SpOn 10.03.2026
16:14 Uhr

Großbritannien: Unterhaus in London stimmt gegen Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Großbritannien


Das britische Oberhaus hatte ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ins Spiel gebracht, das Unterhaus schob dem nun erwartungsgemäß einen Riegel vor. Allerdings hatte Premier Starmer Mühe, seine Reihen zu schließen.

Großbritannien: Unterhaus in London stimmt gegen Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Großbritannien

In Großbritannien wird es zunächst kein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige geben. Das Unterhaus hat den Plänen am Montagabend einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für ein Verbot von TikTok, Snapchat und Co. für Kinder und Jugendliche votierten nur 173 Parlamentarier – 307 stimmten dagegen.

Die Labour-Regierung von Premierminister Keir Starmer hatte sich gegen das vom Oberhaus angestoßene Projekt ausgesprochen. Auffallend war nun, dass sich mehr als hundert Labour-Abgeordnete enthielten, was nach Ansicht von Beobachtern als Kritik an der Regierungslinie gewertet werden könnte. Dutzende Labour-Abgeordnete hatten zuvor Premierminister Starmer öffentlich aufgefordert, ein Verbot zu unterstützen.

Der Regierungschef lehnt ein Social-Media-Verbot mit der Begründung ab, dass es zuvor eine ausführliche Konsultation mit Experten, Internetkonzernen und Kinderschützern geben solle. Der entsprechende Prozess war in der vergangenen Woche von der Regierung angestoßen worden.

Im Januar hatte das Oberhaus des britischen Parlaments für ein entsprechendes Verbot gestimmt. Der konservative Abgeordnete John Nash hatte den Vorschlag eingereicht. Ein Labour-Abgeordneter sowie ein Abgeordneter der Liberalen trugen den Antrag mit.

Das Vorhaben orientiert sich an den entsprechenden Regeln in Australien. Dort gilt seit dem 10. Dezember ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche  unter 16 Jahren. Seither nimmt der Staat die Anbieter von Onlinediensten in die Pflicht, die Konten von Nutzern, die unter 16 Jahre alt sind, zu deaktivieren. Plattformen drohen Geldstrafen in Höhe von umgerechnet mehr als 28 Millionen Euro, wenn sie keine »angemessenen Maßnahmen« zur Einhaltung der Vorschriften ergreifen.

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Auch in Deutschland gibt es entsprechende Forderungen. Die Regierungsparteien CDU und SPD drängen auf ein gesetzliches Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren. Einer jüngst veröffentlichten Umfrage zufolge befürwortet ein Großteil der Deutschen die Pläne.

Im SPIEGEL-Interview erklärt Bildungsforscherin Nina Kolleck , wie subtil und unsichtbar TikTok und Co. Kinder und Jugendliche manipulieren – und welchen Anteil Eltern daran haben.

elu/afp