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10.08.2026
17:50 Uhr
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Hunderttausende Spanierinnen und Spanier werden sich am Mittwoch auf den Weg machen, um die Sonnenfinsternis von einem geeigneten Ort aus zu bewundern. Die Regierung befürchtet ein Chaos auf den Straßen.

Provinzen wie Burgos oder Soria im Landesinneren Spaniens gehören nicht zu den einschlägigen Tourismus-Destinationen. Schon gar nicht im August, wenn es die Menschen an die Küsten zieht. Doch am Mittwoch dieser Woche kosten Unterkünfte im kastilischen Hinterland mehrere Hundert Euro pro Nacht. Sofern man dort überhaupt noch ein Zimmer findet, der 12. August war vielerorts schon vor Monaten ausgebucht.
Der Grund ist einfach: Am Mittwochabend, kurz nach 20:30 Uhr, ist eine Sonnenfinsternis in Spanien zu sehen. Wer dieses Schauspiel maximal genießen will, als totale Sonnenfinsternis, muss in ein Gebiet fahren, das vom sogenannten Kernschatten bedeckt wird, zum Beispiel die entlegenen Landstriche Kastiliens – oder Mallorca, das ebenfalls auf dem Weg der Finsternis liegt, bei ähnlich schwieriger Hotelreservierungslage.
Wer keine Kosten scheut, kann die Sonnenfinsternis auch von Bord einer Yacht aus beobachten. Eine viertägige Pauschaltour samt Anreise per Privatjet und Galadinner auf einer Yacht bietet eine international bekannte Hotelkette aktuell für 200 000 Euro an.
Die Begeisterung der Spanierinnen und Spanier über das Naturspektakel ist groß. Seit 1912 hat das Land keine totale eclipse mehr erlebt. Es sei ein Ereignis, das man in seinem Leben nie mehr vergessen werde, versicherte Valentín Martínez, der Direktor des Instituts für Astrophysik der Kanareninsel La Palma, seinen Landsleuten.
Entsprechend wird erwartet, dass viele Einheimische ebenso wie ausländische Besucher zu den besten Beobachtungspunkten reisen werden, bis hinauf zu den Gipfeln der Sierra Nevada – und das, wie in Spanien üblich, im eigenen Auto. Die nationale Verkehrsbehörde rechnet für Mittwoch mit bis zu 1,5 Millionen mehr Autofahrten als üblich, viele davon im nördlichen Hinterland der Iberischen Halbinsel, Regionen mithin, aus denen in den vergangenen Jahrzehnten viele Menschen weggezogen sind.
Befördert werden könnte die Reiselust noch durch die aktuelle Wettervorhersage und die damit einhergehenden Wolkenbilder. Laut Prognosen der staatlichen Meteorologie-Behörde Aemet könnte die Sicht an einigen der bislang favorisierten Aussichtspunkten von Wolken getrübt sein, so zum Beispiel in Kantabrien an der Nordküste der Iberischen Halbinsel.
Vor allem jedoch warnt Aemet vor großer Hitze an diesem Mittwoch und der damit einhergehenden Waldbrandgefahr. Die Temperaturen werden mancherorts auf mehr als 40 Grad steigen, und das am Nachmittag, wenn viele Menschen unterwegs zu ihren Aussichtspunkten sein werden. Einige Gemeinden haben aus diesem Grund bereits die Zufahrt für Sonnenfinsternis-Begeisterte gesperrt.
Wegen des zu erwartenden Massenandrangs hat Spaniens Regierung vor mehr als einem Jahr bereits eine Kommission gegründet, an der 13 der 22 Ministerien beteiligt sind. Das Innenministerium hat am Wochenende eigens ein Lagezentrum eingerichtet, das Waldbrände und andere Gefahren im Blick behalten soll.
Gut 350 Beobachtungspunkte wurden behördlicherseits empfohlen – Orte im Kernschatten und mit freier Sicht nach Westen, denn die Sonne wird tief stehen, wenn der Mond sie verdunkelt. Schon ein Baum kann das Erlebnis zerstören.
Um den erwarteten Verkehr zu bändigen, wurden 33 000 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten abgestellt. Der Andrang wäre im tourismuserfahrenen Spanien wohl noch zu regeln. Doch mehr noch als den Ansturm der Sonneninteressierten fürchten die Behörden das Gegenteil: deren Abzug. Viele werden, ausgestattet mit Brotzeit und Kühlboxen, bereits tagsüber die vielversprechendsten Aussichtspunkte aufsuchen. Doch nachdem die gut 90 Sekunden dauernde totale Finsternis bestaunt ist, wird man womöglich feststellen: Es ist schon Abend, es wird bald dunkel, ab ins Hotel, oder ab nach Hause, wo auch immer das ist.
Es könnte also sein, dass am Mittwochabend, kurz nach 20.30 Uhr, anderthalb Millionen Autos nahezu gleichzeitig angeworfen werden und zwischen Galicien und Valencia auf Landstraßen einbiegen. Die Verkehrsbehörde rechnet mit einem EVAAT, einem „Ereignis mit hoher Auswirkung auf den Verkehr“, und rät Autofahrern ausdrücklich, nach der Sonnenfinsternis noch eine Weile am Beobachtungsort zu verweilen.
Zwar wird die Finsternis in fast allen Teilen Spaniens zu sehen sein, doch ist es ein Riesenunterschied, ob die Sonnenscheibe ganz oder nur teilweise bedeckt ist. In Madrid zum Beispiel wird eine zu 99,97 Prozent bedeckte Sonne zu erleben sein. Der restliche Bruchteil der Sonnenscheibe leuchtet jedoch immer noch Hunderte Male so hell wie der Vollmond und sollte nur mit Schutzbrille betrachtet werden. Eine vollständig bedeckte Sonne kann man hingegen mit bloßem Auge bewundern und dabei sogar die aus dem Rand züngelnden Protuberanzen sehen.
Für all jene, die es in diesem Jahr weder nach Mallorca noch ins kastilische Hinterland schaffen, gibt es im kommenden Jahr eine zweite, sogar noch attraktivere Chance: Am 2. August 2027 wird sich die Sonne über Spanien erneut vollständig verdunkeln, diesmal über der andalusischen Provinz Cádiz – am Vormittag und mancherorts mehr als drei Minuten lang.
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