SZ 28.09.2026
15:08 Uhr

Erinnerungskultur: „An Arroganz nicht zu überbieten“


Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verfügt im Alleingang, dass der „Erinnerungsort“ zum Kolonialismus nach Bremen kommen soll. Politiker, Historiker und Aktivisten fühlen sich aus der Debatte ausgeschlossen.

Erinnerungskultur: „An Arroganz nicht zu überbieten“
Das Bremer Kolonialdenkmal, ein Elefant aus Ziegelsteinen, wurde 1932 eingeweiht. 1989 wurde es zum Antikolonialdenkmal umgewidmet.
Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo

Deutschland wird viel gerühmt für seine Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus, Holocaust und DDR-Unrecht. Doch ein Kapitel fehlte bislang: der Kolonialismus. Auch die Bundesregierung sah das so. Die Aufarbeitung des Kolonialismus solle „intensiviert“, ein „würdiger Erinnerungsort“ eingerichtet werden, schrieben CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag. Doch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer scheint das Thema nicht allzu wichtig zu sein. Aus dem Gedenkstättenkonzept des Bunds hat er den Kolonialismus gestrichen. Nun hat er darüber hinaus entschieden, dass der Erinnerungsort in Bremen eingerichtet werden soll, nicht in Berlin. Eine Sprecherin bestätigte das; doch wie es zu der Entscheidung kam und was in Bremen geplant ist, sagte sie nicht. Historiker und Aktivisten, die sich mit der Aufarbeitung des Kolonialismus beschäftigen, wurden offenbar nicht konsultiert.

Die AfD fordert eine neue deutsche Erinnerungskultur und spricht vom „Schuldkomplex“. Gedenkstätten und Erinnerungsorte halten dagegen – mit einer Kampagne in den sozialen Medien.

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