SZ 17.08.2026
09:11 Uhr

(+) Malaika Mihambo: Erst „Arschbombe“, dann Tränen


Malaika Mihambo findet sich bei der EM in ungewohnter Rolle wieder: auf Platz fünf, ohne Medaille. Doch die Weitspringerin äußert sich kämpferisch.

(+) Malaika Mihambo: Erst „Arschbombe“, dann Tränen

Malaika Mihambo wartete und wartete und wartete vor ihrem letzten Sprung. Und als die Bahn endlich freigegeben wurde im Weitsprung-Wettbewerb der Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham, da klatschte sie in die Hände, animierte das Publikum, sie anzufeuern – und stieß einen mächtigen Kampfschrei aus. Letzteres kennt man so gar nicht von der 32-jährigen Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin.

Sie hatte gut begonnen, mit 6,94 Metern, danach bei heftigem Rückenwind drei ungültige Versuche gehabt, der fünfte Versuch war 6,70 Meter weit. Auf Platz fünf lag sie inzwischen nur noch. Aber Mihambo gilt als Meisterin des sechsten und letzten Versuchs. Sie würde das Ding schon schaukeln, oder etwa nicht?

Mihambo landete dann bei 6,86 Metern. Und blieb Fünfte.

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In all die Freudengeschichten von den vielen deutschen Medaillen auch am Schlusstag dieser EM mischte sich nun also die eher traurige Geschichte von Mihambo, die ohnehin erst mit dem letzten Qualifikationsversuch ins Finale gekommen war. Ein Wettkampf, der zu den spannendsten gehörte, die der Weitsprung in jüngster Zeit zu bieten hatte: Die Italienerin Larissa Iapichino gewann mit 7,00 Metern Gold vor der Britin Jazmin Sawyers, die 6,99 Meter weit sprang. Ebenfalls nur einen Zentimeter hinter ihr lag die Bronzegewinnerin Hilary Kpatcha aus Frankreich.

Mihambo haderte in diesem Wettkampf, mit ihrem Anlauf, mit dem Absprung, mit der Technik, „beim 6,70er habe ich eine riesige Arschbombe gemacht, ganz viel Landeverlust gehabt, ich bin auch noch vor dem Brett gewesen. Pech gehabt, dumm gelaufen“, sagte sie. Sie hatte eine Medaille um ein paar Zentimeter verpasst, weinte, die anderen schlossen sie in die Arme. Und sie zeigte dann das, was sie vielleicht noch besser kann als gewinnen: Größe in der Niederlage. „Ich weiß, was das für ein Privileg ist, heute hier zu sein und zu weinen und traurig zu sein, dass ich nur Fünfte bei einer EM geworden bin. Weil ich weiß, dass ich in den letzten Jahren mit so viel härteren Aufgaben gekämpft habe“, sagte Mihambo.

Sie ist ein Mensch, der den Sport auch als Mittel sieht, Dinge zu verarbeiten, weiterzugehen, das nächste Ziel in Angriff zu nehmen. Und sie sagte in Birmingham noch, tief berührt: „Ich bin wieder auf dem Weg, weiterzugehen, fokussiert, motiviert. Ich bin froh, dass ich jetzt wieder an dem Punkt bin, nach dem harten und andauernden Trauerprozess, in dem ich mich befinde.“ In ihrer Autobiografie „Spring dich frei“ hatte sie nicht nur von ihrer wenig privilegierten Kindheit und Rassismus gegen sie berichtet, sondern auch von persönlichen Schicksalsschlägen.

Dass Mihambo die EM in Birmingham nun als Geschlagene verlässt, ohne Medaille, was auf der großen Bühne völlig ungewohnt für sie ist, ist nicht ihre Lesart, sie sieht es so: Sie durfte Teil eines spannenden Wettkampfs sein und sich darüber ärgern, es einfach nicht besser hinbekommen zu haben, obwohl sie ihr Möglichstes versucht hat. Noch in der Nacht auf Montag setzte sie einen Instagram-Post ab, sie bedankte sich bei ihren Fans, den Freunden, ihrer Familie, ihrem Trainer – und selbst beim Veranstalter dieser EM. Sie schrieb noch: „Genau das ist Sport. Gewinnen, verlieren, daraus lernen und weitermachen.“

Und genau das ist für Malaika Mihambo auch das Leben.

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