Heise 22.07.2026
10:20 Uhr

„Live Notes“: Apple will von Support-Gesprächen im Store lernen


Apple testet ein KI-System, um seinen Kundendienstmitarbeitern zu helfen. „Live Notes“ erfasst Gespräche – und manche Supporter fürchtet Überwachung.

„Live Notes“: Apple will von Support-Gesprächen im Store lernen

Apple möchte KI künftig in seinen Ladengeschäften einsetzen. Ein entsprechendes Experiment namens „Live Notes“ läuft derzeit in den USA mit ausgewählten Apple Retail Stores. Dabei geht es um eine bessere Dokumentation von Support-Vorfällen an der Genius Bar, wie Apple seinen Kundendienstbereich nennt. Laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg handelt es sich aktuell noch um eine freiwillige Funktion, sowohl Supporter als auch Kunde müssten zustimmen. Das KI-Werkzeug soll sowohl die Konversation transkribieren als auch zusammenfassen. Die verwendete Hardware ist offenbar ein iPad und setzt auf dessen integrierten Mikrofonen. Welche Software zum Einsatz kommt, blieb zunächst unklar, offenbar handelt es sich um eine Apple-eigene Kreation. Auch unklar ist, welches Sprachmodell verwendet wird.

Laut Bloomberg handelt es sich bislang um ein „Pilotprojekt“. Ziel sei es, dem Supporter Zeit zu sparen, damit sich dieser stärker auf den Kunden konzentrieren kann – bislang muss dieser händisch notieren, was dieser möchte. Allerdings scheinen nicht alle Apple-Store-Mitarbeiter begeistert von der neuen Technik zu sein.

Einige fürchteten, dass die Aufzeichnungen verwendet werden könnten, um andere Mitarbeiter zu trainieren oder gar Teil von Leistungsuntersuchungen eines Mitarbeiters durch Chefs werden. Apple versuchte, diese Bedenken zu zerstreuen – weder sei geplant, die Aufzeichnungen langfristig zu speichern, noch werde das Management Kopien der Mitschriften erhalten. Zudem sollen Mitarbeiter sowohl Mitschrift als auch Zusammenfassung persönlich händisch editieren können, bevor sie im Genius-Bar-System landen.

Bislang ist „Live Notes“ vollständig Opt-in. Sowohl Mitarbeiter als auch Kunden müssen zustimmen. Derweil ist noch nicht durchgedrungen, ob Apple das System auf weitere Standorte – etwa in Europa – erweitert und ob das überhaupt möglich ist. Teilweise herrschen strikte Datenschutzregelungen, die die Aufzeichnung verhindern könnten, zumal nie gesagt ist, ob nicht Informationen von Umstehenden mitgeschrieben würden.

Doch Apple führt intern mehr und mehr KI-Werkzeuge ein. So legt Apple seinen Entwicklern schon länger nahe, KI bei der Arbeit zu nutzen, es gibt interne Chatbots auch im Supportbereich und die allgemeine KI-Nutzungsfrequenz ging intern hoch. Derzeit werden die Werkzeuge als Produktivitätshilfen vermarktet, Mitarbeiter fürchten aber, dass sich ihre Arbeitsweise ändern könnte und sich der Druck erhöht – wie in diversen anderen Firmen auch.

(bsc)