SZ 08.09.2026
08:58 Uhr

(+) US Open: Die Tennisspielerin, die schon wieder ein 0:5 aufholt


Gleich zweimal vollführt die Chinesin Zheng Qinwen bei den US Open ein seltenes Kunststück. Dabei bedient sie sich eines Tricks, der im Tennis magisch wirken kann.

(+) US Open: Die Tennisspielerin, die schon wieder ein 0:5 aufholt
Sie hat es schon wieder getan: Die Chinesin Zheng Qinwen liegt jubelnd auf dem Court.
Seth Wenig/AP Photo

Zheng Qinwen, 23, stand auf dem Hartplatz im Arthur Ashe Stadium und sprach so, als hätte sie gerade die US Open gewonnen. Sie redete über Verbesserungen auf dem Platz, was ihr alles geglückt sei, am Ende dankte sie den Fans fürs Erscheinen und ihrem Team für die Zuarbeit. Sie lächelte und winkte. Die überschwängliche Freude, obwohl es nur ein Sieg im Achtelfinale war, war nachvollziehbar. Einmal ein 0:5 in einem Satz aufzuholen, ist eine Kunst. Aber im nächsten Match wieder? Das grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Zheng hat genau das geschafft. Und weil die Chinesin, die vor zwei Jahren olympisches Gold in Paris gewann und ab Mitte 2025 eine schwierige Zeit als Profi erlebte, als Qualifikantin plötzlich im Viertelfinale in New York steht, kann sie sich tatsächlich wie eine Siegerin fühlen.

Ihre Comeback-Geschichte ist zweifellos besonders, denn sie ist ja nicht irgendwer. Seit dem Triumph in Frankreich, als sie Angelique Kerber in deren letztem Karrierematch besiegte, ist sie in China ein Superstar. Dieser oft strapazierte Begriff trifft auf sie dort wirklich zu. Sie ist regelmäßig auf den Titeln von Modemagazinen zu sehen und hat beste Werbeverträge. Ellbogenprobleme hatten Zheng allerdings im vergangenen Jahr zugesetzt, sie musste sich operieren lassen. Daraufhin fiel sie, im Juni 2025 Vierte der Weltrangliste, tief. Derzeit ist sie 121., in New York konnte sie nicht mal im Hauptfeld starten.

Angelique Kerber gelingt gegen die Chinesin Zheng Qinwen ein dramatisches Abschiedsspiel, reich an spannenden Wendungen, aber ohne Happy End. Ihre Tenniskarriere beendet sie mit Stolz – und versöhnt mit Paris.

Ohne zu lamentieren, trat sie in der Qualifikation an, setzte sich durch. Für sie war dieses Erlebnis schon speziell: „Ich habe sogar geweint, nachdem ich das dritte Match gewonnen und das Hauptfeld erreicht hatte“, sagte Zheng nach ihrem Erfolg in der dritten Runde. Gegen die Amerikanerin Madison Keys hatte sie im dritten Satz einen 0:5-Rückstand aufgeholt, dabei einen Matchball abgewehrt und 1:6, 7:6 (3), 7:5 gesiegt.

In der Runde der letzten 16 beim bislang exzellenten Frauenturnier gelang eine ähnliche Aufholjagd. Gegen die sechsmalige Grand-Slam-Siegerin Iga Swiatek lag sie im ersten Satz 0:5 zurück. Sie hätte lange nicht mehr auf einem Centre Court gespielt, sagte sie, sie hätte sich erst ans Arthur Ashe Stadium gewöhnen müssen: „Anfangs fehlte mir der Rhythmus.“ Sie behalf sich mit einem Trick, der langweilig klingt, im Tennis aber magisch wirken kann: „Ich begann, nur Punkt für Punkt zu spielen. Irgendwann vergaß ich das Ergebnis.“

So gelang es ihr, im achten Duell mit der Polin beim 7:5, 6:3 den zweiten Sieg zu erzielen. Im Viertelfinale trifft Zheng, die in China kaum auf die Straße gehen kann, weil sie von Fans so bedrängt wird, auf Jelena Rybakina. Die für Kasachstan startende Weltranglistenzweite, in Russland geboren, besiegte Naomi Osaka (Japan) 6:1, 6:3. Rybakina könnte bei den US Open im besten Fall die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka ablösen. Nächste Gegnerin der Belarussin ist Wimbledonsiegerin Linda Noskova aus Tschechien. Das Viertelfinale erreichte auch Coco Gauff aus den USA; die US-Open-Siegerin 2023 bezwang Landsfrau Iva Jovic in einer hochklassigen Partie 6:1, 6:4.

In New York kocht eine Debatte hoch: Sind die vom Grand-Slam-Turnier gewünschten Horden von Influencern eine Plage oder ein Segen für den Tennissport?

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