SpOn 10.10.2026
15:42 Uhr

Deutsche Bahn: Intercity 1 mit Sternfahrt nach Wiesbaden verabschiedet


Mit dem IC 1 begann der moderne schnelle Fernzugverkehr auf festen Linien im Takt. Nach 55 Jahren ist Schluss für die Zuggattung. Aus dem regulären Fahrplan verschwand sie schon im September – baustellenbedingt.

Deutsche Bahn: Intercity 1 mit Sternfahrt nach Wiesbaden verabschiedet

Die Deutsche Bahn trennt sich vom klassischen Zugtyp Intercity 1. Am Samstag fuhren zwei Züge von Hamburg-Altona und München Hauptbahnhof für eine Abschiedstour nach Wiesbaden, wo die Bahn Loks und Wagen aus 55 Jahren Intercity-Geschichte ausstellte. Ursprünglich war eine Sternfahrt mit einem dritten Zug aus Berlin geplant, der jedoch mangels Nachfrage gestrichen wurde.

Moderne ICE auf den Hauptstrecken oder doppelstöckige Intercity 2 für Verbindungen in kleinere Städte hätten den »Reisezugwagenklassiker inzwischen flächendeckend ersetzt«, teilte die Bahn mit. Der im September 1971 eingeführte Intercity habe jedoch »die Grundlagen für den schnellen, vertakteten Eisenbahnverkehr in Deutschland, wenn nicht gar in Europa gelegt«.

Historischer Bundesbahn-Eurocity: »Der dritte Mann« mit Lok der Baureihe 103 im September in Bayern

Historischer Bundesbahn-Eurocity: »Der dritte Mann« mit Lok der Baureihe 103 im September in Bayern

Foto: Wassmuth / Fotostand / picture alliance

Die nun abgeschafften Züge ließen sich flexibel aus einer Lokomotive und mehreren Wagen zusammenstellen. Feste Abfahrzeiten im Stundentakt, ein Bordrestaurant in der Mitte des Zugs zwischen den beiden Wagenklassen und geregelte Anschlüsse zum Umsteigen am selben Bahnsteig seien heute Standard, so die Bahn. Vor dem Intercity habe es Derartiges jedoch nicht gegeben. Auch die Reisegeschwindigkeit von bis zu 200 Kilometer pro Stunde sei mit den vorigen D-Zügen nicht vorgesehen gewesen.

Auch mit Diesellok

Los ging es 1971 mit vier Linien der damaligen Deutschen Bundesbahn durch Westdeutschland, anfangs nur mit Wagen der 1. Klasse und alle zwei Stunden. Ab 1979 fuhren die Intercitys stündlich und auch mit der 2. Klasse. Die Hauptstrecken wurden ab 1991 allmählich vom Hochgeschwindigkeitszug ICE übernommen. Mit den modernen Konzepten trotzte die Bahn ihrem langjährigen Abstieg, da sie Passagiere an Auto und Flugzeug verlor.

Zuletzt waren die klassischen Intercitys vorwiegend auf touristischen Strecken zur Nordsee oder in die Alpen unterwegs. Dort hatten sie den Vorteil, dass statt einer Elektro- auch eine Diesellok den Zug antreiben konnte – auf bis heute nicht elektrifizierten Strecken wie der nach Sylt. Außerdem ließ sich ein Zug mit sogenannten Kurswagen zweiteilen, um auf einem kurzen Abschnitt verschiedene Ziele anzufahren, die allein nicht genug Fahrgäste anlockten – etwa Oberstdorf/Berchtesgaden in den Alpen. Seit dem Sommer werden diese Strecken vom neuen ICE L  bedient, der ebenfalls mit unterschiedlichen Loks bespannt werden kann, allerdings nicht teilbar ist.

Mehr zum Thema

Die letzten Intercity 1 verschwanden bereits im September sang- und klanglos aus dem Fahrplan – »baustellenbedingt«, wie die Bahn mitteilte. Noch bis zum 20. September waren die Züge auf der Linie Köln-Gera im Einsatz, die erst 2018 neu eingeführt wurde, auch um die einstige Großstadt im Osten Thüringens wieder an den Fernverkehr anzuschließen. Nun soll die sogenannte Mitte-Deutschland-Verbindung durch Thüringen ausgebaut und in den kommenden Jahren elektrifiziert werden. Die Arbeiten dauern nach Angaben des Thüringer Verkehrsministeriums voraussichtlich bis Ende 2032.

ahh