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02.09.2026
15:00 Uhr
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Das „KI-Update“ liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

Die EU-Kommission hat ChatGPT als „besonders großen Anbieter“ nach dem Digital Services Act (DSA) eingestuft. Fast 160 Millionen Menschen in der EU nutzen den Chatbot von OpenAI monatlich, weit über der Schwelle von 45 Millionen. OpenAI hat bis Januar Zeit, die zusätzlichen Pflichten zu erfüllen. Kern ist eine umfassende Risikoeinschätzung zu illegalen Inhalten, Gefahren für Minderjährige, Grundrechten und öffentlicher Sicherheit.
Hinzu kommen Verfahren zur Meldung und Löschung problematischer Inhalte sowie sogenannte Trusted-Flagger-Mechanismen für beschleunigte Bearbeitung. Der DSA gibt keinen abschließenden Katalog vor, OpenAI muss die Risiken seines Dienstes selbst einschätzen. Diese reichen von Deepfake-Pornografie bis zu autonom agierenden Modellen. Zuständig ist die EU-Kommission gemeinsam mit der irischen Digital-Aufsichtsbehörde, da OpenAI seinen EU-Sitz in Dublin hat. Bei Verstößen drohen empfindliche Bußgelder.
Deutschland gründet ein KI-Sicherheitsinstitut namens AISI Deutschland mit Sitz in Berlin. Es soll risikobehaftete KI-Systeme prüfen und die digitale Resilienz stärken. In der Startphase bündelt das Institut die Arbeit bestehender Behörden, ohne selbst eigene Räume und Personal zu haben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik übernimmt IT-Sicherheit, die Bundesnetzagentur physische Sicherheit und Produkttauglichkeit. Der Fokus liegt auf führenden KI-Modellen und möglichen Kontrollverlusten.
Das Institut orientiert sich am britischen Vorbild und soll später als zentraler Berater für Politik und Wirtschaft dienen. Der Standort Berlin stößt in der Fachwelt auf Kritik, weil die Konzentration auf die Hauptstadt der Vielfalt der deutschen Forschungslandschaft nicht gerecht werde. Fachleute mahnen zudem mehr Investitionen in eigene Infrastruktur und offene Modelle an.
Google hat seine Gemini-Flash-Modelle mit einer neuen Videoanalyse ausgestattet. Statt starr Bild für Bild abzutasten, sucht das Modell gezielt nach relevanten Stellen. Laut Google sinkt der Token-Verbrauch um bis zu 88 Prozent und die Kosten um bis zu 66 Prozent, während die Genauigkeit leicht steigt. Die Funktion steht in den Modellen Gemini 3.7 Flash, 3.6 Flash und 3.5 Flash-Lite bereit. Sie erkennt auch sehr kurze Momente unter einer Sekunde, die bisher verloren gingen.
Das Modell entscheidet selbst, welche Abschnitte es sich ansieht, mit welcher Geschwindigkeit und über welche Ebene, also Bilder, Audiospur oder Transkript. Besonders bei langen Videos wie 90-minütigen Vorlesungen fallen die Einsparungen deutlich aus. Die Funktion steht über die API bereit, Entwickler müssen die Verarbeitung auf „agentic“ setzen. Später soll sie in die Gemini-App kommen und die Funktion „Ask YouTube“ antreiben.
Anthropic hat Claude Fable 5.1 und Mythos 5.1 veröffentlicht. Beide sollen besser programmieren und schreiben als ihre Vorgänger. Fable 5.1 ist allgemein verfügbar, Mythos nur über Zugangsprogramme für Cybersicherheit und Biowissenschaften. Anthropic wirbt mit rund 25 Prozent niedrigeren Kosten bei typischen Aufgaben.
Die Analysefirma Artificial Analysis kommt zum gegenteiligen Ergebnis: Auf der höchsten Rechenstufe koste Fable 5.1 rund 20 Prozent mehr, weil das Modell mehr als anderthalbfach so viele Ausgabe-Token erzeugt. In Benchmarks legt es vor allem bei agentischen Aufgaben zu, in einem etwa auf knapp 56 Prozent gegenüber 42 Prozent beim Vorgänger.
Anthropic hat den Model Hardware Standard (MHS) vorgestellt. Damit sollen KI-Agenten Laborgeräte, Roboterarme und Laser direkt ansteuern können. MHS definiert eine standardisierte Treiberschicht zwischen Betriebssystem und Gerät. Bislang war viel Programmierarbeit nötig, um verschiedene Geräte in automatisierte Workflows einzubinden.
MHS übersetzt zwischen externer Hardware und Computer. Sie umfasst grundlegende Operationen wie READ oder WRITE, ein einheitliches Datenformat für die Auffindbarkeit sowie ein Tagging-System für Metadaten wie Gewicht oder Reichweite eines Roboterarms. Zunächst ist der Standard nur für einige Forschungslabore und Fertigungshersteller zugänglich. Später will Anthropic MHS als Open Source bereitstellen.
Anthropic bietet eine neue Schnittstelle, über die sich mit Claude generierte Texte erkennen lassen. Hintergrund ist die europäische KI-Verordnung, nach der neue Sprachmodelle seit dem 2. August ein Wasserzeichen einbetten müssen. Zugriff bekommen zunächst Behörden, Medien, Faktenprüfer, Forscher, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Gruppen in der EU.
Das Verfahren stammt von Google und verändert die Wortwahl des Modells so, dass ein statistisch nachweisbares Muster entsteht. Laut Anthropic leidet die Textqualität nicht darunter. Kritiker bezweifeln das, weil das Modell zwischen Synonymen nach einem festen Schlüssel wählt statt nach Bedeutung.
Anthropic hat viele Claude-Nutzer aus ihren Accounts ausgeloggt, nachdem Cyberkriminelle Zugangsdaten über Infostealer-Malware gestohlen hatten. Vorsorglich entfernte das Unternehmen auch hinterlegte Zahlungsmittel. Die Angreifer nutzten gestohlene Login-Sessions, um auf Konten zuzugreifen und verfügbare Token zu verbrauchen. Betroffen waren hauptsächlich Windows-Rechner mit Infostealern wie Vidar, Lumma oder RedLine, vereinzelt auch Macs mit Atomic Stealer.
Das Unternehmen empfiehlt, Systeme auf Malware zu prüfen, E-Mail-Passwörter zu ändern, Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren und gespeicherte Passwörter zu erneuern. Erst danach sollten neue Zahlungsinformationen hinterlegt werden.
Am Update zu OpenClaw 2.0, dem Open-Source-KI-Agenten, wirkten 1000 Entwickler mit. Die Installation ist deutlich einfacher, vorhandene Abos bei ChatGPT oder Claude sowie eigene API-Schlüssel werden bei der Ersteinrichtung automatisch berücksichtigt. Neu sind Shared Cloud Sessions, mit denen mehrere Nutzer gemeinsam an einer Sitzung arbeiten oder Aufgaben übergeben können. Bei persönlichen Installationen kann „Active Memory“ auf Informationen aus früheren Unterhaltungen zugreifen, „Grounded Dreaming“ verdichtet relevante Inhalte zu längerfristigen Erinnerungen.
Auf gekoppelten Macs kann der Agent Desktop-Oberflächen eigenständig bedienen, unter Windows und Linux ist die Funktion noch experimentell. Version 2.0 bringt neue Schutzmechanismen für Zugangsdaten und Plug-ins, grundlegende Risiken wie Prompt Injection bestehen weiter, Sandboxing ist standardmäßig deaktiviert. Dass Microsofts KI-Agent Scout auf OpenClaw aufsetzt und Nvidia mit NemoClaw zusätzliche Sicherheitsmechanismen anbietet, zeigt den wachsenden Stellenwert des Projekts.
Nvidia investiert 3,5 Milliarden US-Dollar in den taiwanesischen Chiphersteller MediaTek. Das ist die bisher größte Direktinvestition des Konzerns außerhalb der USA. MediaTek übernimmt Nvidias NVLink-Plattform, sodass Kunden Nvidia-Technologie für eigene KI-Chip-Designs nutzen können. Die Fusion-Plattform stellt fertige Schnittstellen und Speicher bereit und spart so Entwicklungszeit.
Beide Unternehmen entwickeln gemeinsam KI-Plattformen für PCs und Autos. MediaTek unterstützt Nvidias Notebookprozessor RTX Spark für KI-Funktionen auf Laptops. Mit der Investition baut Nvidia zugleich seine finanziellen Verflechtungen innerhalb der KI-Branche aus, um die Entwicklung an die eigene Hardware und Standards zu binden.
Die Sicherheitsfirma Manifold hat eine Angriffsmöglichkeit über manipulierte git-Repositories entdeckt. Diese enthalten Schadcode in der Konfiguration, den KI-Agenten beim Öffnen eines Repositories automatisch ausführen, und zwar mit vollen Entwicklerrechten und ohne Sandbox. Manifold demonstrierte den Angriff mit einem Taschenrechner, ebenso ließe sich ein Trojaner starten. Die üblichen Befehle wie git status oder diff lassen sich in der Konfiguration umlenken auf den Start eines Programms.
Betroffen sind unter anderem Claude, Codex, Cursor, Grok und Qwen, indirekt wohl auch Angebote von OpenAI und Google. Die meisten Hersteller haben die Lücke bereits behoben oder arbeiten daran. Der Angriff funktioniert nur mit händisch kopierten Repositories, etwa per Zip-Datei. Übliche Wege wie Klonen oder Fetch übers Internet sind nicht betroffen.
Das Debian-Projekt, ein weltweiter Zusammenschluss von Freiwilligen zur Entwicklung des Open-Source-Betriebssystems Debian GNU/Linux, hat sich für einen „Responsible Use of Generative AI“ entschieden. In einer Grundsatzentscheidung lehnten die Teilnehmenden sowohl KI-Verbote als auch verpflichtende Sonderregeln ab.
KI-gestützte Beiträge bleiben zulässig, sofern sie technisch korrekt und rechtlich zulässig sind. Entwickler tragen die volle Verantwortung für KI-Ausgaben. Transparenz über die KI-Nutzung wird nur empfohlen, nicht vorgeschrieben. Ein vollständiges KI-Verbot scheiterte an der nötigen Dreiviertelmehrheit.
Die Organisation AlgorithmWatch hat Googles KI-Übersichten bei rund 4500 wahlbezogenen Suchanfragen untersucht, zu den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie zur Berliner Abgeordnetenhauswahl. Bei Wahlfragen zeigte Google nur in gut einem Drittel der Fälle eine KI-Übersicht, deutlich seltener als bei unpolitischen Anfragen. Fragen zur AfD führten nur halb so oft zu einer Übersicht wie Fragen zu anderen Parteien. Google erklärte, die Funktion sei neutral gestaltet und erscheine nur bei hohem Mehrwert.
Fast die Hälfte aller Links stammte von nur zehn Domains, am häufigsten von Googles eigener Plattform YouTube. AlgorithmWatch wertet das als Bevorzugung eigener Angebote, Google bestreitet das. Zudem beschreibe die KI politische Positionen häufig mit lobenden Adjektiven wie „pragmatisch“ oder „bürgernah“. Die Organisation führt das auf die bekannte Neigung von Sprachmodellen zur Schmeichelei zurück und fordert Transparenz- und Haftungsregeln. Eindeutige Faktenfehler fand AlgorithmWatch nur selten.
(igr)