SZ 18.08.2026
14:52 Uhr

(+) Libanon: Israels Kampf um die Burg


Seit Wochen versuchen israelische Soldaten, die Kreuzfahrerfestung Beaufort und die Umgebung einzunehmen. Warum ist der Regierung Netanjahu das alte Gemäuer so wichtig?

(+) Libanon: Israels Kampf um die Burg
Schon vor Wochen haben Soldaten der IDF die israelische Flagge auf der alten Burg Beaufort im Süden Libanons gehisst. Stringer/REUTERS

Die einen nennen sie die „schöne Festung“, also das „Beaufort Castle“, die anderen den „hohen Fels“, was auf Arabisch Qal’at al-Schaqif heißt. Der hohe Fels ist noch gut zu sehen, 300 Meter geht es von der Burg steil bergab hinunter zum Fluss Litani. Als die Kreuzfahrer die Festung im 12. Jahrhundert eroberten und ausbauten, gewannen sie so die Kontrolle über die Route von Sidon an der Mittelmeerküste bis nach Damaskus.

Und verloren sie auch bald wieder an den muslimischen Eroberer Saladin, der erst Jerusalem einnahm und danach so viele Burgen der Kreuzfahrer. Später stritten sich Mamelucken und Osmanen um die Feste auf dem Felsen. Jahrhundertelang ging es hin und her. Was sich bis heute nicht geändert hat. Die Waffen sind moderner, es wird mit Drohnen und Raketen gekämpft, aber immer noch um das alte Gemäuer, von dessen Schönheit, die einst den Namen gab, nur noch wenig übrig ist. Es geht um die strategische Kontrolle einer wichtigen Region im Süden Libanons, einer Hochburg der Hisbollah. Und natürlich auch um eine Erzählung, die das breite Publikum versteht: die große Schlacht um eine große Burg und die Hügelketten von Ali al-Taher in ihrer Umgebung, die Israel einem Sieg näherbringen soll.

Seit Wochen rücken israelische Truppen immer weiter voran, obwohl zwischen Libanon und Israel eigentlich ein Waffenstillstand vereinbart ist. Am Wochenende wurden elf tote Libanesen gemeldet. Der Waffenstillstand gilt aus israelischer Sicht nur für die andere Seite.

Anfang Juni zeigte die Sprecherin der israelischen Armee für die arabische Region ein Video von der Eroberung von Beaufort Castle. Zu sehen waren lange Tunnel unter der Burg, in denen die von Iran gesteuerte und finanzierte Hisbollah ihre Waffen gelagert hatte, mit denen sie den Norden Israels angreift. In Israel wurde die Eroberung als großer Erfolg gefeiert. Die Älteren erinnerten sich aber auch daran, dass im Jahr 1982 der damalige Ministerpräsident Menachem Begin schon einmal auf der Festung Beaufort stand und von einem großen Sieg sprach. Damals gelang der Armee die Vertreibung der PLO von Jassir Arafat, die von Libanon aus Israel attackiert hatte. Bis 2000 besetzte Israel dann den Süden von Libanon und trug zum Erstarken der Hisbollah bei, die sich nach dem Abzug als Widerstandsbewegung feiern ließ.

Über die Jahre griff die Miliz immer wieder Israel an, zuletzt 2023 und 2024. Die Regierung von Benjamin Netanjahu schlägt seitdem erbarmungslos zurück, ganze Landstriche wurden entvölkert, Tausende Zivilisten getötet, Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, mehr als 200 Sanitäter getötet. Die Operationen der Armee tragen Namen wie „Ewige Dunkelheit“.

Wie auch in Gaza versuchen die USA, einen Friedensplan durchzusetzen: die Entwaffnung der Hisbollah gegen den Rückzug der Israelis, die derzeit etwa sechs Prozent des libanesischen Territoriums besetzen. Anders als in Gaza hat man in Libanon auch einen Partner: Die Regierung von Präsident Joseph Aoun hat die Entwaffnung der Hisbollah zum zentralen Projekt erklärt, nur eben friedlich, wie Aoun betont, sonst gebe es einen Bürgerkrieg. Der Plan ist daher, sogenannte Pilotzonen zu schaffen, in denen die libanesische Armee die Kontrolle übernimmt, die Hisbollah entwaffnet wird – und Israel sich zurückzieht.

Eine erste Pilotzone wurde vor wenigen Wochen von Israel verlassen, die Bewohner fanden nicht viel mehr als Trümmer vor. Weiter will sich aber Israel nicht zurückziehen, trotz des Drucks aus Washington. In Israel herrscht Wahlkampf, und das bedeutet mehr Krieg, mehr Tote. In Gaza wurde der Friedensplan von Donald Trump abgelehnt. Auch in Libanon möchte die israelische Armee weiter vorrücken. Verteidigungsminister Israel Katz wies die IDF an, „in Südlibanon Außenposten zu errichten, als würden wir 50 Jahre lang dort bleiben“.

Als Nächstes soll die kleine Bergkette um die Festung Beaufort eingenommen werden, der Kamm von Ali al-Taher. Darin soll die Hisbollah nach israelischen Angaben ein weitverzweigtes Tunnelsystem gegraben haben, das eine Kommandozentrale ihrer Eliteeinheiten sei, berichten libanesische Medien. Etwa vierzig ihrer Kämpfer seien seit Wochen in den Tunneln eingeschlossen, darunter auch Mitglieder der iranischen Revolutionsgarde.

In den kommenden Tagen soll der Sturm auf die Tunnel offenbar beginnen, der in israelischen Medien ein ständiges Thema ist. Womöglich wartet Netanjahu nur noch auf das Einverständnis von Washington. In Libanon befürchten viele, dass dann auch die Hisbollah wieder zu den Waffen greifen könnte. Sie lehnt zwar die Entwaffnung ab, hat aber den Waffenstillstand bislang weitgehend eingehalten. In Israel sprechen viele von der wichtigsten Schlacht seit Langem. Es ist eine Erzählung, die man schon oft gehört hat. In Gaza und in Libanon.

In der „Pilotzone“ liegt der erste Ort in Libanon, aus dem sich die israelische Armee zurückzieht. Nun will der libanesische Staat dort zeigen, dass er den Menschen besser helfen kann als die Hisbollah.

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