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22.05.2026
11:29 Uhr
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Das niederländische Start-up Radian präsentiert die EXR, eine elektrische Sportenduro mit patentiertem Wechselakkusystem und beeindruckenden Leistungsdaten.

Im Geländesport finden elektrisch betriebene Motorräder immer größeres Interesse. Das 2021 gegründete Start-up Radian aus Twente in den Niederlanden präsentiert jetzt die Sportenduro EXR. Die Firmengründer haben bereits 2018 eine internationale MotoE-Vorserie gewonnen und darauf ihr Unternehmen aufgebaut. Die EXR besticht mit einem eleganten Auftritt und praxisgerechten Lösungen.
Im Endurosport spielt Zeit eine wichtige Rolle, lange Ladezeiten an einer Steckdose kann sich im Wettbewerb keiner leisten. Dem Problem tritt Radian mit dem zum Patent angemeldeten InfiniPack-Batteriesystem entgegen. Im Motorrad stecken zwei Wechselakkus. Laut Aussage des Unternehmens lässt sich ein leerer Akku in weniger als 30 Sekunden austauschen – und zwar ohne Werkzeug. Das Betanken einer Sportenduro mit Verbrennungsmotor dürfte eher länger dauern. Während der Fahrer sich auf die nächsten Runden begibt, lädt der Akku in der Ladestation, die mit ihren Rädern einer kleinen Sackkarre ähnelt.
Sur Ron
Die Batterie hat eine gebogene Form, die als Namensgeber der Firma Radian diente, und soll so einen noch schnelleren Wechsel zulassen. Zugleich soll sie den Schwerpunkt des Motorrads zentrieren, was seiner Handlichkeit zugutekommt. Die EXR hat einen leichten Aluminiumrahmen mit Unterzügen, der den in Kohlefaserlaminat gehüllten Elektromotor und die je 22 Kilogramm schweren Batterien aufnimmt. Auch die Schwinge besteht aus Aluminium. Die Enduro soll mit einer Batterie inklusive Beleuchtung 125 kg wiegen, im Kleingedruckten der technischen Daten steht freilich noch „Zielgewicht“ dabei.
Radian
Für die Fahrwerkskomponenten greift Radian zu den Teilen des bewährten Anbieters KYB. Die Upside-down-Gabel misst 48 mm im Durchmesser und ist voll einstellbar, das hintere Federbein sogar im High- und Low-Speed-Bereich. Vorn wie hinten arbeiten die Komponenten auf stattlichen 300 mm Federweg. Die EXR ist mit 99 cm Sitzhöhe endurotypisch hoch, dafür hat sie aber auch eine üppige Bodenfreiheit von 345 mm.
Auch bei den Bremsen greift Radian zu hochwertiger Ware: Der Zweikolbenbremssattel vorn mit 260-mm-Bremsscheibe und der Einkolbenbremssattel mit 220-mm-Bremsscheibe hinten stammen von Brembo. Die Hinterradbremse wird über den linken Handhebel betätigt, da die Radian keine Kupplung besitzt. Ein Schaltgetriebe ist wegen des Drehmomentverlaufs beim Elektromotor nicht notwendig.
Die Radian EXR zeigt ein modernes Design mit einer flachen, langen Sitzbank, die dem Fahrer große Bewegungsmöglichkeiten gibt. Die Kunststoffteile sind glatt, sodass wenig Schmutz hängen bleiben kann. Eine knappe Frontmaske integriert einen flachen LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht. In einem kleinen Bildschirm vor der Sitzbank kann der Pilot die wichtigsten Informationen ablesen. Unter anderem zeigt es auch ein Zeitnahme-System, wie es bei Endurowettbewerben wichtig ist.
Die Leistung des 336-Volt-Motors kann über die Radian-App auf dem Smartphone via Bluetooth stufenlos zwischen 7 und 52 kW eingestellt werden. Das maximale Drehmoment gibt der Hersteller mit 1060 Nm an. Die 8,6-kWh-Batterie soll sich von 20 auf 80 Prozent in 90 Minuten am 3,3-kW-Ladegerät aufladen. Ihre Reichweite variiert je nach Einsatz: Auf der Motocross-Strecke, wo viel Leistung abgerufen wird, leert sie sich naturgemäß wesentlich schneller als beim beschaulichen Ritt über Trails. Der Hersteller beziffert die Reichweite auf 60 bis 115 km, eine Normangabe nach WMTC fehlt noch.