SZ 18.03.2026
17:03 Uhr

(+) Wohnheime in München: Wie geht es weiter in der Studentenstadt?


Die schlimmen Zustände im größten Studierendenwohnheim der Stadt beschäftigen die Politik weiter. Die Bewohner selbst zeigen sich mit den bisherigen Ausbesserungen wenig zufrieden – und bemängeln vor allem fehlendes Mitspracherecht.

(+) Wohnheime in München: Wie geht es weiter in der Studentenstadt?
Das Studierendenwerk hatte angekündigt, akute Mängel in der Altstadt der Studentenstadt zeitnah zu beseitigen, wie etwa hier von Wasser beschädigte und schimmlige Wände. privat

Ein paar neue Kühlschränke, erneuerte Fugen und eine Grundreinigung – ein bisschen was hat sich getan in der sogenannten Altstadt der Studentenstadt Freimann (Stusta). Im Januar hatten die Studierenden die dortige prekäre Wohnsituation öffentlich gemacht. Fotos von Schimmel, Dreck und Räumen in nahezu unbewohnbarem Zustand hatten für Aufruhr gesorgt. Das Studierendenwerk (Stuwerk) versprach – auch nach einigem Druck durch die Staatsregierung – einen umfassenden „Aktionsplan“ zur sofortigen Verbesserung. Doch wie weit ist dieser fortgeschritten? Und: Wie geht es jetzt weiter?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Mittwoch erneut auch der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im bayerischen Landtag. Eigentlich sollte es um einen Antrag der SPD-Fraktion gehen, die eine Überprüfung sämtlicher Wohnheime bayerischer Studierendenwerke auf Zustände wie solche in Freimann forderte. Dabei kam auch die dortige Situation zur Sprache. Katja Weitzel (SPD) argumentierte, dass vor allem fehlendes Geld der Grund dafür sei, warum Wohnheime nicht ordnungsgemäß instand gehalten werden könnten. Dem widersprach Robert Brannekämper (CSU), der bereits mehrfach in Freimann war. Geld zur Instandhaltung habe das Stuwerk genug, so Brannekämper. Es scheitere nicht an den Mitteln, sondern an der Organisation.

Einigkeit herrschte über den langfristigen Plan für die Altstadt der Stusta. Eine Sanierung sei unter den dortigen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich, hatte das Stuwerk selbst bereits im Januar erklärt. Ein Neubau scheint somit unausweichlich. Verena Osgyan (Grüne) sprach von einer Aufgabe, die viel Zeit, Kapazitäten und „ein paar Hundert Millionen Euro“ benötigen werde. Deshalb müsse die Staatsregierung schon jetzt planen, um die Mitfinanzierung sichern zu können. Brannekämper bemerkte, dass zudem „Dampf gemacht werden“ müsse bei der Stadt, da bei einem Neubau samt Nachverdichtung auch die Bauverordnung angepasst werden müsse.

Das Studierendenwerk erklärte auf Anfrage, dass alle Maßnahmen zur Instandsetzung, die in der Altstadt der Stusta „sofort ergriffen werden konnten“, weitestgehend abgeschlossen seien, wozu neben der Grundreinigung und der Beseitigung von Schimmel auch gestrichene Wände und erneuerte Steckdosen zählten. Nun stünden noch jene Maßnahmen aus, die von der Verfügbarkeit externer Handwerksbetriebe abhängig seien. Zeitlich laufe alles nach Plan. Das Stuwerk hatte bereits in einer früheren Mitteilung erklärt, alle Maßnahmen bis Ende des bald beginnenden Sommersemesters zum Abschluss bringen zu wollen.

Nach den Kommunalwahlen sollen auch die „vielen Abstimmungsgespräche mit dem Referat für Stadtplanung“ wieder aufgenommen werden, so das Stuwerk. Über eine Machbarkeitsstudie wolle man „den Einstieg in ein Nachnutzungskonzept“ für die Stusta-Altstadt suchen. Mit der Vertretung der Bewohnerschaft sei man im engen Austausch. Zudem sei das Stuwerk jederzeit offen für Feedback. Man habe alle Bewohnerinnen und Bewohner zum Einbringen eigener Ideen aufgefordert.

Die Studierenden widersprechen dieser Darstellung jedoch in Teilen. Auch Philipp Hörterer und Simon Schaub, die auch zum Kreis jener gehören, die die prekäre Lage in der Stusta publik gemacht hatten und die als Zuschauer am Mittwoch im Ausschuss anwesend waren. Es gebe noch immer Räume mit Wasserschäden und Schimmelbefall, so Hörterer. Auch besagtes Schreiben an alle Bewohner habe es nicht gegeben. „Mit uns oder einem anderen Vertreter der studentischen Selbstverwaltung hat niemand mehr gesprochen“, so Hörterer.  Das Stuwerk erklärt dazu auf ihrer Website, die „sogenannte studentische Selbstverwaltung“ sei keine gesetzliche Vertretung der Studierenden. In den Häusern sollen die vom Stuwerk selbst eingesetzten Tutoren als Sprachrohr für die Studierenden fungieren. Von den Tutoren äußerte sich bislang jedoch niemand zu den Vorkommnissen.

Bereits am Montag hatten sich unter anderem Schaub und Hörterer im Namen einer Vielzahl von Bewohnerinnen und Bewohnern der Stusta per Brief direkt an die Politik gewandt. Ein Forderungskatalog beinhaltete unter anderem ein Mitspracherecht bei den Sanierungs- und Neubauplänen. Julian Preidl (Freie Wähler) plädierte in der Sitzung ebenfalls dafür, die Studierenden erneut anzuhören. Dies alles dürfe nicht wieder an den Betroffenen vorbei entschieden werden, so Preidl.

Die Studierenden setzen ihre Hoffnung weiter in den politischen Beistand. Eine Mietminderung, die ein Teil der Bewohnerschaft der Stusta für März angekündigt hatte, wurde bislang nicht geltend gemacht. Jedoch, so Philipp Hörterer, seien noch viele der angezeigten Schäden nicht behoben. „Falls es in den nächsten Monaten zu keiner Besserung kommt, haben wir stets die Möglichkeit, eine Mietminderung durchzusetzen.“

Mehr als 2000 Fotos, die der SZ vorliegen, zeigen massiven Schimmel in Wohnheimen des Studierendenwerks. Selbst der CSU-Wissenschaftsminister spricht von nicht hinnehmbaren Zuständen.

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