Außenminister Johann Wadephul (CDU) zeigte sich skeptisch gegenüber einem möglicherweise raschen Ende des Irankriegs, das US-Präsident Donald Trump zuvor in Aussicht gestellt hatte. Die USA seien nach wie vor darauf konzentriert, die militärischen Möglichkeiten Irans, »die eine Bedrohung der Nachbarschaft, aber auch Europas darstellen, so zu reduzieren, dass diese Gefahr nicht mehr besteht«, sagte Wadephul bei seinem Besuch in der zyprischen Hauptstadt Nikosia.
Wadephul denke, »dass diese Angriffe so lange weitergehen werden, bis dieses Ziel erreicht ist oder die iranische Seite eine ernsthafte Bereitschaft gezeigt hat, zu verhandeln.« Die Europäer müssten auf den Moment warten, in dem es eine ernsthafte Chance gebe, in Verhandlungen einzusteigen. Sie müssten sich »jetzt sehr schnell aufstellen, damit wir auch in diesen Verhandlungen eine Rolle spielen«.
Revolutionswächter reagieren scharf auf Trumps Aussage
Inmitten heftiger israelischer Angriffe hatte Trump in einem Telefoninterview mit dem US-Sender CBS News gesagt: »Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet. Sie haben keine Marine, keine Kommunikationssysteme, sie haben keine Luftwaffe.« Der Krieg verlaufe »weit vor dem Zeitplan«. Auch Israel gab an, bei der Erreichung seiner Kriegsziele dem Zeitplan voraus zu sein, wie der Botschafter in Frankreich, Joshua Zarka, mitteilte. Auf einen konkreten Zeitpunkt legte sich niemand fest.
Die iranischen Revolutionswächter reagierten scharf auf Trumps Äußerungen. »Wir sind diejenigen, die über das Ende des Krieges entscheiden«, hieß es in einer von der Nachrichtenagentur Tasnim verbreiteten Mitteilung. »Die Bedingungen auf dem Schlachtfeld und das Ende des Krieges liegen in den Händen der Islamischen Republik.«
Seit Ende Februar greifen Israel und die USA immer wieder Iran an. Nach dem Beginn der US-Offensive hatte Trump zuletzt noch gesagt, dass er von einer Kriegsdauer von vier bis fünf Wochen ausgehe. Ende vergangener Woche nannte Regierungssprecherin Karoline Leavitt dann einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen.
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Dass Trump nun von einem baldigen Kriegsende spricht, sorgte vorwiegend auf dem Energiemarkt für Entspannung: Der Preis für Rohöl der Sorte Brent fiel zuletzt auf 92,83 US-Dollar pro Fass (159 Liter) – gut 27 Dollar weniger als noch in der Nacht zum Montag. In Iran geben derweil jetzt die Hardliner den Takt vor. Mehr dazu lesen Sie hier .
