SZ 01.07.2026
16:43 Uhr

(+) Psychologie: Das Leben junger Menschen ist geprägt von vielen guten Momenten


Das zeigt eine aktuelle Studie. Dabei gilt die Jugend schon seit der Antike als verloren, fragil und vulnerabel. Stimmt offenbar nicht.

(+) Psychologie: Das Leben junger Menschen ist geprägt von vielen guten Momenten

Den Zustand der Jugend beklagen jene seit Urzeiten, die ihre Jugend hinter sich haben. Der moralische Charakter, die Arbeitsmoral, die vermessenen Ansprüche. Dass die Jugend sämtliche Aussichten auf eine goldene Zukunft vergeigt, war schon für den alten Aristoteles, den römischen Kollegen Horaz, diverse Kirchenleute und unzählige namenlose Nörgler ausgemachte Sache.

Gegenwärtig aber hat sich die Wehklage in eine andere Richtung gedreht: Die vorherrschende Geschichte über die Jugend besteht aus Themen wie Fragilität, Vulnerabilität und Hoffnungslosigkeit. Unter dem Druck einer apokalyptischen Zukunft, des Kapitalismus und der Verführungen der sozialen Medien verschwinden Jugendliche in einer Gewitterwolke der Negativität.

Allen realen Problemen, Schwierigkeiten und Herausforderungen zum Trotz dürfte auch dieses neue Bild mit zu dickem, schwarzem Pinsel gemalt worden sein. Gerade haben Psychologen um David Bürgin von der Universität Zürich eine Studie publiziert, laut der Jugendliche vor allem positive Alltagserlebnisse als persönlich prägend empfinden.

Jetzt lassen sich mit den im Journal of Child Psychology and Psychiatry veröffentlichten Daten natürlich nicht per Handstreich alle Probleme aus dem Weg wischen, vor denen junge Erwachsene stehen. Doch sie zeigen, dass vermutlich mehr Licht ins Leben der künftigen Erwachsenen strahlt, als der Gesang des täglichen Krisenorchesters vermuten lässt.

Die Wissenschaftler werteten Daten einer Längsschnittstudie aus, für die 1442 Teilnehmer im Alter von 15, 17, 20 und 24 Jahren unter anderem jeweils darüber Auskunft gaben, welches Ereignis für sie persönlich das prägendste der vergangenen zwei Jahre gewesen ist. 83,1 Prozent der berichteten Begebenheiten waren für die Teilnehmer der Studie mit positiven Gefühlen besetzt. Die Mehrzahl dieser prägenden Ereignisse beschreiben die Schweizer Forscher als normative Entwicklungsschritte, die zum Leben eines werdenden Erwachsenen gehören: Schulabschlüsse, der Antritt eines Ausbildungsplatzes, ein bestandener Führerschein, die erste Liebe, Freundschaften, Reisen. Manche dieser Meilensteine könnten mit Frust, Druck oder Angst besetzt sein, aber so bald sie erreicht sind, „dürften sie Erfüllung und Wohlbefinden mit sich bringen“, schreiben die Forscher. Vor dem Stolz auf eine Leistung, so ließe sich auch sagen, lauert eben der Schmerz, der im Ziel verpufft.

10,6 Prozent der berichteten Ereignisse bewerteten die jungen Befragten als ambivalent, darunter häufig den Auszug von zu Hause. Als negativ wurden 6,3 Prozent der prägenden Begebenheiten bewertet, etwa Schicksalsschläge wie Krankheit oder der Verlust der Großeltern. Das Team um Bürgin betont in seiner Publikation, dass die Forschungsliteratur zur psychischen Gesundheit sich vor allem auf Risikofaktoren konzentriert und junge Erwachsene kaum danach fragt, was für sie persönlich in ihrem Leben tatsächlich wichtig ist. In dieser Lücke also, so die Forscher, haben sie ihre Fragen platziert. Die Antworten darauf sollten dem dunklen Bild der Jugend ein paar helle Pinselstriche hinzufügen.

Das zeigt eine Langzeitstudie mit über 42 000 Deutschen. Was steckt hinter diesen Befunden?

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