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15.06.2026
13:11 Uhr
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Wie Versicherte auf die ePA reagieren und weshalb es Kritik daran gibt, dass Betriebsärzte im Rahmen der Behandlung standardmäßig ePA-Zugriff erhalten.

Die elektronische Patientenakte (ePA) soll Befunde, Arztbriefe und andere Gesundheitsdaten leichter verfügbar machen. Gleichzeitig wird mit den Plänen für das Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) bereits über die nächsten Ausbaustufen diskutiert.
Doch wie erleben Patientinnen und Patienten die ePA im Alltag? Welche Sorgen gibt es bei Datenschutz und Zugriffsrechten? Und welche Folgen könnten neue Regelungen für die Nutzung sensibler Gesundheitsdaten haben? Darüber sprach heise online mit Susanne Berwanger und dem Juristen Jan Frederichs vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).
Gleichzeitig plant die Politik mit GeDIG und dem Medizinregistergesetz weitere Schritte bei der Nutzung von Gesundheitsdaten. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
Berwanger: Gerade psychische Erkrankungen sind häufig mit Ängsten vor Stigmatisierung verbunden. Viele Menschen möchten selbst entscheiden können, wer von einer Depression, einer Angststörung oder einer früheren Suchterkrankung erfährt. Deshalb halten wir ein Opt-in weiterhin für die bessere Lösung.
Die größte Gefahr ist dabei ein Vertrauensverlust. Gerade in der Psychotherapie sind Offenheit und Vertrauen die Grundlage einer erfolgreichen Behandlung. Wenn Patienten das Gefühl haben, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren, kann das Auswirkungen auf ihr Verhalten haben. Manche sprechen dann weniger offen über ihre Probleme oder suchen erst gar keine Hilfe.
Vertrauen ist ein zentraler Bestandteil psychotherapeutischer Behandlung. Wenn Menschen Sorge haben, dass sensible Informationen weitergegeben oder für andere Zwecke genutzt werden könnten, beeinträchtigt das die Behandlung. Das gilt nicht nur für psychische Erkrankungen. Grundsätzlich muss das Gesundheitssystem so gestaltet sein, dass Patienten darauf vertrauen können, dass ihre Daten geschützt sind und nur dort genutzt werden, wo es medizinisch notwendig oder von ihnen gewünscht ist.
Schon heute warten viele Menschen Monate auf einen Therapieplatz. Psychische Erkrankungen benötigen häufig eine frühe und kontinuierliche Behandlung. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten oder Leistungen eingeschränkt werden müssen, trifft das letztlich die Patientinnen und Patienten.
Deshalb sollte man die aktuellen Digitalisierungs- und Datennutzungsdebatten nicht isoliert betrachten. Eine elektronische Patientenakte oder neue Forschungsdateninfrastrukturen können sinnvoll sein. Sie lösen aber keine Versorgungsprobleme. Entscheidend bleibt, dass ausreichend Behandlungsangebote vorhanden sind und dass Patientinnen und Patienten Vertrauen in das Gesundheitssystem haben. Digitalisierung kann eine gute Versorgung unterstützen – ersetzen kann sie sie nicht.
(mack)