bleibt so wenig Platz, dass sich weder der Lenker bequem ausrichten noch das Frontlicht sauber fixieren lässt. Beides gerät zur Fummelei und wirkt wenig durchdacht.
Optisch überzeugt das City-E-Bike dafür. Die Schweißnähte sitzen sauber, der Lack wirkt hochwertig. Unser Testrad trägt Grau, alternativ liefert Mapfour Blau – beide Rahmenformen gibt es in beiden Farben. Am Steuerrohr verdeckt ein Metallemblem die Schrauben für einen optionalen Frontkorb. Während der Fahrt klappert nichts.
Den Rahmen gibt es je Variante in einer Größe: 20 Zoll beim Roam, 19 Zoll beim Roam ST. Im Rahmendreieck sitzt eine Aufnahme für den beiliegenden Flaschenhalter. Kunststoff-Schutzbleche, Gepäckträger und Seitenständer gehören ebenfalls zur Serie, der Träger nimmt 25 kg auf. An unserem Testrad zeigte er ab Werk Schrammen und einen Lackschaden – nicht kritisch, aber unschön. Die maximale Zuladung liegt bei 120 kg, geschützt ist das Rad nach IPX5.
Bei der Zulassung gibt sich Mapfour keine Blöße: Beide Reifenflanken tragen Reflexstreifen, in den Speichen sitzen orangefarbene Reflektoren, an den Wellgo-Plattformpedalen mit Pins gelbe.
Schwer ist das Roam allerdings: 34 kg wiegt der Diamantrahmen, 33 kg die ST-Variante – eines der schwersten City-E-Bikes unseres Testfelds. Fahren ohne Motor macht entsprechend wenig Spaß.
Zentral über dem Vorbau des City-E-Bikes sitzt ein 3,5 Zoll großes TFT-Display. Es zeigt Geschwindigkeit, Akkustand in Prozent, Unterstützungsstufe, Tages- und Gesamtkilometer sowie den Lichtstatus. Die Stufenanzeige wechselt die Farbe, im Turbomodus leuchtet sie orange. Eine Navigation lässt sich aus der App aufs Display übertragen.
Was fehlt, sind Restreichweite, Uhrzeit und Trittfrequenz. Auch spiegelt Display, bleibt also nicht immer einwandfrei ablesbar. Beim Einschalten begrüßt es den Fahrer mit einem Windows-Startton, was eigenartig wirkt. Das Menü kennt nur vier Punkte: Einheit, Helligkeit, Passwort und Werksreset. Ein optionales vierstelliges Passwort sperrt das Rad, die 25-km/h-Grenze kann man nicht anheben.
Links sitzt die Bedieneinheit mit Plus, Minus, Licht, Ein-Aus und Info, rechts der Drehgriffschalter mit Gangfenster. Ein Aufkleber warnt davor, unter Last zu schalten – zu Recht, denn dann kracht es gewaltig in der Nabe. Der 68 cm breite Lenker lässt sich in der Höhe verstellen: Zwei montierte Distanzscheiben von je etwa 1 cm können entfallen. Der Vorbau ist zusätzlich im Winkel verstellbar, eine Skala hilft dabei. Die Griffe sind ergonomisch geformt, die Tektro-Bremshebel arbeiten mit Mineralöl.
Das Frontlicht leuchtet mit 30 lx. Das Rücklicht sitzt als Leiste am Ende des Gepäckträgers und hängt am Fahrradakku, eine Bremslichtfunktion fehlt. Eine elektrische Hupe gibt es nicht, dafür ab Werk eine mechanische Klingel. Damit ist das Roam auf der sicheren Seite: Am Heybike Galaxy C (Testbericht) sitzt eine hierzulande unzulässige Hupe, die Klingel muss dort nachgerüstet werden.
Im Tretlager arbeitet ein Mivice-X700-Motor mit 36 V, 250 W Nennleistung und 100 Nm, gekoppelt an einen Drehmomentsensor. Sechs Stufen stehen zur Wahl: Off, Eco, Tour, Auto, Sport und Turbo. Sie regeln die Kraft, nicht die Endgeschwindigkeit.
Die Abstimmung gelingt Mapfour deutlich besser als vielen anderen Herstellern. Die Unterstützung setzt direkt und harmonisch ein, ein ruckartiger Schub bleibt aus. Am Berg fährt das City-E-Bike ohne Ruckeln an, die Höchstgeschwindigkeit hält der Motor sauber, ohne merklich zwischen zwei Tempi zu pendeln. Der Antrieb bleibt nahezu geräuschlos, ein Kettengeräusch entfällt dank Riemen ganz.
Geschaltet wird über eine Shimano Nexus 5 mit gekapselter Nabe. Die Kraft überträgt ein Michelin-Carbonriemen mit 128 Zähnen auf ein Kettenblatt mit 44 Zähnen, die Kurbeln messen 17 cm. Am Hinterbau sitzen Riemenführungsrolle und Riemenpuffer.
Vorn federt eine Zoom Vaxa 32 mit 100 mm Federweg, den Lockout bedient man oben am Gabelkopf und nicht vom Lenker aus. Hinten arbeitet ein DNM DV-22AR als Stahlfederdämpfer mit 60 mm Federweg an einem Viergelenk-Hinterbau, Federhärte 650 lbs/in, Zugstufe einstellbar zwischen Fast und Slow Rebound. Wurzeln und Steine schluckt das Fahrwerk auf Waldboden souverän.
Die hydraulischen Tektro HD-R280 mit 180-mm-Scheiben greifen vorn wie hinten von Beginn an perfekt, nachjustieren mussten wir nichts. Die Kenda-Reifen messen 27,5 × 2,35 Zoll, auf der Flanke steht 650 × 56. Sie tragen grobes Stollenprofil und eine Pannenschutzschicht. Auf Asphalt bleibt das Abrollgeräusch hörbar, laut ist es nicht – es fällt nur umso mehr auf, weil der Rest des Rades so leise arbeitet.
Mapfour empfiehlt das Roam für 165 bis 185 cm Körpergröße. Die 25 cm lange Sattelstütze wird ab etwa 180 cm zu kurz, dann muss eine längere her. Der Trekking-Sattel fällt breit und bequem aus, die Sitzposition bleibt aufrecht und komfortorientiert statt sportlich.
Zwei Details trüben das Bild. Die Schiebehilfe arbeitet nur bis 2,2 km/h und ist damit zu langsam. Und der Tacho zeigt weniger an, als das GPS misst – in der Spitze sind nur echte 24 km/h drin. Schade, dass das Rad das erlaubte Limit nicht ausnutzt. Einen Gasgriff gibt es nicht.
Die Mapfour-App erinnert stark an jene von Engwe und verlangt ein Konto mit E-Mail-Adresse und Passwort. Am Rad sitzt ein eigenes IoT-Modul mit IMEI und damit einer eigenen Mobilfunkverbindung – die Ortung funktioniert auch ohne eingesetzten Fahrradakku. Ob der Dienst nach dem ersten Jahr Geld kostet, haben wir beim Hersteller angefragt und reichen es nach. Beim Urtopia Carbon 1 ST (Testbericht) wird nach dem Gratisjahr eine Jahresgebühr fällig.
Die App sperrt und entsperrt das City-E-Bike, schaltet das Licht, zeigt den Akkustand, ortet das Rad und richtet Geofencing-Zonen ein. Ein Auto-Unlock entriegelt, sobald das Smartphone in der Nähe ist, auf Wunsch lässt sich das abschalten. Der Bewegungsalarm reagiert nach dem Verriegeln sehr empfindlich und schickt eine Nachricht mit Ortung und Zeitstempel aufs Handy.
Im Ride-Tab zeichnet die App Strecke, Geschwindigkeit und Trittfrequenz auf – letztere gibt es nur hier, nicht am Display. Dazu kommen Discover-Tab und Community-Bereich, die Oberfläche spricht nur Englisch. Unter den Fahrzeuginformationen stehen Modell, MAC-Adresse, IMEI und IoT-Version, das Feld für die Rahmennummer bleibt leer. Kurios: Die Ortungskarte zeigte anfangs den Werksstandort in China.
Der Akku liefert 720 Wh bei 36 V und 20 Ah, verbaut sind LG-Zellen im 21700-Format samt Batteriemanagement. Das ist deutlich mehr, als City-E-Bikes üblicherweise mitbringen. Entnehmen lässt er sich nach dem Aufschließen, laden wahlweise im Rahmen oder außerhalb.
Das Ladegerät liefert 42 V bei 8 A und ist nach IP20 geschützt. Rechnerisch sind das 336 W, nachgemessen lädt es mit bis zu 360 W, eine volle Ladung dauert 2,5 h. Wer den Akku schonen will, senkt den Ladestrom in der App zwischen 2 und 8 A ab. Sie weist zudem die Akkugesundheit als maximale Kapazität in Prozent aus.
Mapfour verspricht bis zu 150 km Reichweite, ermittelt im Eco-Modus mit 75 kg schwerem Fahrer auf ebener Strecke bei 25 °C. In der Praxis hängt der Wert unter anderem an Fahrweise, Zuladung, Untergrund, Steigungen, Wind und Temperatur. Mit voller Unterstützung und viel Stop-and-Go kommen wir auf 70 bis 90 km – ein guter Wert unter Bedingungen, die den Akku fordern.
Bis zum 3. September kostet das Mapfour Roam 2599 Euro, danach 2799 Euro. Zum Einführungspreis legt Mapfour zwei wasserfeste Packtaschen im Wert von 60 Euro bei, eine davon lässt sich nach dem Entfernen der Adapterstücke seitlich an den Gepäckträger clipsen.
Das Mapfour Roam liefert eine Kombination, die es in dieser Preisklasse sonst nicht gibt: Mittelmotor mit 100 Nm, Carbonriemen, Nabenschaltung und Vollfederung mit Viergelenk-Hinterbau. Der Drehmomentsensor ist sauber abgestimmt, die Unterstützung wirkt natürlich, der Antrieb arbeitet so leise, dass das Abrollgeräusch der Stollenreifen zum lautesten Geräusch am Rad wird. Dazu kommen 70 bis 90 km Reichweite, eine Ladung in 2,5 h, Bremsen ohne Nachbesserungsbedarf und GPS-Ortung.
Die Schwächen liegen im Detail. Das Cockpit ist so eng gebaut, dass Lenker und Frontlicht bei der Montage zur Geduldsprobe werden. Das Display spiegelt und verschweigt die Restreichweite. Die Schiebehilfe kriecht mit 2,2 km/h, die legale maximale Geschwindigkeit wird nicht erreicht, die Sattelstütze wird ab 180 cm zu kurz. Mit 34 kg ist das Rad schwer, was im Treppenhaus und beim Verladen auffällt.
Wer Komfort auf gemischtem Untergrund sucht, einen wartungsarmen Antrieb will und die Stadt ebenso befährt wie den Waldweg, bekommt hier viel City-E-Bike / eSUV / Trekking-E-Bike fürs Geld. Wem 34 kg zu viel sind und wer auf Riemen und Vollfederung verzichten kann, fährt mit dem leichteren Fiido Nomads Pro günstiger. Wer beides behalten, aber weniger ausgeben will, findet es im Engwe E26 3.0 Pro (Testbericht) – dort allerdings mit Kette statt Riemen und mit einem Ladegerät, das den Akku nur halb so schnell füllt.