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17.08.2026
16:04 Uhr
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Weltmeister Rodri beabsichtigt, von Manchester City zum FC Barcelona zu wechseln – am Mittwoch soll er vorgestellt werden. Über die Frage, warum Real Madrid diese Chance verstreichen ließ, wird spekuliert.

Zu den letzten Bildern, die von Rodrigo Hernández, im Fußball unter dem nom de guerre „Rodri“ bekannt, öffentlich wurden, gehört eines, das am Flughafen Madrid entstand. Vergangene Woche, als er mit Stöpseln im Ohr an einem Gate stand, in der Schlange eines sog. Billigflugs nach Manchester, mit einem dieser Hartschalenkoffer bewaffnet, dessen Maße augenscheinlich jenem Industriestandard entsprachen, der von den Airlines durch Halsabschneideraufpreise durchgesetzt worden ist.
Durch die Medien geisterte das Wort „Sensation“: Ein Monarch des grünen Rasens im Discount-Flieger, ein veritabler Weltmeister unterm Fußvolk, ein ehemaliger Ballon-d’Or-Sieger beim Plebs, wann hat man derlei schon gesehen?! Am Montag jedenfalls sollte Rodri wieder an einem Flughafen stehen – diesmal, um von England nach Barcelona zu fliegen. Denn der bisherige Profi von Manchester City beabsichtigt, sich dem Barça des früheren Bundestrainers Hansi Flick anzuschließen. Die Vorstellung soll am Mittwoch beim Saisoneröffnungsspiel gegen den ägyptischen Kultklub Al-Ahly stattfinden.
Am späten Sonntagabend, Manchester City ging ohne Rodri im Spiel um den Charity Shield gegen den FC Arsenal mit 0:3 unter, war der Wechsel offiziös geworden (die Bestätigung durch die beteiligten Klubs stand zunächst aus). Demnach willigte City für eine Sockelablöse von 60 Millionen Euro ein, Rodri ziehen zu lassen; unter anderem, weil Barça erfolgsabhängig, aber absehbar elf Millionen Euro nachschießen wird – und weitere vier Millionen bezahlen, wenn noch ein paar außergewöhnliche Triumphe eintreten sollten. Viel Geld für einen 30-Jährigen, weil ja die angeblich 13 Millionen Euro Netto-Jahressalär bis 2030 noch gar nicht eingerechnet sind? Einerseits ja. Andererseits hängt es auch davon ab, wie man bei solchen Beträgen so rechnet.
Sonntagabend zum Beispiel saß Jorge Valdano, einst unter anderem Sportdirektor bei Real Madrid, im TV-Studio des spanischen Senders Movistar und urteilte, die 75 Millionen Euro seien bestens angelegt. Barça zahle 35 Millionen Euro für das, was Rodri dem FC Barcelona geben werde; und 40 Millionen für das, was die Katalanen dem Erzrivalen Real Madrid vorenthalten.
Statt Pep Guardiola steht nun Enzo Maresca bei Manchester City an der Seitenlinie. Sein erster Auftritt im Supercup gegen Arsenal wird zur bitteren Angelegenheit.
Tatsächlich hatte sich Real Madrid zumindest vordergründig um Rodri bemüht. Aber lange nicht so intensiv wie im Falle von Marc Cucurella (zuletzt FC Chelsea), Ibrahima Konaté (FC Liverpool), Denzel Dumfries (Inter Mailand), Yan Diomande (RB Leipzig) oder Bernardo Silva (Manchester City). Die defensive Haltung der seit zwei Jahren titellosen madridistas war umso verblüffender, als Rodri sich – obschon er bei Atlético Madrid sozialisiert wurde – in der Vergangenheit wiederholt und deutlich bei Real angedient hat. Und weil sich vor und während der WM Debatten daran entzündeten, dass Nationalcoach Luis de la Fuente ein WM-Aufgebot ohne einen einzigen Spieler von Real Madrid verlas (und dann in Rodri seinen mutmaßlich besten Spieler hatte).
Über die Frage, warum Real Madrid die Chance verstreichen ließ, Rodri zu holen, wird weidlich spekuliert. Die gängigste Version lautet, dass Vereinsboss Florentino Pérez beleidigt ist. Pérez soll überzeugt davon sein, dass Rodri sich mit dem Gegenkandidaten bei den Präsidentschaftswahlen vom Juni, Enrique Riquelme, auf einen Vorvertrag geeinigt hatte. Weil Pérez siegte, wurde dieser Vorvertrag nie mit Leben gefüllt.
Barça hingegen? Hatte die Verpflichtung eines Spielers vom Profil Rodris nicht auf der Rechnung. Als sich herausstellte, dass er verfügbar war, handelte der Ligameister sofort. Es gab eine Reihe von Anrufen – von Manager Deco, von Nationalteamkollegen, von Trainer Hansi Flick –, die Rodri signalisierten, er sei hochgradig erwünscht. Rodri selbst soll überzeugt davon sein, dass sein Fußball bestens nach Barcelona passe. Auch Flick soll das meinen. Obschon auf seiner Einkaufsliste andere Profile standen, verhielt auch Flick sich frei nach dem Motto: Wir können Rodri haben? Her mit ihm! Zumal sich der niederländische Nationalspieler Frenkie de Jong gerade das Knie ruiniert hat.
Die Umsicht und die defensive Robustheit Rodris ist auch einer der Gründe dafür, dass die zuletzt noch als unabdingbar erachtete Notwendigkeit der Verpflichtung eines Top-Innenverteidigers nun nachrangiger geworden ist. Im vergangenen Jahr hatte Barça unter dem Abschied des routinierten Iñigo Martínez gelitten, in diesem Sommer wurde Ronald Araújo an den FC Liverpool verliehen, das führt zu Zwängen. Nun kann Rodri dabei helfen, mitunter arg unbedarften Verteidigern wie Cubarsí den Rücken zu stärken. Wie bei der WM.
Klingt kryptisch? Was Valdano meinte: Rodri wird dem Spiel Barças, das nun von einem Weltmeister-Mittelfeld dirigiert wird (Rodri, Olmo, Pedri), ein paar hervorragend gesetzte Akzente beimengen, im engeren Sinne unabdingbar war er aber nicht. Fast wichtiger sei, dass Barça eine Verpflichtung Rodris durch Real Madrid verhindert und dadurch einen direkten Konkurrenten geschwächt habe. Valdano ist – wie sehr, sehr viele Anhänger Real Madrids – der festen Überzeugung, dass ein Spieler wie Rodri dem Spiel des spanischen Rekordmeisters fehlt, seit dort ein gewisser Toni Kroos seine Karriere beendete.
Dass Rodri überhaupt finanzierbar ist, nachdem schon Karim Adeyemi (Borussia Dortmund/22 Millionen Euro), Anthony Gordon (Newcastle United/80 Millionen Euro), João Cancelo (Al-Hilal, Saudi-Arabien/ablösefrei) und Jesse Bisiwu (Brügges Farm-Club NXT/8,5 Millionen Euro) geholt wurden, ist nicht selbstverständlich. Barcelona ist weiterhin milliardenschwer verschuldet. Aber einerseits hat sich Barças operatives Geschäft durch eine Steigerung der Einnahmen (Champions-League-Erfolge, Titel, Rückkehr ins halb renovierte Camp Nou) erheblich verbessert. Andererseits wurde das Lohnniveau erheblich gesenkt.
Araújo kostete viel Geld, Gleiches galt für Spaniens WM-Finaltorschützen Ferran Torres, der für eine Ablöse von rund 50 Millionen Euro nach Paris wechseln durfte. Der einst hochgelobte Ansu Fati brachte durch seinen Abschied nach Monaco noch elf Millionen Euro ein. Torwart Marc-André ter Stegen wurde an Ajax Amsterdam verliehen, auch das spart ein paar Euro – wenn auch nicht ansatzweise so viele wie der Abschied von Mega-Verdiener Robert Lewandowski. Der frühere Bayern-Profi soll in den vier Jahren bei Barça durchschnittlich etwas mehr als 25 Millionen brutto pro Jahr verdient haben; Erfolgsprämien nicht eingerechnet.
Flicks Wunschkandidat ist Julián Alvarez von Atlético Madrid. Doch dessen Verein sperrt sich massiv gegen einen Wechsel des Argentiniers zu einem Liga-Konkurrenten. Dadurch rücken Alternativen in den Fokus, unter ihnen der deutsche U21-Nationalspieler Nicolò Tresoldi, 21. Der ehemalige Hannoveraner wurde in der vergangenen Saison mit Club Brügge belgischer Meister und mit 19 Treffern Torschützenkönig.
Beim englischen Traditionsklub sitzt künftig eine Riege an Multimilliardären am Steuer. Vorerst halten sie rund 30 Prozent der Anteile – doch Jeff Bezos und seine Mitstreiter könnten die Mehrheit am FC Liverpool anstreben.
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