SpOn 07.09.2026
16:03 Uhr

Fachkräftemangel: Bis 2029 könnten 723.000 Fachkräfte fehlen


Die Boomer gehen in Rente, die Zuwanderung sinkt: Der Fachkräftemangel wird sich in Zukunft drastisch verschärfen, warnt eine Studie. Einzelne Berufe sind besonders betroffen.

Fachkräftemangel: Bis 2029 könnten 723.000 Fachkräfte fehlen

Verkäufer, Handwerkerinnen, Pflegende: Bundesweit werden diese Leute händeringend gesucht. Auch Fachpersonal in anderen Berufen fehlt. Laut einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) dürfte sich diese Fachkräftelücke in den kommenden Jahren noch weiter vergrößern. 2029 könnten, so die Autoren, voraussichtlich 723.000 Stellen nicht mit ausreichend qualifizierten Fachkräften besetzt werden. Das sind laut IW fast doppelt so viele wie 2025. Vor allem im Verkauf wird es eng: Dort könnten in drei Jahren gut 39.000 Einzelhandelskaufleute fehlen.

Ebenfalls stark betroffen sind laut IW die Berufsgruppen Kinderbetreuung und -erziehung mit 29.900 sowie Sozialarbeit und -pädagogik mit 23.600 Stellen. Danach folgen Gesundheits- und Krankenpflege (18.700) sowie Bauelektrik (17.400). Für die Studie schrieb das IW die bisherigen Trends der Jahre 2018 bis 2024 in rund 1300 Berufen bis 2029 fort. Dabei seien Trendänderungen wie der aktuelle Geburtenrückgang oder die zusätzliche Nachfrage durch das staatliche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) noch nicht berücksichtigt worden.

Sicher sei, dass immer mehr Menschen aus den geburtenstarken Babyboomer-Jahrgängen in Rente gingen. Das allein vergrößere die Fachkräftelücke bereits. Dass zugleich die Zuwanderung einbreche, »dürfte den Anstieg noch beschleunigen«, erklärte das IW. Das Problem sei, dass Engpässe genau dort zu befürchten seien, wo im Rahmen des Sondervermögens gerade kräftig in Infrastrukturprojekte investiert werden solle. Schon nach den bisherigen Trends fehlten 2029 rund 15.000 Experten für Bauplanung und -überwachung, erklärte das IW. Die meisten Menschen würden jedoch in Ausbildungsberufen fehlen, die etwa für den Strukturwandel in der Industrie gebraucht würden.

Der demografische Wandel sei in vollem Gange und lasse sich mit Inlandspotenzialen kaum auffangen, führte das Forschungsinstitut aus. Auch die Zuwanderung werde absehbar nicht mehr ausreichen. »Der Fachkräftemangel wird sich daher in vielen Bereichen verschärfen, und wir werden das täglich spüren, etwa bei der Suche nach einem Pflegeplatz oder einem Handwerker«, erklärte IW-Fachkräfteexperte Alexander Burstedde.

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Die aktuelle Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen täusche über den strukturellen Trend hinweg, fügte Burstedde hinzu: »Die Politik sollte kurzfristig die Arbeitsanreize erhöhen und mehr qualifizierte Zuwanderung aus EU-Drittstaaten organisieren.«

mh/dpa/AFP