SpOn 10.09.2026
04:48 Uhr

Marco Rubio verteidigt tödliche US-Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote


Das US-Militär hat drei weitere »Drogenterroristen« in der Karibik getötet. Außenminister Marco Rubio rechtfertigte die umstrittenen Attacken. Die Kartelle würden »wie ein Krebsgeschwür« wachsen, wenn man ihnen nicht die Stirn biete.

Marco Rubio verteidigt tödliche US-Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote

US-Außenminister Marco Rubio hat bei einem Besuch in Ecuador die international umstrittenen Militäreinsätze seines Landes gegen mutmaßliche Drogenboote in der Karibik und im östlichen Pazifik verteidigt. »Wenn man diesen Gruppen nicht die Stirn bietet, werden sie diese Länder regelrecht auffressen«, sagte Rubio am Mittwoch in der Hauptstadt Quito. »Es ist wie ein Krebsgeschwür, das so lange wächst, bis man buchstäblich keinen Staat mehr hat.«

Rubio äußerte sich nach Gesprächen mit Ecuadors Präsident Daniel Noboa, einem engen Verbündeten von US-Präsident Donald Trump. Der US-Außenminister kündigte an, dass Washingtons Einsätze fortgesetzt würden. Am Mittwoch hatte das US-Militär über einen neuen Angriff auf ein Schiff in der Karibik berichtet. Dabei seien drei Menschen getötet worden.

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Rubio kündigte an, die USA würden das Drogenkartell Los Tiguerones als »terroristische Organisation« einstufen und Sanktionen gegen sieben ehemalige ecuadorianische Amtsträger verhängen.

Zugleich pries er eine neue Führungsriege in der Region, die bereit sei, »sehr aggressiv« gegen kriminelle Organisationen vorzugehen. »Ich bin froh, dass wir in dieser Region Politiker haben, die es ernst meinen mit der Verfolgung dieser Organisationen«, sagte Rubio. »Denn wenn wir das nicht täten, hätten wir ein gescheitertes Land nach dem anderen.«

Nach Darstellung von US-Präsident Trump befinden sich die Vereinigten Staaten faktisch im Krieg mit Drogenkartellen in Lateinamerika. Die US-Armee hatte Anfang September vergangenen Jahres den Militäreinsatz »Southern Spear« begonnen. Seit Beginn des Einsatzes wurden nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP bereits mehr als 200 Menschen bei Angriffen auf Boote in der Karibik und im östlichen Pazifik getötet.

Einstufung als »terroristische Organisation«

Die US-Regierung hat bislang keine eindeutigen Belege dafür vorgelegt, dass die angegriffenen Schiffe tatsächlich in den Drogenhandel verwickelt waren. Juristen und Menschenrechtsgruppen kritisieren, die Angriffe könnten außergerichtlichen Tötungen gleichkommen, weil sie sich offenbar gegen Zivilisten richteten, die keine unmittelbare Bedrohung für die USA darstellten. Es gab auch den Vorwurf, dass es sich um mögliche Kriegsverbrechen handelt.

Ecuadors rechtsgerichteter Präsident Daniel Noboa ist einer der engsten Verbündeten von US-Präsident Donald Trump in Lateinamerika. Im März hatte sich Ecuador einer von den USA geführten Koalition zur Bekämpfung des Drogenhandels in der Region angeschlossen.

In den vergangenen Wochen gab es bei den Einsätzen gegen mutmaßliche Drogenboote allerdings Anzeichen für einen Strategiewechsel: Bei gemeinsamen Patrouillen der USA und Ecuadors wurden die Besatzungen von mindestens sechs Booten evakuiert, bevor die Schiffe versenkt wurden.

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Entscheidungen würden von Fall zu Fall getroffen, sagte Rubio nun in Quito. Sie hingen ihm zufolge von der von einem Schiff ausgehenden Bedrohung, seinem Standort und den örtlichen Gesetzen ab. Der Fokus soll dem US-Außenminister zufolge auf der Unterbrechung der Schmuggelrouten liegen – und nicht auf den eingesetzten Mitteln.

In Ecuador liefern sich Drogenbanden heftige Kämpfe um die Kontrolle über die Schmuggelrouten. Im Zuge dessen wurden in den vergangenen drei Jahren in dem südamerikanischen Land mehr als 25.000 Menschen getötet. »Wir sprechen hier von Terroristen, die in vielen Fällen über Waffen und Ausrüstung verfügen, die denen der nationalen Armeen bestimmter Länder ähneln«, sagte Rubio.

Rubio war am Dienstag zu seiner Südamerikareise aufgebrochen. Vor Ecuador hatte er Kolumbien besucht und sich dort mit dem neuen rechtsgerichteten Präsidenten Abelardo de la Espriella getroffen. Letzte Station seiner Reise ist am Donnerstag Peru, wo kürzlich mit Keiko Fujimori eine weitere von Trump unterstützte Präsidentin ins Amt gekommen war.

hda/AFP