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04.05.2026
17:12 Uhr
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Der Oberbürgermeister übernimmt das Amtszimmer von seinem Vorgänger Dieter Reiter. Einiges hat er schon eingeräumt, Persönliches und Politisches, wichtige Bücher und einen ganz besonderen Glücksbringer.

Die großen TV-Kameras liegen stabil auf den Schultern, die Foto-Apparate sind klickbereit vor der Brust, die Radio-Mikrofone schon aus den Taschen geholt. Vor dem Eckbüro im zweiten Stock des Rathauses wartet eine Menschentraube, bis endlich die Tür aufgeht für die neue Amtszeit. Der frisch gewählte Hausherr, Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), hat an seinem ersten regulären Arbeitstag die Medien eingeladen, um den Münchnerinnen und Münchnern einen Blick in sein Büro zu erlauben. Sie wollen vom Neuen schließlich wissen, wie und von welchem Schreibtisch aus er künftig ihre Stadt regieren will.
Als um 13 Uhr die Türe aufgeht, die Journalisten durch das Sekretariat mit dem Erkerfenster hasten und nach links durch die Tür in das Büro des Oberbürgermeisters treten, ist vom groß versprochenen Aufbruch erst einmal nichts zu sehen. Eher kommt der Gedanke auf: Der macht einfach weiter wie sein Vorgänger Dieter Reiter (SPD).
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Links steht der gleiche, schmucklos-braune Besprechungstisch, gleich hinter der Türe an der Wand auf einem Ständer der überdimensionale Bildschirm für digitale Besprechungen. Über Eck schließt links an der Wand das meterlange Panorama der Stadt München an, das schon länger an dieser Stelle hängt. Rechts die Fenster mit Blick auf den Marienplatz, davor steht im blauen Anzug und weißen Hemd Oberbürgermeister Dominik Krause. Hinter ihm der Schreibtisch von Reiter mit Bildschirm und Telefonanlage, an dem in einem gut organisierten Großraumbüro sechs bis acht Beschäftigte Platz finden würden.
„Wo soll ich hin?“, fragt er die Fotografen, und ein paar Sekunden später sitzt er hinter dem Schreibtisch und präsentiert sein breitestes Dominik-Krause-Lächeln. Warum er denn bisher fast nichts verändert hat im Vergleich zum Vorgänger? „Während laufender Koalitionsverhandlungen umzuziehen, ist kein guter Zeitpunkt“, sagt Krause. Viel Zeit für die Inneneinrichtung blieb nicht, dafür wurde die leere Stadtkasse offensichtlich zumindest bisher geschont.
Neu ist der Inhalt in einem Regal rechts hinter ihm, das der Oberbürgermeister mit Geschenken und Erinnerungsstücken aus seinem bisherigen Büro gefüllt hat. Da wird es schnell persönlich. Und politisch. Eine olympische Fackel aus dem Jahr 1972 liegt darin, eine Leihgabe mit Bedeutung. Schließlich will Krause „alles dafür tun“, dass München irgendwann zwischen 2036 und 2044 wieder olympische Sommerspiele ausrichten darf. „Eine Riesenchance für die Stadt“, sagt er, die er unbedingt nutzen will, um München als Gastgeberstadt zu präsentieren, aber auch als „Booster“ für mehr Wohnraum und den Nahverkehr.
Fast daneben liegt noch „ein Glücksbringer“, wie Krause sagt. Holz-Schlegel und Zapfzeug, eine Art Grundausstattung für den Münchner Oberbürgermeister, der jedes Jahr von Ende September bis Anfang Oktober Gastgeber des größten Volksfests der Welt ist. Das Anzapfen auf der Wiesn, das will kein frisch gewählter Oberbürgermeister versemmeln.
In einem weiteren Fach steht ein kleines gelbes Sparschwein, das Krause einmal eine Schulklasse geschenkt hat. Das dürfte ihn Tag für Tag an eine der größten Aufgaben dieser Amtszeit erinnern, die Sanierung der besorgniserregenden Stadtfinanzen. Dafür kündigt er erneut eine Reform der Verwaltung an. Bürokratie soll abgebaut werden, Prozesse sollen schneller werden. Das sei auch ein Wunsch, den Münchner Firmen an ihn herantrügen, sagt Krause.
Dem neuen Oberbürgermeister ist jedoch auch bewusst, dass er dafür die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt braucht. Die müssten die Last einer Verwaltungsreform hauptsächlich tragen. Krause findet betont freundliche Worte, lobt Kompetenz und Motivation. Das Planungsreferat sei „in Mannschaftsstärke“ schon bei ihm gewesen, um Ideen vorzubringen. Es dürfte kein Zufall sein, dass der erste Termin am ersten regulären Arbeitstag ein Treffen mit dem Gesamtpersonalrat war.
Im Übrigen stehen in dem Regal für Krause wichtige Bücher: darunter „Über das Böse“ von Hannah Arendt („großartige Philosophin und gute Ratgeberin“), eines mit einem sehr lässigen Helmut Dietl auf dem Cover („Ich bin großer Kir-Royal-Fan. Münchnerischer als Dietl kann man nicht sein.“) und eines vom früheren SPD-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel („ein großer Gestalter dieser Stadt“).
Ganz links oben liegt ein rot-weißer Fußball. Den hat nicht etwa Dieter Reiter vergessen, sondern Krause mitgebracht. Er ist aber auch nicht vom FC Bayern, sondern von der IG Metall, in der Krause Mitglied ist. Ob es denn eine Amtsübergabe gegeben habe, wird er gefragt. Nein, sagt er. Ob denn eine gewünscht sei? An ihm werde sie nicht scheitern.
Als der neue Oberbürgermeister später die Quadratmeterzahl seines neuen Büros nennen soll, muss er passen. „Aber deutlich größer als mein Wohnzimmer“, sagt er. Von manchen Münchnern dürfte sogar die gesamte Wohnung in das Büro passen. Wohnraum ist teuer und knapp, auch da kündigt Krause eine erste Initiative noch im Mai an. Er will etwa 30 Akteure aus Stadtpolitik und Bauwirtschaft zu einem Wohnungsgipfel einladen.
Eines, sagt Krause am Ende seiner Bürobesichtigung, hätte er fast vergessen. Am Fensterbrett steht ein Rosmarin in einem Topf, den er von seinem Vor-Vorgänger, Alt-Oberbürgermeister Christian Ude, als Geschenk zum Einzug erhalten hat. Inklusive eines zweieinhalbstündigen Gesprächs, sozusagen einer Amtsübergabe über zwei OB-Generationen hinweg. Dann schließt Krause die Türe, es geht gleich weiter mit Fraktionssitzungen und Koalitionsverhandlungen. Ende der Woche soll schließlich seine neue Stadtregierung stehen.
Wohnungen bauen, die Verkehrswende beschleunigen, klimaresilient werden – auf Dominik Krause kommen enorme Aufgaben zu. Und alle Pläne stehen unter einem großen Vorbehalt.
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