Die US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, steht nach Berichten über die mutmaßliche Käuflichkeit ihres politischen Einflusses immer stärker unter Druck. Dabei kommt die Kritik zwar auch, aber längst nicht mehr nur aus den Reihen der oppositionellen Demokraten.
»Was wir in den Berichten gesehen haben, ist sehr beunruhigend, es ist besorgniserregend«, sagte der republikanische Senator John Barrasso dem Sender CBS News. Er gehe davon aus, das Außenministerium werde eine Ermittlung einleiten. Zudem werde sich der zuständige Ausschuss im Senat der Sache annehmen.
Das »Wall Street Journal« hatte zuvor Nachrichten veröffentlicht , die belegen sollen, dass Guilfoyle den Trump-Spender Eric Deters um eine Überweisung in Höhe von 100.000 Dollar gebeten habe. Demnach soll Guilfoyle die dringende Bitte wenige Tage vor ihrer Anhörung im Senat platziert haben. Guilfoyle habe das Geld gebraucht, um Schulden bei der Kreditkartenfirma American Express zu begleichen.
Die heutige Botschafterin war einst mit Donald Trump Jr., dem ältesten Sohn des Präsidenten, verlobt. Zwischen 2001 und 2006 war sie mit dem Demokraten Gavin Newsom verheiratet gewesen, dem Ambitionen auf das Weiße Haus bei der Wahl 2028 nachgesagt werden.
Laut der Zeitung stand Guilfoyle seit Monaten in Kontakt mit Deters, der sie um Hilfe gebeten hatte, um die Aufmerksamkeit der Trump-Regierung auf persönliche steuerliche und rechtliche Angelegenheiten zu lenken – und ihr im Erfolgsfall Zahlungen von bis zu einer Million Dollar versprochen haben soll. Deters zufolge kam es allerdings nie zu einer Zahlung.
»Schatz, bitte, du musst das heute noch für mich erledigen«, schrieb sie Deters demnach und fügte ein Emoji mit gefalteten Händen sowie eine Datei mit Anweisungen zur Zahlung hinzu. Deters habe das Geld so schicken sollen, dass die Überweisung im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar sei.
Botschafterin weist Anschuldigungen zurück
Wie das »Wall Street Journal« berichtete, bestreitet Guilfoyle laut ihrem Anwalt die Echtheit der Nachrichten. Wegen öffentlicher Auftritte sei ihr vor ihrer Anhörung im Senat Geld geschuldet worden. Deters sagte dem »Wall Street Journal« allerdings, keine Schulden bei Guilfoyle gehabt zu haben.
»Es war eindeutig ein Fall von Geld gegen Gefälligkeiten«, sagte Deters dem Sender CBS News . Zu keinem Zeitpunkt habe er vorgehabt, Guilfoyle tatsächlich Geld zu schicken, behauptete er. Stattdessen habe er sich eine Ausrede ausgedacht. Wie CBS News berichtete, teilte Deters die Textnachrichten mit dem Sender, die Guilfoyles Anfrage nach den 100.000 Dollar zeigen. Deters gilt als langjähriger Unterstützer von US-Präsident Donald Trump. Er hatte mehrfach ohne Erfolg für politische Ämter im US-Bundesstaat Kentucky kandidiert.
Außenminister Marco Rubio, dessen Ministerium für die Botschafter verantwortlich ist, traf Guilfoyle erst vergangene Woche in Athen. Bei einer Pressekonferenz wiegelte er angesprochen auf die Berichte jedoch ab: Dies sei nicht der richtige Rahmen für derlei Fragen. »Unsere Botschaft hier leistet hervorragende Arbeit«, sagte Rubio. Guilfoyle sei eine »starke Botschafterin.«
Inzwischen melden jedoch zahlreiche Medien, dass Rubio und auch Trump extrem ungehalten über das Verhalten von Guilfoyle seien. Eine Ablösung steht demnach zur Debatte. Seit Wochen gibt es immer neue Berichte über potenzielles Fehlverhalten. So meldete das »Wall Street Journal«, dass Guilfoyle immer wieder ein bestimmtes Bau- und Energieunternehmen unterstützt haben soll. Zudem wird ihr unterstellt, dass sie das Personal der Botschaft in Athen schlecht behandelt habe. Und dann sind da noch die Berichte, laut denen sie geprahlt haben soll, Regierungen stürzen zu können . Guilfoyle selbst bestreitet jedes Fehlverhalten.
In den Tagen zuvor hatten bereits mehrere Demokraten eine lückenlose Aufklärung gefordert – unter anderem Robert Garcia , ranghöchster Demokrat im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses. »Das ist der jüngste Fall in einer langen Reihe von Korruptionsvorwürfen rund um die Trump-Regierung, und wir verlangen Antworten«, sagte er. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das ein Fall von eklatantem Machtmissbrauch.
Verheiratet mit Gavin Newsom, verlobt mit Donald Trump jr.: Kimberly Guilfoyle war auf beiden Seiten des US-politischen Spektrums aktiv. Die Frau, die den Sturz von Rumäniens Regierung angekündigt haben soll, hat einen zweifelhaften Ruf. Mehr dazu hier .
