SpOn 25.09.2026
15:29 Uhr

Arbeitsmarkt: Flexible Personalplanung nimmt zu, Beschäftigte tragen die Last


Befristungen, Arbeitszeitkonten, Überstunden: Die deutsche Wirtschaft setzt zunehmend auf flexible Personalplanung. Beschäftigte zahlen den Preis.

Arbeitsmarkt: Flexible Personalplanung nimmt zu, Beschäftigte tragen die Last

Deutsche Unternehmen wollen den Einsatz befristeter Verträge deutlich ausweiten. Das zeigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Randstad und des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo unter 469 Personalverantwortlichen deutscher Arbeitgeber, vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Großunternehmen. Sie bezieht sich auf das dritte Quartal 2026 und liegt dem SPIEGEL exklusiv vor.

Demnach planen 26 Prozent der befragten Firmen, künftig mehr Befristungen zu nutzen, vor einem Jahr waren es 12 Prozent. Nur noch 18 Prozent wollen Befristungen zurückfahren, ihr Anteil betrug im Vorjahr 23 Prozent. Unterm Strich werden die Unternehmen offenkundig deutlich zurückhaltender, Personal dauerhaft an sich zu binden. Befristete Verträge laufen aus, ohne dass es einer Kündigung bedarf.

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Bereits heute setzen 30 Prozent der Betriebe dieses Instrument ein. In der Industrie ist der Anteil mit 42 Prozent deutlich höher als im Handel (22 Prozent) und im Dienstleistungssektor (24 Prozent). Besonders stark greifen Großunternehmen zu: 59 Prozent von ihnen arbeiten mit befristeten Verträgen, bei Kleinbetrieben ist es nur etwa jeder fünfte.

Sachgrundlose Befristungen sind vom Gesetzgeber eingeschränkt, grundsätzlich sind sie nur zwei Jahre lang möglich, die Regierung plant eine Verlängerung auf vier Jahre . Wenn die Unternehmen die bestehenden Spielräume nun stärker nutzen, lässt sich das als Signal wachsender Unsicherheit deuten. Angesichts lange schwachen Wachstums, wackeliger Konjunktur und häufiger geopolitischer Schocks wie des Irankriegs und seiner Folgen sichern sich Unternehmen maximale Beweglichkeit. Die Kehrseite: Die Unsicherheit überträgt sich auf viele Beschäftigte, die sich um ihre berufliche Zukunft sorgen und womöglich Abstiegsängste entwickeln.

Andere Möglichkeiten der Flexibilisierung

Die Betriebe nutzen auch andere Mittel. So wollen 33 Prozent der Befragten in den kommenden Monaten stärker von Arbeitszeitkonten Gebrauch machen, 21 Prozent von Überstunden und 15 Prozent von Outsourcing.

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Der wirtschaftliche Druck dominiert im Arbeitsalltag das Verhältnis zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften, wie die Befragung zeigt. 44 Prozent der Betriebe nennen ihn als prägendes Thema der vergangenen zwölf Monate – deutlich vor allen anderen Faktoren wie neuen Arbeitsmodellen, Innovationen, Führungswechseln oder Restrukturierungen.

Besonders in der Industrie schlägt sich der Druck in härteren Einschnitten nieder: Hier berichten 17 Prozent der Unternehmen, dass Restrukturierung und Stellenabbau das Miteinander bestimmen – mehr als doppelt so viele wie im Handel. Dienstleister wiederum nennen überdurchschnittlich häufig die Einführung neuer Arbeitsmodelle, die oft als Reaktion auf Kostendruck und den Einsatz von KI gelten.