Es war ein denkwürdiges Bild: Als sich Armin Laschet (CDU) nach der Ahrtalflut im Sommer 2021 einen Lacher während eines Ortstermins erlaubte, hat das dem Ruf des damaligen Kanzlerkandidaten geschadet. Einen tatsächlichen Einfluss auf das spätere Wahlverhalten konnte eine Studie allerdings nicht nachweisen . Zwei Politikwissenschaftler der Universitäten Mainz und Frankfurt am Main hatten die Auswirkungen des »Laschet-Lachers« untersucht.
Hintergrund der Untersuchung war eine Szene aus dem Katastrophengebiet im nordrhein-westfälischen Erftstadt, das Armin Laschet im Juli 2021 als Kanzlerkandidat und Ministerpräsident besuchte. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Flutopfern sein Beileid aussprach, sah man Laschet im Hintergrund lachen. Ein Foto davon galt lange als Wendepunkt im Bundestagswahlkampf. Laschet beschrieb sein Verhalten im Nachhinein als »unpassend« und entschuldigte sich.
Ich danke dem Bundespräsidenten für seinen Besuch. Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben. Umso mehr bedauere ich den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden ist. Dies war unpassend und es tut mir leid.
— Armin Laschet (@ArminLaschet) July 17, 2021
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»Bis heute hält sich die Vorstellung, dass dieser Moment Laschet möglicherweise sogar die Wahl gekostet hat«, erklärte Constantin Wurthmann von der Universität Mainz. Wählerinnen und Wähler reagierten positiv auf angemessene emotionale Reaktionen von Politikern. Das sei gut belegt, so Wurthmann. Über unangemessene Reaktionen sei bislang weniger bekannt. Zwar könnten solche Normverletzungen enorme mediale Aufmerksamkeit erzeugen, es sei aber entscheidend, »ob ein solcher Imageschaden am Ende auch das politische Verhalten der Menschen verändert«.
Dank eines Zufalls konnten die Forschenden diese Frage anhand der Laschet-Situation gut untersuchen: Zufälligerweise lief zu der Zeit bereits eine Langzeitbefragung zur Bundestagswahl 2021, mit Umfragen vor und nach dem Lacher. »In der Politikwissenschaft wird ein solches Forschungsdesign als ›Unexpected Event during Survey Design‹ bezeichnet«, sagte Jan Berz von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Die Ergebnisse der Umfragen lieferten nun die Grundlage für die neue Studie und zeigten einen moderaten messbaren Imageschaden Laschets. In Bezug auf Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung seien allerdings keine nennenswerten Auswirkungen beobachtet worden, so das Ergebnis der Studie.
»Der Schaden am Bild der Person ist real, aber begrenzt und übersetzt sich nicht in Verhalten«, so Wurthmann. Die Annahme, dass öffentliches Fehlverhalten auch entscheidend auf einen Wahlkampf einwirke, werde durch die Studie relativiert. Die Bewertung einer Person und die spätere Wahlentscheidung seien verschiedene Dinge.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, »Laschets Lacher« habe im Ahrtal stattgefunden. Tatsächlich kam es in Erftstadt zu der viel beachteten Szene.


