Mit Buhrufen kennen sich Edi Rama und Kanye West aus. Beide verstanden es jahrelang mühelos, sich durch gezielte Provokationen in die Öffentlichkeit zu bringen. Beiden entglitt irgendwann ihr Talent. Gegen Ramas Agieren als albanischer Ministerpräsident protestieren inzwischen Zehntausende Menschen im Land. Sie werfen ihm vor, korrupt, selbstherrlich und Trump-hörig zu sein. Tritt der US-Rapstar West, zwischenzeitlich bekannt als Ye, irgendwo vor die Kamera, ist es kaum anders. Mit ausufernden antisemitischen Tiraden hat er sich vielerorts zur Persona non grata gemacht.
Millionen für eine temporäre Arena
Nun kreuzen sich die Wege beider Männer. Am kommenden Samstag wird West für ein Konzert am Rande der albanischen Hauptstadt Tirana erwartet, die Regierung von Rama will dafür mehr als vier Millionen Euro bereitstellen. Unter anderem für den Bau einer temporären Arena. Trotz des innenpolitischen Drucks halten die Verantwortlichen bislang an diesem Plan fest.
Kanye West Stadium in Albania🇦🇱 almost done pic.twitter.com/XoExBWbJqD
— Kruja Chronicles (@FilteredZero) July 7, 2026
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Seine Regierung habe erst »in letzter Minute« die Summe bereitgestellt, um Albanien vor fast 25.000 ausländischen Besuchern, die bereits Tickets gekauft hätten, »nicht in Verlegenheit zu bringen«, so Rama auf seiner Facebook-Seite. Viele der Gäste hätten bereits eine Absage des Konzerts befürchtet. Man erwarte, übrigens, Besucher aus 80 Ländern, die nur für West ins Land kämen.
Regierung verspricht »mindestens« 100 Millionen Euro
Rama geht nach eigenen Angaben davon aus, dass das Konzert »mindestens« 100 Millionen Euro Einnahmen ins Land spülen wird. Rund um das Konzert seien Buchungen für Übernachtungen bereits in die Höhe geschossen.
Mit großen Summen kennt er sich aus, seit Jahren wirbt der Regierungschef international um Investitionen und politische Unterstützung für den einst isolierten Staat an der Adria. Viele der meist jungen Protestierenden werfen ihm vor, das Land dabei zu verramschen. Kern des Streits ist ein Luxusresort, dass US-Präsident Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner inmitten eines Naturschutzgebiets plant.
Ob das milliardenschwere Projekt noch wie geplant umgesetzt werden kann, ist inzwischen fraglich. Verglichen damit hat die Konzertarena für West einen entscheidenden Vorteil: Sie ist in kurzer Zeit aufgebaut – und danach bald wieder weg.
