SZ 20.06.2026
07:15 Uhr

0:1 gegen Paraguay: „Beschämend“: Die Türkei ist raus


Nach nur zwei Spielen hat die Türkei bei der Fußball-WM keine Chance mehr auf die K.-o.-Runde. Trotz einer Halbzeit in Überzahl gelingt dem Team um Arda Güler kein Tor gegen Paraguay.

0:1 gegen Paraguay: „Beschämend“: Die Türkei ist raus
Kerem Aktürkoglu mit der Geste zum türkischen WM-Turnier. Tayfun Coskun/Anadolu Agency/Imago

Trotz langer Überzahl nach einer Rot-Premiere hat die Türkei gegen Paraguay verloren und scheidet nach der WM-Vorrunde aus. Die Mannschaft um Superstar Arda Güler von Real Madrid unterlag den Südamerikanern 0:1 (0:1). Nach zwei Niederlagen steht die Mannschaft von Trainer Vincenzo Montella somit vor dem letzten Vorrundenspiel gegen den nun als Gruppensieger feststehenden Co-Gastgeber USA als Tabellenletzter in Gruppe D fest, die erste WM-Teilnahme seit 2002 ist eine riesige Enttäuschung. Da bei dieser WM bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt, kann die Türkei weder Australien noch Paraguay mit einem Sieg gegen die USA überholen.

„Wir sind richtig, richtig traurig. Das ist auch beschämend, wir entschuldigen uns bei unserem Volk“, sagte Güler nach dem Aus. „Wir weinen in der Kabine. Wir müssen alles tun, um das wieder gutzumachen.“ Trainer Montella stellte sich schützend vor sein Team: „Ich kann meinen Spielern nichts vorwerfen“, sagte der Italiener und bezog sich auf 62 Schüsse seines Teams in zwei Gruppenspielen – von denen allerdings nur 12 aufs Tor gingen. „Das Glück war nicht auf unserer Seite“, sagte Montella, „aber das Team hat Herz und Seele gezeigt. Fußball ist nicht logisch, deswegen ist es das schönste Spiel der Welt. Das bessere Team gewinnt nicht immer.“ Schon beim 0:2 zum Auftakt gegen Australien war die Türkei ohne eigenen Treffer geblieben.

Im San-Francisco-Bay-Area-Stadion in Santa Clara erzielte Matías Galarza (2. Minute) das entscheidende Tor für Paraguay, das später lange nur zu zehnt spielte. Schiedsrichter Ivan Barton schickte Miguel Almirón in der Nachspielzeit der ersten Hälfte vom Platz, weil er sich im Disput mit Gegenspieler Mert Müldür die Hand vor den Mund gehalten hatte. Damit wandte der Unparteiische aus El Salvador erstmals eine bei dieser WM neu eingeführte Regel an. Durch sie soll diskriminierendes Verhalten verhindert werden. Paraguay hat nun drei Punkte und kann die K.-o.-Runde in der Partie gegen Australien aus eigener Kraft erreichen.

Der einstige türkische Nationalspieler Halil Altintop kritisierte als Experte bei Magenta TV: „Es hat sich ja gar nichts verändert, ob sie jetzt einen Mann mehr waren oder nicht. Das ist erschreckend.“ Vor der WM habe „riesige Euphorie“ geherrscht, „weil die Entwicklungen der letzten Jahre positiv waren.“ Die Türkei habe eine gute Mannschaft mit viel individueller Qualität. „Aber: an Naivität nicht zu überbieten“, so Altintop. „Man hat heute gesehen, dass die Mannschaft nicht mit dem Druck umgehen kann.“

Seine Mannschaft wolle auf dem Platz zurückschlagen, hatte Montella nach der von ihm als übertrieben aufgefassten Kritik nach der Auftaktniederlage gegen Australien gesagt. Doch die Türkei wurde früh geschockt. Paraguay eroberte den Ball im türkischen Aufbau, spielte Galarza frei und der 24-Jährige traf aus gut 20 Metern platziert ins Eck.

Die paraguayischen Fans waren begeistert. Und die Türkei mühte sich, ins Spiel zu kommen. Ein erster Abschluss von Güler aus aussichtsreicher Position flog weit über das Tor. Nach einer halben Stunde hatten die Türken zwar fast 80 Prozent Ballbesitz, viel fingen sie damit aber nicht an. Und Glück hatten sie auch nicht. Nach einem Freistoß setzte sich Müldür im Kopfballduell durch. Der Ball sprang erst an die Latte, dann an den Pfosten – und nicht ins Tor.

Wie viel auf dem Spiel stand, war im ganzen Stadion greifbar. Immer wieder wurde es hektisch. Schiedsrichter Barton hatte oft Mühe, die erhitzten Gemüter zu beruhigen – und stand dann im Mittelpunkt, als er Almirón nach Ansicht der Videobilder Rot zeigte.

Mit einem Mann mehr wurde der Druck der Türken immer größer. Das Montella-Team hatte auch Abschlüsse. Es fehlte jedoch entweder die Präzision – oder Paraguays Torwart Orlando Gill verhinderte den Gegentreffer. Die Südamerikaner verteidigten leidenschaftlich und brachten den knappen Sieg über die Zeit.

Neue Aufstellung bei der Hymne, eine Vielzahl von Schiedsrichter-Countdowns, mehr Macht für den VAR und eine angeordnete Trink- und Werbepause: alle Änderungen bei der WM in der Übersicht.

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