Heise 23.09.2026
15:03 Uhr

Smart Glasses ohne Kamera: Start-up Vonder will Datenschutzbedenken ausräumen


Ein Start-up will die Datenschutzbedenken bei Smart Glasses zerstreuen und eliminiert Kamera, Display und das Speichern von Audioaufzeichnungen.

Smart Glasses ohne Kamera: Start-up Vonder will Datenschutzbedenken ausräumen

Unter dem Namen „Vonder“ haben Gründer des XR-Brillen-Herstellers Viture ein Start-up im Silicon Valley ins Leben gerufen, das sich auf Smart Glasses spezialisiert. Die erste Kollektion soll vor allem Interessenten mit Datenschutzbedenken ansprechen, gleichzeitig aber nicht mehr als Technikbrille auffallen und Nutzer nicht ständig durch Einblendungen ablenken.

In erster Linie sollen die Vonder Smart Glasses alltagstaugliche, modische Brillen sein. Dafür setzt das Unternehmen auf einen bekannten Partner: Die Gläser liefert Essilor, eine Marke des weltgrößten Brillenkonzerns EssilorLuxottica, der in Zusammenarbeit mit Meta die Ray-Ban Smart Glasses vertreibt und im Sommer das europäische XR-Unternehmen Lynx übernommen hat. Vonder hat dadurch Zugriff auf Einstärken- und Gleitsichtgläser, Transitions-Gläser sowie Verlaufstönungen in bis zu sechs Farbvarianten. Die Brillengestelle gibt es in sechs Stilen und den Farben Schwarz und Braun.

Auf Bildschirme oder Kameras verzichtet das Unternehmen. Damit dürfte sich Vonder erhoffen, der öffentlichen Debatte um Privatsphäre zu entgehen. Smarte Brillen mit Kameras stehen seit geraumer Zeit in der Kritik. Zuletzt sorgten heimlich erstellte Videos auf Instagram für Diskussionen um Verbote von Smart Glasses im öffentlichen Raum.

Der technische Aspekt konzentriert sich bei Vonder-Brillen neben Musikwiedergabe und Telefonaten primär auf Sprachassistenz. Vonder nennt das ein „Personal Memory Graph“, also eine mitwachsende Sammlung aus Notizen, Gesprächsinhalten und wiederkehrenden Zusammenhängen. Was der Hersteller damit meint, ähnelt dem, was andere Dienste wie ChatGPT als Langzeitgedächtnis anbieten: eine strukturierte Sammlung von Gesprächsinhalten, aus der das System Muster ableitet.

Wie genau die Daten auf dem Gerät oder in der Cloud verarbeitet werden, hat Vonder bislang nicht im Detail offengelegt. Als Sprachmodelle können Nutzer ChatGPT, Claude und Gemini anbinden oder auf „Vonder AI“ zugreifen, das mehrere Modelle kombiniert, ohne dass dafür jeweils ein eigenes Abo fällig wird.

Einen dauerhaften Audiomitschnitt der Umgebung soll es ebenfalls nicht geben. Die Brille erkennt laut Hersteller die Stimme der tragenden Person und verwirft andere Stimmen direkt auf dem Gerät. Gespeichert werde ausschließlich Text. Das ursprüngliche Audio löscht die Brille und Stimmprofile oder biometrische Daten sollen ebenfalls nicht erhalten bleiben. Jede Aufzeichnung soll sich in der Begleit-App prüfen und einzeln oder komplett löschen lassen. Wer ganze Besprechungen aufzeichnen möchte, muss einen gesonderten Modus aktivieren, der von einer sichtbaren Anzeige für Umstehende erkennbar wird. Ein Tastendruck am Bügel stoppt die Aufzeichnung. Werbung oder Datenverkauf schließt Vonder aus.

Die Vorbestellphase startet am 28. September, ausgeliefert wird ab November 2026. Preise für die Standardmodelle beginnen bei 299 US-Dollar (circa 260 Euro), hochwertigere Acetatfassungen kosten ab 399 US-Dollar (rund 350 Euro). Erstmals öffentlich zu sehen ist die Kollektion vom 25. bis 28. September auf der Optikmesse Silmo in Paris.

(joe)