Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich darauf verständigt, zentrale Vorschriften für Anbieter von künstlicher Intelligenz später in Kraft treten zu lassen als ursprünglich vorgesehen. Dies teilte die Vertretung der Mitgliedstaaten in Brüssel mit.
So sollen Regeln für besonders risikoreiche KI-Systeme erst im Dezember 2027 gelten, also etwa 16 Monate später als zunächst geplant.
Grundlage ist ein Vorschlag der Europäischen Kommission aus dem vergangenen November. Damit sollen Unternehmen mehr Zeit erhalten, um die neuen Vorgaben umzusetzen.
Ursprünglich hätte das europäische KI-Amt bereits ab August mit der teilweisen Durchsetzung der Vorschriften beginnen sollen.
Bevor die Änderungen am Gesetz tatsächlich greifen, müssen sich die EU-Staaten und das Europäische Parlament jedoch noch auf einen endgültigen Kompromiss verständigen.
Weltweit erster umfassender KI-Rechtsrahmen
Das europäische KI-Gesetz, der AI Act der Europäischen Union, legt umfangreiche Pflichten für Anbieter generativer KI fest. Dazu gehören unter anderem Vorgaben dafür, wie Systeme wie ChatGPT oder Gemini ihre Modelle trainieren und welche Transparenzanforderungen sie erfüllen müssen.
Die Kommission hatte das Gesetz als weltweit ersten umfassenden Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz vorgestellt.
Verschärfungen nach Kritik an KI-Funktionen
In den kommenden Monaten sollen zusätzliche Regelungen ergänzt werden. Geplant ist unter anderem ein Verbot, mit KI ohne Zustimmung der Betroffenen sexualisierte oder intime Darstellungen zu erzeugen. Auch Inhalte, die sexuellen Kindesmissbrauch zeigen, sollen ausdrücklich untersagt werden.
Auslöser für die Debatte war unter anderem Kritik an der Plattform X des Unternehmers Elon Musk. Ende 2025 konnten Nutzer den KI-Chatbot Grok dort zeitweise dazu bringen, hochgeladene Bilder zu sexualisieren. Sie forderten das System etwa auf, Fotos zu manipulieren und Frauen in Bikinis darzustellen.
