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12.05.2026
09:56 Uhr
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Ein KI-Prestigeprojekt von Microsoft in Ostafrika steht auf der Kippe. Neben dem immensen Strombedarf bereiten vor allem offene Zahlungsgarantien Probleme.

Ein groß angelegtes Rechenzentrumsprojekt von Microsoft und dem KI- und Cloud-Unternehmen aus Abu Dhabi G42 in Kenia verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider meldet, sind die Verhandlungen zwischen den Tech-Firmen und der kenianischen Regierung vorerst festgefahren. Hintergrund seien demnach unerfüllte Forderungen seitens Microsoft nach einer garantierten jährlichen Mindestabnahme von Serverkapazitäten, die die Regierung in Nairobi in der gewünschten Höhe nicht zusichern könne.
Das im Jahr 2024 groß angekündigte Milliardenprojekt sollte den Ausbau von Cloud-Computing und Künstlicher Intelligenz in Ostafrika massiv vorantreiben. Ursprünglich war geplant, die Anlage vollständig mit Geothermie zu betreiben und die Kapazität schrittweise auf bis zu ein Gigawatt auszubauen. Kenias Präsident William Ruto wies zuletzt auf die logistischen Hürden hin und betonte, dass der Energiebedarf des Projekts die verfügbaren Ressourcen des Landes übersteige. „Wir müssten das halbe Land vom Netz nehmen, um das Rechenzentrum mit Strom zu versorgen“, sagte er bei einer Veranstaltung in Nairobi.
Laut Kenias Informationsministerium sind die Pläne zwar nicht endgültig vom Tisch, das Projekt müsse jedoch hinsichtlich seiner Dimensionierung und Energieversorgung neu strukturiert werden. Nach dem Bericht wird derzeit über eine deutlich verkleinerte Variante mit 60 statt den ursprünglichen bis zu 1000 Megawatt Leistung verhandelt. Die geplante Serverfarm galt ursprünglich als technologisches Gegengewicht zum wachsenden Einfluss chinesischer Firmen in Afrika.
Der Fall in Kenia illustriert zudem ein weltweites Problem: Der massive Strombedarf für KI zwingt die Tech-Konzerne zunehmend dazu, sich bei ihren Expansionsplänen den harten Grenzen der Strominfrastruktur anzupassen. Auch in Europa bringen Vorhaben für KI-Rechenzentren die Energieversorgung zunehmend an ihre Belastungslimits, in Deutschland etwa den Rechenzentrumsstandort Frankfurt am Main. Zwischen 2023 und 2030 könnte der globale Stromverbrauch von KI-Rechenzentren dabei um das Elffache ansteigen, schätzen Fachleute. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland wird daher zunehmend erwogen, für Rechenzentren eine vom übrigen Stromnetz getrennte Energieversorgung aufzubauen.
Die Welthandelsorganisation warnt zusätzlich davor, dass der enorme Strombedarf in Kombination mit geopolitisch bedingt hohen Energiepreisen den weltweiten Technologie-Boom massiv ausbremsen könnte. Ein anhaltender Energieschock treibe nicht nur die Betriebskosten der Rechenzentren in die Höhe, sondern gefährde durch die starke Konzentration der Investitionen auf wenige große Tech-Konzerne auch zunehmend das Wachstum des gesamten Welthandels.
(egia)