SZ 21.08.2026
15:20 Uhr

(+) Debatte: Wie viel Bühne soll man ihnen bieten?


AfD auf allen Kanälen: Wenn sich die politische Öffentlichkeit ständig um Figuren der radikalen Rechten dreht, verliert die offene Gesellschaft. Das zeigt ein Blick in Länder, die uns in dieser Erfahrung voraus sind.

(+) Debatte: Wie viel Bühne soll man ihnen bieten?
Alice Weidel und Tino Chrupalla beim Pressestatement der AfD im Bundestag. Friedrich Bungert

Die Sendung dauerte schon über eine Stunde, und Jean-Marie Le Pen, der Chef des rechtsextremen Front National, begann sich offenbar zu langweilen. Immer wieder hatten ihn Journalisten mit kritischen Fragen zu seiner Vergangenheit konfrontiert, mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen sowie den Vorwürfen, er habe während des Algerienkriegs gefoltert. Nun war es ihm offenbar genug. Le Pen erhob sich und verkündete, eine Schweigeminute für die Opfer der kommunistischen Diktatur abhalten zu wollen. Er stand und schwieg, einige seiner Anhänger im Publikum taten es ihm nach. Die Herren gedachten der Opfer des Gulag, doch der Journalist Albert du Roy blieb sitzen und fragte, wie Le Pen die französischen Werften retten wolle. Die industriepolitische Frage ging in der Erinnerung an die Sendung unter; die Schweigeminute wurde zum Bild des Abends. Millionen Menschen sahen zu. Der Auftritt am 13. Februar 1984 in „L’Heure de vérité“ wurde zu einem Schlüsselmoment des medialen Aufstiegs Jean-Marie Le Pens und seiner Bewegung.

Der Historiker Thomas Weber und der Regisseur Joachim A. Lang haben Holocaustüberlebende mal nicht nur nach ihren Erlebnissen gefragt – sondern nach ihren Ratschlägen für eine wirksame Erziehung zur Menschlichkeit.

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