In Braunschweig und Essen haben am Samstag zahlreiche Menschen den Christopher Street Day (CSD) gefeiert und für die Rechte von queeren Menschen demonstriert. Wie die Polizei berichtet, waren in Braunschweig 6000 Menschen vor Ort – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. In Essen wurden bislang rund 3500 Demonstranten gezählt. Für den gesamten CSD rechnen die Veranstalter mit rund 12.000 Menschen.
Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD am 25. Juli hatte die Polizei ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. In beiden Städten waren deutlich mehr Beamte im Einsatz, in Braunschweig wurden Straßen abgeriegelt, um die Strecke des Umzugs zu sichern.
Am 25. Juli hatte ein 21-Jähriger am Rande des Christopher Street Day in Berlin mit einem Auto mehrere Menschen angefahren und weitere vermutlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der mutmaßliche Islamist wurde einen Tag später von Polizisten erschossen, als er sie nach Angaben der Ermittlungsbehörden angriff.
In Köln riefen queere Vereine und Organisationen zu einer Solidaritätsdemo auf. Die rund 2000 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen am Sonntag durch die Innenstadt ziehen. Es sei jetzt notwendiger denn je, Haltung zu zeigen und deutlich zu machen: »Wer die Freiheit der queeren Community, die Freiheit dieser Gesellschaft anfechten und einschränken will, legt sich mit den Falschen an«, teilte der Verein Cologne Pride mit. »Wir lassen uns von Queerfeindlichkeit nicht kleinkriegen – egal, aus welcher Ecke sie kommt.«
Die Veranstalter fordern von Bund, Ländern und Kommunen Maßnahmen, damit »queere Strukturen und queeres Leben nachhaltig geschützt und gestärkt« werden.
Regenbogenparade in Prag
Auch in Prag forderten Zehntausende Menschen gleiche Rechte für sexuelle Minderheiten. Zu Beginn der Regenbogenparade wurde eine Schweigeminute abgehalten. Festivalleiterin Kamila Fröhlichova sagte, der Anschlag von Berlin habe die Bedeutung einer solchen Veranstaltung noch einmal hervorgehoben. Hass beginne nicht mit körperlichen Angriffen, sondern mit Worten und Hassreden, betonte sie.
In Berlin haben Menschen erste Blumen und Botschaften am neuen Gedenkort für die Opfer hinterlassen. An dem frisch gepflanzten französischen Ahornbaum steckte jemand einen Zettel mit der Aufschrift »love you all!« fest.
Der neue Ahornbaum wird durch ein schützendes Metallgitter umfasst, an dem Menschen Karten, Fotos, Blumen und persönliche Botschaften anbringen können, ohne ihn zu beschädigen. Neben dem Baum ließ das Bezirksamt Mitte eine Bank in Regenbogenfarben aufstellen. Sie soll zum Innehalten und zur stillen Anteilnahme einladen und Solidarität mit der queeren Community zum Ausdruck bringen.

