|
25.06.2026
11:55 Uhr
|
40,3 Grad im Schatten – das ist der bisherige Hitzerekord, gemessen in Kitzingen. Er droht an diesem Wochenende zu fallen. Das allerdings hängt von einem Faktor ab, der kaum zu sehen ist.

Bayern steuert bis zum Wochenende auf einen Temperaturrekord zu – möglicherweise sogar den bundesweiten. Im unterfränkischen Kitzingen könnte es laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Samstag um die 42 Grad heiß werden – wohlgemerkt im Schatten. Aber auch schon am Freitag könnte die bisherige bayerische Höchstmarke von 40,3 Grad fallen.
Kitzingen, eine Kleinstadt mainaufwärts knapp 20 Kilometer östlich von Würzburg gelegen, war bereits im vergangenen Jahr am 2. Juli mit 39,1 Grad nach DWD-Angaben der heißeste Ort im Freistaat. Und schon früher stach Kitzingen hervor: Am 5. Juli 2015 registrierte die dortige DWD-Messstation 40,3 Grad – damals bundesweiter Rekord seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881, heute noch Bayern-Rekord.
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
Die bisher in diesem Jahr höchste gemessene Temperatur im Freistaat waren 38,5 Grad – ebenfalls in Kitzingen, registriert am 19. Juni. Der insgesamt höchste Wert bundesweit seit Beginn der Aufzeichnungen wurde am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad in Tönisvorst und Duisburg-Baerl (beide Nordrhein-Westfalen) gemessen.
„Gerade Unterfranken ist sehr prädestiniert dafür, dass die 40 Grad auf jeden Fall überschritten werden“, sagte der Meteorologe Dirk Mewes vom DWD in München. Dass es vor allem rund um den Untermain etwa in Kahl am Main (Landkreis Aschaffenburg) oft sehr heiß ist, liegt unter anderem an der Höhe. Unterfranken ist die niedrigste Region Bayerns, Kitzingen liegt etwa 200 Meter über dem Meeresspiegel, Kahl am Main mit rund 110 Meter noch niedriger.
Zudem ist es in der Region deutlich trockener als im Süden Bayerns. Durch den sehr trockenen Boden kann kaum etwas verdunsten, was kühlend wirkt. Dadurch wird es Meteorologen zufolge noch wärmer.
Entscheidet Saharastaub über den Rekord?
Verantwortlich für die derzeitige Hitze ist laut DWD zunehmend heiße bis extrem heiße Luft, die aus Südwesteuropa nach Deutschland strömt. „Bei solchen Lagen kommt auch Saharastaub zu uns, der das Sonnenlicht etwas dimmt“, erklärte DWD-Meteorologe Jens Winninghoff. „Es ist immer eine leichte Trübung vorhanden, man wird es kaum sehen.“ Das könne einen Allzeitrekord verhindern. „Das ist ein bisschen das Zünglein an der Waage.“
Auch auf der Zugspitze (2962 Metern) ist es in diesen Tagen ungewöhnlich warm. Etwa 15 Grad werden dort am Freitag erreicht. Am Samstag könnten es laut Vorhersage auch 16 Grad werden. „Das ist schon sehr viel“, sagte Meteorologe Mewes.
In einigen Regionen Bayerns dürften auch die Nächte in den kommenden Tagen nicht die ersehnte Abkühlung bringen. In einer sogenannten tropischen Nacht sinkt die Temperatur nicht unter 20 Grad. Der DWD erwartet dies vor allem für Teile Frankens. „In höheren Lagen, also Richtung Allgäu, Oberallgäu und Bayerischer Wald, werden wir die Werte noch unterschreiten“, erläuterte Mewes. In den Großstädten wiederum dürfte es tendenziell auch nachts sehr warm werden.
Mit großflächig schweren Gewittern rechnet Mewes derzeit nicht, wenn dann eher in den Alpen und im Alpenvorland. Am Sonntag könnte das Gewitterpotenzial steigen.
Hitzeforscherin Veronika Huber erklärt, warum wir unserem Körper helfen, wenn wir uns in den Schatten stellen - und was wir von den Spaniern lernen können.
Wer bei ausbleibendem Regen Abkühlung im schattigen Wald sucht, sollte unterdessen vorsichtig sein. Die Waldbrandgefahr hat angesichts der langen Trockenheit in Bayern zugenommen. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge gilt vielerorts die zweithöchste Warnstufe, am Wochenende könnte teilweise sogar die höchste der fünf Warnstufen erreicht werden. So ordneten die Regierungen von Unter-, Mittel- und Oberfranken für Samstag und Sonntag Beobachtungsflüge an, um Waldbrände frühzeitig zu entdecken.
Besonders hoch ist die Waldbrandgefahr nach Angaben des Forstministeriums derzeit in lichten Kiefern- und Fichtenwäldern, an sonnigen Südhängen und in stark besuchten Ausflugsgebieten. Die Beobachtungsflüge in Mittelfranken sollen deshalb vor allem nachmittags stattfinden. Dann seien nach Einschätzung der Bezirksregierung die meisten Ausflügler und Sportler im Wald unterwegs.
Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber appellierte erneut an alle Waldbesucher, besonders vorsichtig zu sein, kein Feuer zu machen, nicht zu rauchen oder zu grillen. „Schon ein Funke kann einen Waldbrand auslösen“, so die CSU-Politikerin. Auch heiße Fahrzeugkatalysatoren könnten Brände auslösen. Autos und Motorräder sollten deshalb nur auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden.
Buchen sollst du suchen, Handy weg, raus aus der Dusche! Zu Gewittern kursieren viele Mythen – manche sind falsch, manche nur halb richtig. Und in Bayern gibt es auch noch Besonderheiten. Ein kurzer Realitätscheck.
Mit Beginn der neuen Woche wird die Hitzewelle wohl erstmal vorbei sein. Vielerorts wird das Thermometer laut DWD dann aber weiter 25 Grad überschreiten. Auch an diesen „normalen“ Sommertagen sollte man viel trinken und auf Sonnenschutz achten. Sonst kommt es schnell zu Erschöpfung, Flüssigkeitsmangel oder Schwindel.
An Hitzetagen haben auch die Rettungskräfte und Krankenhäuser in Bayern mehr zu tun. „Mehr Menschen brauchen hitzebedingt unsere Hilfe wegen Sonnenstich, wegen Hitzeschlag“, erklärte Claire Kolodinski vom Bayerischen Roten Kreuz in München. Das treffe nicht nur Alleinlebende, Ältere oder Pflegebedürftige. „Es sind jetzt auch mehr Menschen an Seen. Dann passieren dort natürlich auch Unfälle, im Wasser oder dann auch eben der Hitzeschlag.“
Das Universitätsklinikum Würzburg registriert derzeit ebenfalls mehr Menschen, denen hitzebedingt geholfen werden muss. Junge Erwachsene kämen etwa, weil sie sich bei Sport oder auf der Arbeit überanstrengt hätten, sagte Kliniksprecher Stefan Dreising. Jugendliche Patienten hätten mitunter zu viel Alkohol bei der Wärme getrunken. Senioren kämen, weil sie zu wenig Flüssigkeit zu sich nähmen. Insgesamt liege das Patientenaufkommen saisonal aber noch im normalen Bereich.
Ähnlich ist es beim Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. „Die Betroffenen leiden oft unter Dehydrierung, zum Beispiel, weil sie ihre Sportaktivitäten ins Freie verlegen und die Hitze unterschätzen“, erklärte Sprecherin Birte Deppe. Besonders gefährdet seien neben den Älteren auch die ganz Kleinen, da sie schnell zu wenig Flüssigkeit aufnehmen oder abgeben würden.
In Pflegeeinrichtungen ist Kreativität gefragt. „Zum Beispiel durch feste Trinkspiele oder Trinkpläne“, sagte die stellvertretende BRK-Sprecherin Kolodinski. Sie rät zu wasserreichen Lebensmitteln wie Melone, Gurke oder Suppen, um die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen. „Da muss man natürlich generell darauf achten, aber bei älteren Menschen noch mal verstärkt.“
Mindestens anderthalb Liter sollte man Kolodinski zufolge täglich trinken, besser wären an diesen heißen Tagen zwei bis drei. Vorsicht allerdings bei bestimmten Medikamente etwa für den Blutdruck: Hier könne zu viel Flüssigkeit auch schaden. „Das muss man individuell mit seinem Arzt besprechen, gerade wenn man Medikamente nimmt“, sagte sie.
Für alle gelte: Hitze meiden, körperliche Anstrengung reduzieren, die Wohnung verschatten, viel trinken, leichte Mahlzeiten, luftige Kleidung.
Die Temperaturen in Bayern steigen auf Rekordwerte – und mit ihnen auch die Zahl der Ratschläge für die heißen Tage. Eine Zusammenfassung der ultimativen Tipps. Mit nur ganz leicht gereiztem Unterton.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: