SZ 26.06.2026
15:05 Uhr

(+) Münchner Opernfestspiele: Menschenjagd im Hofgarten


Männer sind machtgeile Egoisten und die Welt kann nur von Frauen gerettet werden: Tobias Kratzer inszeniert Richard Wagners Oper „Die Walküre“ bei den Münchner Opernfestspielen neu.

(+) Münchner Opernfestspiele: Menschenjagd im Hofgarten
Showdown im Nachbau des Königssaals des Münchner Nationaltheaters: Wotan (Nicholas Brownlee) rechnet mit seiner aufmüpfigen Tochter Brünnhilde ab (Miina-Liisa Värelä, am Boden liegend). Monika Rittershaus

Vermutlich ist diese biedere Hütte im Wald ein Schwarzbau. Davor stehen ein Marienandachtsbild und eine schwarze Restmülltonne, Bio-, Papier- und gelbe Tonne aber fehlen. Ähnlich ungenügend sind denn auch die Manieren des Hüttenbewohners, Hunding heißt dieser harte Finsterling. Er ist ein grober Jäger oder gar ein Wilderer, der gern betet und seine Frau schlimm, schlimmer, am schlimmsten behandelt. Wer Richard Wagner kennt, ist von solchen Untugenden nicht weiter überrascht, schließlich wimmeln seine Opern vor Musterbeispielen toxischer Männlichkeit, sympathisch ist keiner. Und Dirigent Vladimir Jurowski liefert dazu im Münchner Nationaltheater den passenden Soundtrack, mal wild motorisch, mal jäh ausbrechend, immer dunkel und gern bedrohlich.

Die Bayreuther Aus- und dann wieder Einladung des Publizisten Michel Friedman ist ein deutsches Drama. Gezeigt wird in allen Facetten, auch den medialen: die neurotische Sehnsucht der Deutschen, von der eigenen Geschichte verschont zu werden.

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