SpOn 18.09.2026
17:15 Uhr

Homer: 1700 Jahre altes Fragment der Odyssee in Utrecht gefunden


Seit Christopher Nolans Adaption fürs Kino ist Homers »Odyssee« wieder häufiger Gesprächsstoff. Das Original war in Ägypten offenbar schon im 3. oder 4. Jahrhundert recht beliebt, wie ein Fund in den Niederlanden nahelegt.

Homer: 1700 Jahre altes Fragment der Odyssee in Utrecht gefunden

Spektakulärer Fund in den Niederlanden: Ein antikes Fragment von Homers »Odyssee« lag in Utrecht offenbar Jahrzehnte zwischen frühchristlichen Schriften aus Ägypten versteckt und wurde dann zufällig entdeckt. Das kleine, rund 1700 Jahre alte löchrige Pergamentstück enthält einen Abschnitt aus dem zwölften Buch von Homers Werk.

Homers »Odyssee« entstand etwa 700 Jahre vor Christus. Der Fund in der Universität in Utrecht legt nahe, dass das Werk des griechischen Autors in Ägypten schon im 3. oder 4. Jahrhundert relativ populär war. Laut der Universität Utrecht sind weltweit nur rund 30 ähnliche Fragmente bekannt.

Mehr zum Thema

Entdeckt wurde das Fragment laut der Universität in einer Sammlung antiker Handschriften. Es war beschädigt und verfärbt und deshalb zunächst als wenig bedeutender Text eingeordnet worden. Als Teil der »Odyssee« identifiziert wurde es dann vom Altphilologen und Papyrologen Dr. Mark de Kreij. Das Fragment ist beidseitig beschrieben und laut den Wissenschaftlern wahrscheinlich ein Teil eines gebundenen Buches. Nach Einschätzung der Universität gehörte die Seite zu einer vollständigen, handlichen Ausgabe der Odyssee.

Nachlass eines deutschen Gelehrten

Die erhaltenen Verse schildern laut der Mitteilung den Moment, in dem Odysseus’ Gefährten trotz eines ausdrücklichen Verbots das heilige Vieh des Sonnengottes Helios getötet und gegessen haben. Das Fragment setzt an der Stelle ein, an der Helios davon erfährt und Zeus um Vergeltung bittet. Kurz darauf verliert Odysseus durch die göttliche Strafe sein Schiff und seine gesamte Mannschaft.

Die Sammlung, in der das Fragment lag, kam Mitte des 20. Jahrhunderts nach Utrecht. Die Universität kaufte sie von den Erben des deutschen Gelehrten Carl Schmidt. Der Bestand umfasst vorwiegend frühchristliche Texte auf Pergament in koptischer Sprache, daneben aber auch ägyptische und griechische Stücke.

Zuletzt wurde in der breiten Öffentlichkeit so viel über die »Odyssee« gesprochen wie seit Langem nicht mehr. Das liegt am Kinofilm von Christopher Nolan, der in diesem Jahr diverse Rekorde gebrochen hat. In der Diskussion über Nolans Homer-Adaption werden alle plötzlich zu Altphilologen. Sie wollen leidenschaftlich mitreden? Die wichtigsten Antworten und Fakten vor oder nach Ihrem Kinobesuch finden Sie hier.

svs