Soldaten patrouillierten vor Supermärkten, Stacheldrahtzäune wurden hochgezogen: Der befürchtete Ansturm weiterer Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta ist ausgeblieben. Trotz Aufrufen in sozialen Netzwerken blieb die Lage am Wochenende ruhig. Spanien und vor allem Marokko hatten ihre Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld deutlich verstärkt.
Ende Juli hatten mehr als 70.000 Menschen versucht, die Grenze von Marokko zur spanischen Exklave zu überwinden. Die allermeisten kehrten kurz darauf wieder nach Marokko zurück. Nach der jüngsten offiziellen Mitteilung Madrids wurden im Meer 83 Leichen geborgen. Nichtregierungsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer auf weit über hundert.
Angst vor Chaos, dann Aufatmen
An diesem Wochenende, zwei Wochen nach dem Eklat, wurden zwar rund 300 Migranten von Sicherheitskräften nahe der rund 20 Kilometer entfernten Grenzstadt Fnideq gestoppt, wie Medien unter Berufung auf marokkanische Behörden berichteten. Diese Zahl ist aber Alltag. Wie die spanische Nachrichtenagentur Efe berichtete, habe die marokkanische Polizei Tränengas eingesetzt, um Gruppen von Migranten in den Hügeln rund drei Kilometer vor der Grenze zu zerstreuen. Am Grenzübergang selbst soll es verhältnismäßig ruhig gewesen sein.
Die Erleichterung in Ceuta war entsprechend groß. »Die Exklave atmete am Samstag auf«, berichteten die Zeitung »El Correo« und andere spanische Medien. Eine ältere Anwohnerin sagte im Fernsehen: »Uns fällt ein Stein vom Herzen. Viele hier hatten große Angst, dass sich das Chaos wiederholt.«
Marokkanische Sicherheitskräfte waren Augenzeugen zufolge rund um Ceuta und auch an der Grenze zur zweiten spanischen Exklave Melilla mit einem Großaufgebot im Einsatz – und verhinderten mögliche Grenzübertritte bereits weit vor der Grenze. Nach Angaben marokkanischer Sicherheitskreise wurden dort 294 Menschen festgenommen, darunter 248 aus Ländern südlich der Sahara sowie 46 Marokkaner. Zudem seien mindestens 61 weitere Personen wegen des Verdachts festgenommen worden, in sozialen Netzwerken zu irregulärer Migration aufgerufen oder diese gefördert zu haben.
Stacheldraht, Wasserwerfer und Patrouillenboote
Mit der Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen wollten die Behörden beider Länder verhindern, dass sich die Ereignisse von Ende Juli wiederholen. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska hatte dieser Tage vor dem Hintergrund der neuen Sorgen erneut betont, die damalige Massenankunft sei ein »außergewöhnliches« Ereignis gewesen, das sich nicht wiederholen werde.
In Fnideq errichetete Marokko laut RTVE unter anderem zusätzliche Sperren aus Stacheldraht und Natodraht. Patrouillenboote überwachten die Küste, Wasserwerfer standen an der Grenze bereit. Zudem wurden auf den Zufahrtsstraßen zahlreiche Kontrollstellen eingerichtet.
Auch Spanien hatte die Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöht. In Ceuta sind inzwischen 880 Beamte der Nationalpolizei im Einsatz – 270 mehr als noch Ende Juli. Unterstützt werden sie von rund 2000 Soldaten und mehr als 700 Beamten der militärisch organisierten Polizeieinheit Guardia Civil.
Nach Angaben von Innenminister Grande-Marlaska halten sich derzeit noch rund 5000 Migranten in Ceuta auf. Es werde noch etwas Zeit dauern, bis die Exklave wieder vollständig zur Normalität zurückkehre, räumte er ein.
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