SpOn 20.09.2026
11:29 Uhr

Fall Scarlett: Fundstück könnte neue Spur im Vermisstenfall liefern


Vor sechs Jahren verschwand eine 26-Jährige beim Wandern im Schwarzwald. Seitdem fehlt jede Spur. Private Helfer glauben jetzt, wichtige Hinweise gefunden zu haben.

Fall Scarlett: Fundstück könnte neue Spur im Vermisstenfall liefern

Vor fast exakt sechs Jahren, im September 2020, verschwand die damals 26-jährige Scarlett Salice beim Wandern im Südschwarzwald. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Weil private Helfer nicht aufgeben, wird nun jedoch ein neues Fundstück untersucht. Noch gibt es aber mehr Fragen als Antworten.

Bei einer privat organisierten Suchaktion wurde ein Reißverschluss gefunden. Der Reißverschluss habe längere Zeit im Wasser gelegen, erklärte ein Polizeisprecher. Er sei den Angaben der Finder zufolge in einem ausgetrockneten Flussbett der Wehra entdeckt worden. Ob bei diesen Gegebenheiten noch DNA-Spuren daran nachzuweisen sind, sei fraglich. Die Kriminaltechnik habe bereits geprüft, ob Größe, Breite und Zahnglieder zu jenem Modell passen, das am Rucksack der Vermissten verbaut war. Da sich eine Übereinstimmung dabei weder ausschließen noch bestätigen ließ, sei das Fundstück zur genaueren Untersuchung ans LKA weitergeleitet worden, das nun zusätzlich das Gewebe abgleiche.

Untersuchung neuer Fundstücke könnte lange dauern

Für den Vergleich stellte die Initiative »Bitte findet Scarlett« zusätzlich einen originalverpackten Rucksack derselben Modellreihe zur Verfügung, den sie über das Internet organisiert hatte. Das erleichtere die Arbeit der Ermittler, sagte der Sprecher.

Die Untersuchung könne allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Analyseergebnis des Reißverschlusses werde womöglich erst in einigen Wochen erwartet.

Grund dafür sei die Priorisierung der Untersuchungen beim LKA. Ein aktuelles Tötungsdelikt werde etwa dringlicher behandelt als ein sechs Jahre zurückliegender Vermisstenfall. »Werden andernorts dringendere Spuren eingereicht, verschiebt sich die Bearbeitung entsprechend nach hinten«, hieß es seitens der Polizei.

Das Todesermittlungsverfahren im Fall Scarlett wurde rund zweieinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden mangels Hinweisen auf eine Straftat eingestellt. Lediglich der Vermisstenfall der jungen Frau aus dem ostwestfälischen Bad Lippspringe ist noch offen.

Zumindest ein Verbrechen ausschließen

Der Vater der Vermissten wünscht sich, dass durch neue Hinweise wenigstens ein Verbrechen an seiner Tochter ausgeschlossen werden könnte. »Wenn man klar rückschließen könnte, hier ist sie abgestürzt, dann könnte man alle Verbrechenstheorien ausschließen«, sagte Ralf Salice in einem Podcast der »Badischen Zeitung« . Das wäre für ihn zumindest ein gewisser Trost – denn »ein Verbrechen wäre das Schlimmste«.

Immer wieder suchen Freiwillige nach Scarlett

Neue Hoffnung und neue Fragen waren aufgeworfen worden, nachdem der private Verein »Finderwille« am vergangenen Wochenende mit rund einem Dutzend Spürhunden nach ihr gesucht hatte. Angaben des Vereins zufolge hatten die Tiere im Bereich des Wildensteinfelsens mehrfach angeschlagen. Der Wildensteinfelsen liegt allerdings abseits des Schluchtensteigs, auf dem Scarlett unterwegs war. Auch hatten sich Experten kritisch dazu geäußert, ob die Hunde nach so langer Zeit etwas hätten wittern können.

Immer wieder suchen Freiwillige nach seiner Tochter – ihre enorme Unterstützung bedeute ihm viel, sagte Salice. »Das sind keine Fremden mehr, das sind Freunde geworden, das sind wirklich getreue Gefährten«, sagte er in dem Podcast sichtlich bewegt.

Seine Tochter sei hilfsbereit und bescheiden gewesen, sehr tierlieb, intelligent und wissbegierig. Nicht zu wissen, was mit ihr geschah, sei eine große Last. Er werde immer wieder in den Schwarzwald fahren, erst recht, wenn sich etwas Neues auftue. »Man will doch wissen, was ist passiert oder wo ist sie.«

Am 10. September 2020 das letzte Mal nachweislich gesehen

Scarlett, damals 26 Jahre alt, war vor rund sechs Jahren zur letzten Etappe auf ihrer Schwarzwaldtour auf dem Schluchtensteig zwischen Todtmoos und Wehr aufgebrochen. Am 10. September 2020 wurde sie das letzte Mal nachweislich gesehen.

xvc/dpa