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30.07.2026
18:01 Uhr
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Sollte die Fifa ihren umstrittenen Investorendeal weiterverfolgen, sind alle europäischen Fußballverbände bereit, die Fußball-WM zu boykottieren.

Gegen Gianni Infantinos WM-Privatisierungspläne regt sich Widerstand. Tony Gutierrez/AP/dpa
Kein Investorendeal – oder ein WM-Boykott. Die Europäische Fußball-Union Uefa droht im Machtkampf mit Fifa-Präsident Gianni Infantino mit maximaler Eskalation. Auf der Dringlichkeitssitzung aller 55 Nationalverbände am Donnerstagnachmittag wurde ein Boykott aller Fifa-Turniere für den Fall beschlossen, dass Infantino seinen Investorendeal durchdrückt. Das teilte die Uefa in einem Statement mit.
„Keine Nationalmannschaften aus der Uefa werden an irgendeinem Fifa-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, heißt es in der Mitteilung. Betroffen wäre als nächstes großes Turnier die Frauen-WM 2027 in Brasilien, am 5. September 2026 startet die U-20-WM der Frauen in Polen.
Die Fifa hatte mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte an Investoren etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einspielen zu wollen. Ohne die Europäer um Weltmeister Spanien, England, Frankreich und Deutschland würde die WM ihren sportlichen Wert aber weitgehend einbüßen.
„Die Uefa und ihre 55 Mitgliedsverbände stehen geschlossen zusammen. Wir lehnen den Vorschlag der Fifa, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen Fifa-Wettbewerben auf private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ab“, hieß es. Die Weltmeisterschaft dürfe nicht als „Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eines der größten Vermächtnisse des Fußballs“. Die Weltmeisterschaft stehe „nicht zum Verkauf“. Die Uefa werde alle Fifa-Turniere boykottieren, „es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die Fifa ihre Führungsstrukturen oder Wettbewerbe niemals wieder für private Eigentümer öffnen wird.“
Infantino hatte nach dem weltweiten Aufschrei, der der Verkündung folgte, energisch in den Verteidigungsmodus geschaltet – er sah sich am Mittwochabend in einem knapp fünfminütigen Monolog zu einer Klarstellung seines umstrittenen Investorenplans genötigt. „Es ist ein Vorschlag, ein Angebot, Teil eines demokratischen Beratungsprozesses“, sagte der Fifa-Präsident in einem Video, das der Weltverband veröffentlichte: „Es ist eine Gelegenheit, aber keine Verpflichtung.“ Den massiven Widerstand vor allem aus Europa, das machte Infantino deutlich, könne er in keiner Weise nachvollziehen.
Die Fifa will die WM-Rechte veräußern und lockt die Nationalverbände mit gewaltigen Geldsummen für ein Ja. Aber der Unmut ist immens – weit über Europa hinaus. Hat die Fußballwelt jetzt genug von Gianni Infantinos Eskapaden?
Der 56-Jährige präsentierte in aller Ausführlichkeit die Vorzüge seiner neuesten Geschäftsidee. Er verspreche sich davon die „Erschließung bisher nicht realisierter Werte“. Die „kommerzielle Seite des Fußballs“ zu stärken, sei „der logische nächste Schritt“ in der Entwicklung, betonte Infantino.
Für seine milliardenschwere Idee begeistern will Infantino die 211 Fifa-Mitgliedsstaaten bis zum 19. September. Dies ist die Deadline, bis zu der die Verbände ihre reichlich entlohnte Zustimmung geben können. Gelockt wird mit hohen Summen, gleich mit dem Ja-Wort für die Pläne sollen 20 Millionen US-Dollar abrufbar sein. Außerdem wird mit der Aussicht auf eine nochmals erweiterte WM geködert. Neben der Zustimmung des vorab offenbar nicht informierten Fifa-Councils braucht es zur Umsetzung des Vorhabens eine einfache Mehrheit von den Verbänden, 106 Befürworter würden reichen.
Die Kontinentalverbände AFC (Asien) und CONCACAF (Nord- und Mittelamerika plus Karibik) hatten sich mehr irritiert über das Vorgehen der Fifa als über die Idee an sich gezeigt. Während sich Südamerika bedeckt hält, signalisierte Afrikas Fußballverband (CAF) als bisher einzige Dachorganisation Unterstützung.
Der heftigen Kritik aus vielen Richtungen hatte sich am Mittwoch auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf angeschlossen. Es sei „ein fatales Zeichen, die Fußball-WM für Investoren zu öffnen. Der Fußball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft, wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes in einem Interview mit der Sportschau und dem ZDF. Infantinos Pläne seien „überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig“.
Für eine schnelle Zustimmung gibt es 20 Millionen Dollar extra: Fifa-Präsident Gianni Infantino setzt die Nationalverbände unter Zeitdruck. Dabei liegen die zentralen Punkte des geplanten Verkaufs der WM-Rechte im Dunkeln.
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