SpOn 09.08.2026
05:36 Uhr

Kosovo: Regierungschef Albin Kurti mit Eiern beworfen – von wütender Abgeordneter


Dass Politiker mit Nahrungsmitteln aller Art beworfen werden, kommt hin und wieder vor. Im Parlamentssaal sind solche Vorfälle jedoch die absolute Ausnahme. Eine solche Ausnahme gab es nun in Pristina.

Kosovo: Regierungschef Albin Kurti mit Eiern beworfen – von wütender Abgeordneter
Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa wird als Autorin des Textes genannt, den die Neue Zürcher Zeitung publiziert hat. Pavel Bednyakov/AP/dpa

Kosovo steckt seit bald zwei Jahren in der politischen Sackgasse. Das lässt bei manchen Mitgliedern des Parlaments offenbar die Nerven blank liegen. Das Gremium hat am Samstag seine Sitzung unterbrechen müssen, weil eine Oppositionsabgeordnete Regierungschef Albin Kurti mit Eiern bewarf. »Schäm dich!«, schrie die Abgeordnete Time Kadrijaj von der Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK), als sie die Eier auf den in der ersten Reihe sitzenden Kurti schleuderte.

Die Liveübertragung aus der Kammer in der Stadt Pristina wurde unterbrochen, während Sicherheitskräfte herbeieilten, um Kurti abzuschirmen. Auch andere Abgeordnete waren laut Medienberichten eingeschritten. Die Eier hatte die Politikerin offenbar in einer Tasche in den Saal gebracht.

Kurti zeigte sich von dem Vorfall unbeeindruckt und erklärte, wenn das Werfen von Eiern der Preis für den Dialog sei, »bin ich gerne bereit, ihn zu zahlen«. Auslöser des Angriffs war seine Ankündigung, dass er für die Regierungsbildung mehr Zeit benötige.

Kurtis linksnationalistische Selbstbestimmungs-Partei Vetevendosje (VV) war aus der vorgezogenen Parlamentswahl im Juni als Siegerin hervorgegangen. Für eine absolute Mehrheit reichte es aber nicht, weshalb eine Regierungsbildung schwierig ist. Für die Wahl eines neuen Präsidenten ist zudem eine Zweidrittelmehrheit nötig. Kurti verhandelt schon seit Tagen mit den Oppositionsparteien.

Junges Land möchte in die EU

Die Regierung des Ministerpräsidenten ist wegen der politischen Blockade nur noch geschäftsführend im Amt. Gelingt ihm die Bildung einer neuen Regierung nicht, müsste wieder gewählt werden.

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Kosovo hatte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien verkündet. Das jüngste Land Europas drängt auf eine Mitgliedschaft in der EU. Die Tatsache, dass seit mehr als einem Jahr keine handlungsfähige Regierung am Ruder ist, dürfte bei diesen Bestrebungen eher wenig hilfreich sein.

Hinzu kommen Zwischenfälle bei den diversen Urnengängen. So waren nach der Wahl Ende Dezember mehr als 100 Wahlhelfer wegen des Verdachts auf Wahlbetrug festgenommen worden. Die Vorwürfe reichen von Fälschung von Wahlergebnissen über Einschüchterung bis hin zu Bestechung (mehr dazu hier).

jok/AFP