SZ 09.09.2026
17:18 Uhr

(+) Hannover und Berlin: Ermittlungen gegen Berliner SPD-Spitzenkandidaten Krach


Mehrere Objekte in Hannover und Berlin seien durchsucht worden, bestätigt die Staatsanwaltschaft Hannover. Krachs Sprecher weist Vorwürfe gegen ihn zurück.

(+) Hannover und Berlin: Ermittlungen gegen Berliner SPD-Spitzenkandidaten Krach
Berlins SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach.
Jens Kalaene/dpa

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung. Zu den Hintergründen wollte sie sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Unter anderem seien Räume der Region Hannover, wo Krach von 2021 bis 2025 als Präsident regierte, durchsucht worden. In Berlin wurden Räume der SPD-Landesgeschäftsstelle durchsucht, sowie die Privatwohnung von Steffen Krach im Bezirk Schöneberg. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Seit März ist Krach von seinem Amt in Hannover beurlaubt, um Wahlkampf in Berlin zu machen. Seit Dezember 2025 ist er Landesvorsitzender der SPD.

Laut Berichten der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und des Tagesspiegels geht es bei den Ermittlungen um den Vorwurf der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit einem Vergabeverfahren im Gesundheitswesen in der Region Hannover. Demnach soll er von einem Träger im Gesundheitswesen womöglich eine Spende erhalten haben, um sich für ihn in einem Bieterverfahren für ein neues Gesundheitszentrum einzusetzen. Krach stand als Regionspräsident dem Aufsichtsrat der kommunalen Krankenhauskette vor. Er selbst äußerte sich zu den Vorwürfen auf Anfrage der SZ nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Krachs Sprecher erklärte auf Anfrage der SZ: „Als SPD Berlin und im Namen unseres Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Steffen Krach weisen wir die Anwürfe in aller Entschiedenheit zurück. Selbstverständlich kooperieren wir mit den Behörden vollumfänglich, um die Unterstellungen auszuräumen.“

Krach, der ursprünglich aus Hannover stammt, war vor seiner Zeit als Regionspräsident sowohl in der Bundespolitik als auch in der Berliner Landespolitik tätig. Von 2014 bis 2021 war er Staatssekretär für Wissenschaft beziehungsweise später für Wissenschaft und Forschung.

In hohen SPD-Kreisen war von großer Verärgerung über den Zeitpunkt der Durchsuchungen die Rede, diese Ermittlungen liefen seit Monaten, ohne dass sich bisher ein Verdacht erhärtet habe. Es wurde betont, dass besonders der zeitliche Zusammenhang zu der Berlin-Wahl am 20. September Fragen aufwerfe.

Bereits vergangenen Sommer hatte sich der Berliner Landesverband der SPD auf Steffen Krach als Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 geeinigt. Die Partei, die seit 29 Jahren ununterbrochen in Berlin regiert oder mitregiert hat, hatte zuletzt starke Verluste hinnehmen müssen. Mit Krach setzte sie auf ein frisches Gesicht, um dem offensichtlichen Überdruss der Hauptstadtbewohner etwas entgegenzusetzen.

Zudem ist der Landesverband von zuletzt tiefen internen Spaltungen gezeichnet. Auch bei diesem Thema tritt Krach als Hoffnungsträger auf, der das konservative, sicherheitsorientierte Parteilager mit dem linken Flügel versöhnen will. Im Dezember 2025 hatte er zudem gemeinsam mit Bettina König den Landesvorstand übernommen. Seither waren parteiinterne Krisen nur noch vereinzelt öffentlich ausgetragen worden.

Als Spitzenkandidat seiner Partei ist Steffen Krach im Wahlkampf sehr präsent. Trotz seiner längeren Abwesenheit aus Berlin konnte er seine Bekanntheitswerte relativ schnell verbessern. Dennoch konnte die SPD ihre Umfragewerte vor der Wahl kaum verbessern. Je nach Forschungsinstitut würden nur elf bis 15 Prozent der Berliner den Sozialdemokraten derzeit ihre Stimme geben. In jedem Fall liegt sie in allen Umfragen hinter der CDU, der Linken und der AfD.

Die neueste Entwicklung dürfte die Not der Partei nun verschärfen, gleichgültig zu welchem Ergebnis die Ermittlungsbehörden letztlich gelangen. Die aktuelle schwarz-rote Koalition genießt in Berlin ohnehin wenig Vertrauen, spätestens seit der Regierende Bürgermeister Kai Wegner die Öffentlichkeit mehrfach über sein Krisenmanagement während des großen Stromausfalls im Januar belogen hat. Hinzu kommt der Skandal um die mutmaßlich rechtswidrige Vergabe von Fördermitteln durch die Kulturverwaltung. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt in der Sache gegen die ehemalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson.

Für bezahlbaren Wohnraum sind alle Parteien – nur die einen meinen Mietwohnungen, die anderen meinen eher Penthouses. Was Berlins Wahlplakate über den Zustand der Stadt verraten.

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