SZ 07.10.2026
03:19 Uhr

(+) Spionage: Als der Doppelagent „Paul“ über den Dreifachagenten „Sniper“ stolperte


Die Festnahme des ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning ist nur der jüngste Spionagekrimi in einer langen Reihe von fesselnden Agentengeschichten. Ein kleines „Best-of“ aus der Welt des Bundesnachrichtendienstes.

(+) Spionage: Als der Doppelagent „Paul“ über den Dreifachagenten „Sniper“ stolperte
Hier liegt die Quelle zahlreicher Spionage-Geschichten mit hohem Unterhaltungswert: die BND-Zentrale in Berlin-Mitte.
IMAGO/IPON

Im Grunde hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) seinen ersten Skandal bereits, als er noch nicht einmal gegründet war: Der Vorläufer des sowjetischen Geheimdienstes KGB hatte seinen Spion Heinz Felfe, Codename „Paul“, schon 1951 in der „Organisation Gehlen“ platziert, aus der 1956 der BND hervorging. Felfe, ein zum Kommunismus konvertierter früherer SS-Obersturmführer, stieg dort zum Oberregierungsrat auf und spionierte bis 1961 für zwei Seiten. Für den neuen Auslandsgeheimdienst aus dem bayerischen Pullach arbeitete er im Dienst der jungen Republik für ein Monatsgehalt von, wie er später in einem Interview dem Spiegel sagte, zuletzt 1703 Mark. Die Sowjets zahlten ihm bis zu 3000 Mark, das reichte für ein schönes Ferienhaus in Oberaudorf. Dafür lieferte er Moskau mindestens 15 000 Fotokopien von geheimen BND-Dokumenten und enttarnte gut 100 westliche Agenten. Die Kopien fertigte er vermutlich selbst an, die Ausrüstung dafür fanden Ermittler später im Keller seines oberbayerischen Feriendomizils.

Der frühere BND-Präsident soll noch Jahre nach seinem Ausscheiden geheime Informationen aus der Behörde erhalten und möglicherweise verkauft haben – an fremde Mächte? Es wäre einer der ganz großen Spionagefälle der Bundesrepublik.

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