SZ 17.04.2026
13:08 Uhr

(+) Sanktionen: Deutsche Bank: Erneut Probleme mit russischen Kunden


Die Deutsche Bank hat sich bei der Finanzaufsicht selbst „angezeigt“: Bei Kunden mit Russland-Bezug sind offenbar Sanktionsvorschriften nicht konsequent eingehalten worden. Intern soll nun eine Taskforce die Vorgänge aufklären.

(+) Sanktionen: Deutsche Bank: Erneut Probleme mit russischen Kunden

Als Russland im Februar 2022 seinen Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine ausweitete, reagierte die EU rasch: Sie verhängte Sanktionen gegen russische Oligarchen und setzte für Einlagen russischer Staatsangehöriger bei EU-Banken ein Limit von 100 000 Euro. Seither hat die EU die Sanktionen immer wieder verschärft; das 19. Sanktionspaket, das vorerst letzte, datiert vom Oktober 2025.

Seit Kurzem gelten zudem strengere Regeln im Inland: Der deutsche Gesetzgeber hat das Außenwirtschaftsgesetz auf Grundlage einer EU-Richtlinie novelliert und das Sanktionsstrafrecht verschärft. Bußgelder und Strafen fallen deutlich höher aus, Verstöße gegen Meldepflichten sind schneller strafbewehrt, Schonfristen entfallen. Banken müssen zügiger prüfen, ob sie Geschäfte mit sanktionierten Personen unterhalten – und im Zweifel Konten sperren, Transaktionen stoppen oder Verdachtsmeldungen erstatten.

Bei der Deutschen Bank hat das offenbar Hektik ausgelöst. Insider bestätigten einen Bericht des Branchendienstes Finanz-Szene, wonach sich Deutschlands größtes Geldhaus jüngst bei der Bundesbank selbst „angezeigt“ hat – weil es nach eigener Einschätzung den Vorschriften zur Sanktionsdurchsetzung bei Kunden mit Russland-Bezug nicht ausreichend nachgekommen sein könnte. Konkret soll es Einzahlungen gegeben haben, die das Guthabenlimit überstiegen. Intern, so heißt es, befürchte man, solche und ähnliche Fälle nicht erkannt zu haben. Wegen des Umfangs und der Schwere der Vorgänge hat die Bank dem Bericht zufolge sogar eine Taskforce gegründet, geleitet von einer Managerin des Privatkundengeschäfts, die direkt an Privatkunden-Vorstand Claudio de Sanctis berichtet.

Auf Anfrage teilte die Bank mit, man prüfe die Prozesse zur Einhaltung von Sanktionen fortlaufend, und wann immer man mögliche Schwachstellen identifiziere, verbessere man die Prozesse und informiere die Aufsichtsbehörden. Mehr könne man dazu nicht sagen. Offen bleibt die Frage: Seit wann weiß die Deutsche Bank von den Problemen, und warum brauchte es womöglich die Verschärfung der Gesetzgebung, ehe die Meldung an die Aufsicht erfolgte? Dazu gab es keine Stellungnahme. Dem Vernehmen nach geht es aber immerhin nicht um Personen auf Sanktionslisten oder um Kunden aus der Vermögensverwaltung, sondern um Fälle aus dem Massenkundengeschäft. Die Bundesbank äußerte sich nicht dazu.

Die Deutsche Bank „pflegte“ spätestens seit der Jahrtausendwende eine enge Verbindung zu Russland, motiviert auch durch die damaligen Bundesregierungen. Erst 2014, nach der Annexion der Krim, war Schluss mit der Expansion in Russland: Das Institut fuhr sein Engagement dort nach eigener Aussage zurück, beendete das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung vor Ort und kündigte vielen Kunden. In der Vermögensverwaltung außerhalb Russlands allerdings hielt die Bank wohl noch bis Frühjahr 2022 an einigen Oligarchen-Kunden fest. Erst im Januar kam es offenbar in diesem Zusammenhang zu einer Razzia bei der Deutschen Bank. Nach SZ-Informationen soll das Institut eine oder mehrere Geldwäscheverdachtsmeldungen zu Firmen des russischen Milliardärs Roman Abramowitschs verspätet an die Behörden übermittelt haben. Abramowitschs Anwalt ließ seinerzeit mitteilen, sein Mandant habe stets im Einklang mit nationalen und internationalen Gesetzen und Vorschriften gehandelt.

Für seinen Krieg braucht der Kreml so immens viel Geld, dass er es sich bei den Unternehmen holen muss. Die neuen Steuern aber geben vielen jetzt den Rest. Und so frisst sich Putins „Spezialoperation“ immer tiefer hinein in den russischen Alltag.

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