SZ 11.03.2026
13:11 Uhr

(+) Newcastle in der Champions League: Bis zum Finale ist’s noch ziemlich weit


Mit Euphorie und großen Worten empfängt Newcastle United den FC Barcelona zum Achtelfinalhinspiel. Heraus kommt ein eher kleines 1:1 – bei dem DFB-Stürmer Nick Woltemade keine einzige Minute spielt.

(+) Newcastle in der Champions League: Bis zum Finale ist’s noch ziemlich weit

Newcastle United ließ nichts unversucht, um einer der bedeutendsten Partien der Vereinsgeschichte den passenden Rahmen zu verleihen. Auf Einladung des Klubs weilte ein gewisser Faustino Asprilla am Dienstagabend beim Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen den FC Barcelona unter den Ehrengästen im stimmungsvollen St. James’ Park. Der ehemalige kolumbianische Stürmer hatte im September 1997 in Newcastles erstem Königsklassenspiel überhaupt einen bis heute berühmten Dreierpack gegen Barça erzielt und damit zum 3:2-Sieg beigetragen. Die Anhänger brachten ihre Sehnsüchte nach früheren Erfolgen in einer Choreografie zum Ausdruck: „Die Geordies übernehmen das Kommando – Budapest wartet auf mich.“ Dort findet das Finale statt.

All das sollte wohl helfen, als Außenseiter den Glauben an einen neuerlichen Kraftakt gegen Barcelona zu nähren. Und beinahe wäre ein solcher tatsächlich gelungen. Bis tief in die Nachspielzeit standen die Magpies vor einem besonderen Sieg – ehe der bis dahin kaum auffallende Ausnahme-Teenager Lamine Yamal doch noch ein für sein Team schmeichelhaftes 1:1 sicherstellte. Es fiel mit dem letzten Ballkontakt des Spiels: ein Elfmeter, lässig links unten verwandelt (90.+6). Vorausgegangen war ein ungeschicktes Foul vom deutschen Nationalspieler Malick Thiaw an Dani Olmo.

Nach atemberaubenden Fehlern wird Tottenhams Torwart Kinsky beim 2:5 gegen Atlético Mitte der ersten Halbzeit ausgewechselt. Er entschuldigt sich beim Team – die noch härtere Kritik trifft aber seinen Trainer.

Zu diesem Zeitpunkt war die vierminütige Nachspielzeit bereits überschritten, was dem Schiedsrichtergespann Proteste der Gasteber und ein Pfeifkonzert auf dem Weg zum Stadionausgang einbrachte. Zuvor hatte es im Publikum schon für Unverständnis gesorgt, dass sowohl Yamal als auch Fermín López für klare Fouls jeweils einer gelben Karte entgingen – eine Verwarnung hätte beiden eine Sperre fürs Rückspiel in Barcelona eingebracht. Newcastles Trainer Eddie Howe fand, es seien „viele Entscheidungen gegen uns ausgefallen“.

Seine Mannschaft agierte einmal mehr so, wie es unter Howe häufig zu beobachten ist: mit enormer Intensität, die sich in Laufbereitschaft, Zweikampfstärke und aggressivem Pressing ausdrückte. Schon nach sechs Minuten hatte Newcastle drei Ecken herausgeholt, am Ende waren es neun. Immer wieder gelang es mit klugen Steilpässen, die erstaunlichen Freiräume hinter der gegnerischen Abwehr zu nutzen. Doch wie in der Premier League offenbarte Newcastle auch diesmal Schwächen im Abschluss. Ein Vollstrecker der Kategorie Alexander Isak, der unmittelbar vor Transferende im vergangenen Sommer zum FC Liverpool wechselte, ließ sich bislang nicht finden.

DFB-Nationalspieler Nick Woltem­a­de saß wie sein ebenfalls neu geholter Sturmkonkurrent Yoane Wissa vom FC Brentford über die gesamte Spielzeit auf der Bank, weil Howe in der Spitze auf schnelle Spieler setzte. Einem von ihnen, Harvey Barnes, gelang nach mehreren vergebenen Chancen immerhin die späte Führung (86.) – passenderweise auf kuriose Art. Nach einer Flanke streifte er den Ball freistehend am Fünfmeterraum nur mit dem Schienbein. Dass er dennoch ins Tor hoppelte, lag daran, dass der sichtlich überraschte Barça-Keeper Joan García ihn mit der Brust etwas kurios ins Netz lenkte.

Newcastles Powerfußball entriss dem Tabellenführer der spanischen Liga, der physisch auffallend unterlegen war, weitgehend die Kontrolle über das Spiel. Man habe im Ballbesitz „schlecht“ agiert und „zu häufig“ den Ball verloren, kritisierte Trainer Hansi Flick. Im Gegensatz zur gewohnten Spielweise schien Flick in Newcastle deutlich pragmatischer vorzugehen. Der Fokus seiner Spieler lag auf der kollektiven Abwehrarbeit, die Flick später auch lobend hervorhob. Dies dürfte eine Reaktion auf zwei krachende Auswärtspleiten in dieser Saison gewesen sein: ein 0:3 beim FC Chelsea in der Ligaphase der Champions League sowie jüngst ein 0:4 bei Atlético Madrid im Halbfinal-Hinspiel des spanischen Pokals, das im Rückspiel zu Hause nicht mehr wettgemacht werden konnte.

Auch wenn das 1:1 gegen Newcastle, den Tabellenzwölften der Premier League, nicht den Ansprüchen Barças genügt, hält es zumindest alle Chancen auf das Weiterkommen offen. Es wirkt wie eine kleine Beruhigungstablette für den gesamten Verein – vor den bedeutenden Präsidentschaftswahlen am Sonntag. Barças amtierender Präsident Joan Laporta tritt zur Wiederwahl an und gilt unter den Mitgliedern des Klubs als Favorit auf eine weitere fünfjährige Amtszeit. Geräuschlos verläuft die Angelegenheit allerdings nicht – spätestens seit einem explosiven Interview der Klubikone Xavi Hernández vor einigen Tagen, der nach der Saison 2023/24 als Trainer bei den Katalanen entlassen wurde. Flicks Vorgänger attackierte in der katalanischen Zeitung La Vanguardia die Vereinsführung um Laporta scharf und forderte umfassende Änderungen im Managementbereich.

Flick, von Xavi grundsätzlich in Schutz genommen, versuchte erwartungsgemäß, sich aus der Angelegenheit herauszuhalten. Er werde sich dazu nicht äußern, sagte er vor der Partie gegen Newcastle: Er kenne die Wahrheit, doch das bleibe privat. Sein Fokus liegt auf dem Geschehen auf dem Rasen. Für das Wiedersehen mit Newcastle United muss sich Flick allerdings eine überzeugende Strategie einfallen lassen. Das Selbstvertrauen der Engländer ist durch die starke Leistung weiter gewachsen. Der Druck liegt auf Barça. Vor knapp drei Jahrzehnten gelang dem FC Barcelona mit einem knappen Rückspielsieg noch die Revanche.

Der FC Bayern schlägt Bergamo wie im Rausch, der Einzug ins Viertelfinale ist nahezu sicher. Doch drei Verletzungen drücken auf die Stimmung – und zwei Gelbsperren sorgen für Spuren von Heiterkeit.

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