Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat erklärt, warum er nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg keinen Ministerposten bekommen hat – und auch künftig nicht für ein entsprechendes Amt infrage kommt. Palmer nannte drei Gründe.
»Erstens bin ich nach 20 Jahren als Oberbürgermeister für das Ministeramt nicht geeignet«, sagte der 54-Jährige der »Schwäbischen Zeitung« und dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag.
»Zweitens habe ich nach all meinen Eklats gar keine Aussichten mehr. Das ist beendet. Ich bin parteilos, und diese Ämter werden nur von Parteien vergeben«, sagte Palmer. »Drittens bewirke ich als Oberbürgermeister und Talkshow-Gast mehr als in jedem Ministerium.«
Palmer war zu Beginn seiner Karriere Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. Er war mal als möglicher Nachfolger des damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) gehandelt worden. Doch 2023 trat er nach mehreren Skandalen bei den Grünen aus. Beim linken Flügel der Ökopartei gilt er deswegen vielen als rotes Tuch.
»Ich passe in kein Lager«
Rund um die Landtagswahl in Baden-Württemberg war spekuliert worden, ob Palmer einen Ministerposten unter Regierungschef Cem Özdemir (Grüne) bekommt. Dieser machte seinen Freund und Trauzeugen schließlich zu einem ehrenamtlichen Berater, der dem Land beim Bürokratieabbau helfen soll.
Palmer sagt über sich selbst: »Ich passe in kein Lager.« Er beschreibe sich als grün und konservativ, heißt es in dem Bericht. Mit der CDU fordere er mehr Videoüberwachung am Bahnhof, mit den Grünen mehr Windräder.
Sein »konsequenter Pragmatismus«, so beschreibt es Palmer, »führt dazu, dass ich in manchen Punkten der SPD nahestehe, in manchen den Grünen und in manchen auch der AfD. Klingt ganz schlimm, ist aber so.« Er suche Mehrheiten, wie er sie brauche, heißt es in dem Bericht. »Kommunalpolitisch funktioniert das wunderbar, bundespolitisch aber nicht.«
Sein Vater Helmut habe sich einen Wahlspruch des Humanisten Erasmus von Rotterdam in sein Tagebuch geschrieben, sagte Palmer den Zeitungen. »Nulli cedo«, zu Deutsch: Ich weiche niemandem. »Mir wurde vorgelebt, dass man für seine Meinung einsteht«, sagte Palmer. »Durch das Erbe meines Vaters war es mir unmöglich, auch nur einen Schritt zurück zu machen.«
