SpOn 16.03.2026
10:23 Uhr

Duisburg: Ehemaliger Chefarzt der Jugendpsychiatrie wegen Missbrauchs angeklagt


Einem Mediziner wird vorgeworfen, mehrere Patientinnen missbraucht zu haben. Er soll das Vertrauensverhältnis ausgenutzt und sich ihnen während Gesprächstherapien »in sexuell motivierter Art und Weise« genähert haben.

Duisburg: Ehemaliger Chefarzt der Jugendpsychiatrie wegen Missbrauchs angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat Anklage gegen einen ehemaligen Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie erhoben. Dem Mediziner werde sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Jugendlichen zulasten von vier Patientinnen vorgeworfen, teilte die Anklagebehörde mit.

Zudem wirft sie dem Mann eine Vergewaltigung sowie den Besitz eines »jugendpornografischen Inhalts« – so der strafrechtliche Begriff für Missbrauchsdarstellungen – vor. Der Beschuldigte näherte sich demnach während Gesprächstherapien vier ihm anvertrauten jugendlichen Patientinnen »in sexuell motivierter Art und Weise«. Dabei habe er das über längere Behandlungen aufgebaute Vertrauensverhältnis und das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Therapeut und Patientinnen bewusst ausgenutzt. In 95 Fällen sei es zu sexuellen Handlungen gekommen.

Angeschuldigter in U-Haft

In einem Fall habe sich der Beschuldigte über den erkennbaren entgegenstehenden Willen einer Patientin hinweggesetzt, weshalb ihm insoweit Vergewaltigung vorgeworfen wird. Bei der Auswertung seines privaten Mobiltelefons fanden Ermittler zudem eine Missbrauchsdarstellung, die eine der Patientinnen zeigen soll.

Mehr zum Thema

Der frühere Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Bertha-Krankenhauses des Sana Klinikums in Duisburg sitzt seit dem 22. Oktober in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte Ende 2025 mitgeteilt , der Mann habe Kontakt zu mindestens einer der Geschädigten aufgenommen und versucht, sie zu beeinflussen.

Über die Zulassung der Ende Februar erhobenen Anklage entscheidet das Landgericht Duisburg. Ein Termin für einen Prozess steht bislang nicht fest.

bbr/dpa/AFP